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Japaner reisen 10.000 Kilometer für die alte Linde

Himmelsberg Japaner reisen 10.000 Kilometer für die alte Linde

Japanische Touristen fotografieren immer und über all. Dabei sind nicht nur Schlösser des „Alten Europa“ einen Klick wert. Auch für die Tanzlinde in Himmelsberg reisen sie 10.000 Kilometer.

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Himmelsberg. Die Tanzlinde in Himmelsberg zählt zu den ältesten Bäumen Deutschlands. Sie ist weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannt. Aber das einmal Touristen aus Japan kommen würden, um sich das Wahrzeichen des Kirchhainer Ortsteils anzuschauen, hätte Ortsvorsteherin Lioba Fabian nie für möglich gehalten.

Doch am Mittwochmorgen war es so weit. Fabian stand umringt von Japanern an der Tanzlinde und erzählte von dem 1.000 Jahre alten Baum. Fabian sprach in Deutsch, Markus Radscheit, Reiseleiter der „Baumreise“, übersetzte ins Englische und eine japanische Dolmetscherin dann in die Muttersprache der Touristen. Letztere hatten alle ihre Kameras gezückt und schossen unaufhörlich Fotos von dem Baumriesen. Koichi Ono hatte sogar eine Staffelei ausgepackt um die Linde zu zeichnen.

Die Himmelsberger Tanzlinde ist der Mittelpunkt des Dorflebens und hat in mehrfacher Hinsicht Bedeutung: in vergangenen Zeiten diente sie bei Streitigkeiten als Gerichtslinde. In der bäuerlich-ländlichen Tradition hat sie einen festen Platz als Tanz- und Festlinde – unter ihr feierten die Himmelsberger jahrhundertelang zahlreiche Dorffeste. Die japanischen Touristen zeigten sich beeindruckt von dem mächtigen Baum und seiner Geschichte.

Insgesamt 18 Bäume wollen die Japaner in Deutschland bis Ende der nächsten Woche besuchen. Die Himmelsberger Linde war die Nummer 1 auf der Liste. „Sie ist auch der älteste Baum unserer Tour“, sagte Radscheit, der bereits im vergangenen Jahr eine ähnliche Tour durch Süddeutschland geleitet hatte. „Alte Bäume haben nicht nur eine lokale Bedeutung für die Menschen vor Ort, sondern sind auch von internationalem Wert“, sagt Radscheit.

Die prominentesten Touristen der 12-köpfigen Reisegruppe sind die japanischen Naturfotografen Yoshida Shigeru und Setsuko Kaine. Seit mehreren Jahren sind die beiden schon in aller Herren Ländern unterwegs, um die größten und imposantesten Bäume der Welt zu fotografieren. Derzeit läuft eine Ausstellung in Manhattan über die ältesten Bäume Koreas. Die Fotos der 1.000 Jahre alten Tanzlinde sollen erst einmal ins Archiv der Fotografen wandern. Irgendwann einmal wird vielleicht auch das Wahrzeichen von Himmelsberg in einer der großen Galerien der Welt zu sehen sein.

von Tobias Hirsch

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