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Intercity fährt, Zuschlagskarten fehlen

Stadtallendorf Intercity fährt, Zuschlagskarten fehlen

Eigentlich spart Bahnpendler André Stoltenberg täglich eine halbe Stunde Zeit, wenn er den neuen Intercity nach Frankfurt nutzt. Aber: Nirgendwo erhielt er bisher die Chance, den Zuschlag zu bezahlen.

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Erst ab dem 1. April gibt es die endgültigen Zuschlagskarten für die neue Intercityverbindung. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. André Stoltenberg fährt seit Jahren mit einer entsprechenden Zeitkarte des Rhein-Main-Verkehrsverbundes von Stadtallendorf nach Frankfurt zur Arbeit. Für ihn lohnt sich die neue Anbindung Stadtallendorfs an das Fernverkehrsnetz der Bahn. Er spart täglich zumindest bei der Hinfahrt eine halbe Stunde Zeit. Eine Rückfahrmöglichkeit per Intercity mit Halt in Stadtallendorf existiert ja bisher nicht, soll aber möglicherweise kommen.

Für die Bahn ist der IC 2223 Kassel-Karlsruhe ein Testballon, um die Resonanz bei den Stadtallendorfer Bahnkunden, insbesondere Pendlern, zu prüfen (die OP berichtete). Der Versuch, die für seine Fahrt mit einem Intercity nötige Zuschlagskarte zu bekommen, ließ Pendler Stoltenberg aber zunächst verzweifeln. Nachdem klar war, dass er eine solche Karte am Automaten im Stadtallendorfer Bahnhof nicht kriegt, wandte er sich an Reisebüros. Die erklärten ihm dasselbe. „Eine solche Karte gebe es nicht, bekam ich zu hören“, berichtete der Stadtallendorfer der OP.

Mancher hätte an dieser Stelle vielleicht schon aufgegeben, Stoltenberg wollte und will aber auf legalem Wege die für ihn attraktive neue Verbindung nutzen.

Er versuchte es im Servicecenter der Bahn im Frankfurter Hauptbahnhof, wo er zunächst eine Stunde wartete. Dort gab sich die Sachbearbeiterin viel Mühe, musste ihn aber am Ende an die zentrale Service-Rufnummer der Bahn in Berlin verweisen.

Dort bekam er am Telefon die Auskunft, dass es diese Karte sehr wohl von Marburg nach Frankfurt, aber eben nicht von Stadtallendorf bis an sein Ziel gebe. Er solle dort in den Intercity einsteigen.

Das rechnet sich aber nicht, ebenso wenig wie eine Einzelfahrt mit dem Intercity zum regulären Preis. Die kostete ihn 26 Euro pro Tag. „Für die Bahn wäre das vielleicht ein gutes Geschäftsmodell, für mich aber nicht“, scherzt Stoltenberg. Auch an die Stadt Stadtallendorf hat sich Stoltenberg zwischenzeitlich gewandt mit der Bitte um Unterstützung.

Zugbegleiter werden unterrichtet

Eine Bahnsprecherin bestätigte gestern das vorhandene Problem, das der Stadtallendorfer schilderte, und es wird noch einige Wochen weiterbestehen. Es habe bei der Umstellung der Verkaufssysteme der Bahn ein Problem gegeben. „Da müssen wir jetzt nachsteuern“, erläutert die Sprecherin auf Nachfrage. Das Nachsteuern wird aber noch bis zum 31. März dauern. Inzwischen soll es eine Kulanzregelung geben.

An Verkaufsstellen und Automaten in Stadtallendorf gibt es zumindest die schon lange vorhandenen Zuschlagskarten für Intercitys von Marburg nach Frankfurt. „Kunden sollten sich bis zum 31. März diese Karte holen“, so die Bahnsprecherin. Sprich: Die Inhaber von Pendler- oder anderen Zeitkarten des Verkehrsverbundes fahren von Stadtallendorf bis Marburg vorübergehend zuschlagfrei. Die Bahn will ihre Zugbegleiter jetzt über diese Lösung informieren. Den Fall, dass ein Kunde mangels Information von einem Zugbegleiter doch am Ende als Schwarzfahrer eingestuft wird, hält die Sprecherin für „hypothetisch“.

Ganz wichtig: Auch diese Zuschlagskarte Marburg-Frankfurt müssen alle Nutzer vor Einstieg in den Zug kaufen. Im Intercity gibt es sie auch in Zukunft nicht, das ist im Bahnverkehr aber üblich.

Wer ganz ohne Zuschlagskarte in einen Intercity einsteigt, fährt „schwarz“ und zahlt das „erhöhte Beförderungsentgelt“.

von Michael Rinde

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