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„Jeder Tag ist wie ein Überraschungsei“

Werner Pilgrim nimmt Abschied vom Freibad „Jeder Tag ist wie ein Überraschungsei“

Für viele gehört Werner Pilgrim einfach zum Kirchhainer Freibad dazu. Doch diese Woche wird er zum letzten Mal die Badeaufsicht führen. Denn der Bademeister geht nächstes Jahr in den Ruhestand.

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Werner Pilgrim hat die Badegäste fest im Blick. Bei bis zu 3 000 Besuchern, die in diesem heißen Sommer gezählt wurden, ist das ein sehr anstrengender Job.

Quelle: Mareike Bader

Kirchhain. „Das habe ich meiner Frau versprochen: Ich hör‘ jetzt auf, und die Restzeit gehört nur uns beiden. Das hat sie verdient“, sagt der Fachangestellte für das Bäderwesen, der im Volksmund „Bademeister“ genannt wird. Werner Pilgrim verweist auf lange Arbeitstage während der Freibad-Saison. Im vergangenen Jahr waren diese besonders lang, als er nach dem Wechsel eines Kollegen als einziger Mitarbeiter des Freibad-Teams die Berechtigung für das Steuern der Chlorgasanlage und für die Badeaufsicht hatte. „Wir arbeiten dann, wenn andere Leute Freizeit haben“, sagt er über seinen Beruf, zu dem er per Zufall kam.

Als gelernter Sanitärinstallateur fing Werner Pilgrim 1979 bei der Stadt Kirchhain an. Bei technischen Problemen im Hallenbad wurde er regelmäßig gerufen. Als dort einer von drei Kollegen aus dem Hallenbad den Beruf aufgeben musste, wurde Pilgrim gefragt, ob er sich einen beruflichen Wechsel ins Hallenbad vorstellen könne.

Eine neue Ausbildung, ein neuer Beruf

Er sagte zu, den als ehemaliger Jugendwart und technischer Leiter der DLRG war ihm das Metier nicht fremd. „Da wusste ich noch nicht, dass man den Beruf erlernen kann“, erzählt Pilgrim. Nach einer zweieinhalbjährigen Ausbildung in Friedberg schloss Werner Pilgrim 1986 die Prüfung zum Schwimmmeistergehilfen ab - als Ältester und einziger Hauptschüler unter 60 Auszubildenden. „Das war eine anstrengende Zeit“, berichtet Pilgrim und verweist auf die vielen Felder, die zu seinem Beruf gehören,wie Verwaltung, Technik, Hygiene, Sanitätsdienst und Recht.

„Das kleinste Ding ist die Aufsicht, das Hauptproblem ist, dass die Anlage läuft“, sagt Pilgrim über seine Arbeit im betagten Kirchhainer Freibad. Seit 2008 ist er dort der Hauptansprechpartner. „Auch ich erlebe hier Überraschungen. Ich weiß Vieles, aber nicht Alles“, sagt Pilgrim über das 1956 erbaute Bad. Er schätze besonders die Vielseitigkeit seines Berufs: „Man weiß nie, was an dem Tag noch vorkommt. Ich sag‘ immer: Jeder Tag ist wie ein Überraschungsei.“

Bei gutem Wetter 40 Frühschwimmer im Becken

Er gibt gerne Tipps, etwa wann die beste Zeit für Schwimmer ist - nämlich um die Mittagszeit. Morgens um 10 Uhr sei schlecht, sagt er und berichtet, dass bei gutem Wetter dann um die 40 Frühschwimmer im Becken unterwegs sein können, besonders Aquajogger. Der Sport ist in Kirchhain sehr beliebt. „Da ist nur Stehschwimmen angesagt“, lacht Pilgrim, der umgekehrt von vielen Badegästen den neuesten Tratsch zu hören bekommt: „Man wird hier bestens mit Informationen versorgt. Das ist immer ganz lustig.“ Bis zu 3000 Badegäste hatte er an Spitzentagen diese Saison zu beaufsichtigen, berichtet er. „Für mich war das ein Rekordjahr.“

„Gott sei Dank bin ich verschont geblieben von schlimmen Unfällen“, resümiert Werner Pilgrim seine Laufbahn als Bademeister und klopft vorsorglich nochmal auf den Holztisch. Er habe es mehr mit Frakturen, Schnittwunden, Bienenstichen und kleineren Verletzungen gehabt.

„Man steht immerunter Hochspannung“

„Man steht immer unter Hochspannung, aber das darf man sich nicht anmerken lassen. Wenn ich zeige, dass ich Angst habe, dann kriegen die Leute auch Angst und werden unsicher“, berichtet der 62-Jährige. Ansonsten freue er sich über den Kontakt, gerade zu den Stammgästen. „Das ist im Prinzip wie eine Familie.“

„Ich bereu‘ die Zeit hier nicht, mir persönlich hat es Spaß gemacht. Es ist mir nie langweilig geworden“, so das Fazit des Bademeisters, der bereits die nächste Saison vorbereitet. „Mich betrifft es nicht, aber dann haben es die nachfolgenden Kollegen leichter“.

Nächstes Jahr wird Pilgrim kaum im Kirchhainer Freibad zu sehen sein, er will seinen Nachfolgern Platz machen, stehe für Fragen bei Problemen aber weiterhin zur Verfügung. Er hat sowieso längst schon eigene Pläne: „Für nächstes Jahr wird erst mal Nordsee gebucht - für drei Wochen. Im Sommer, aber hallo.“

von Mareike Bader

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