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Innehalten, schauen, erinnern

Gedenken Innehalten, schauen, erinnern

Die Recherchen, die Grundlage für die in Stadtallendorf zu verlegenden Stolpersteine sind, begannen vor Jahren. Ein Schülerprojekt machte seinerzeit den Anfang dafür. Am 18. Mai werden 12 Steine verlegt.

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Auf dem jüdischen Friedhof im Läuser Weg erinnert ein Gedenkstein seit 1985 an die Opfer des ­Nationalsozialismus und die in Allendorf ermordeten Juden. Foto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Sie lassen innehalten, stehenbleiben, schauen, die Stolpersteine, die Künstler Gunter Demnig erstmals 1992 verlegte. Sie erinnern an die Namen und das Schicksal von Juden, die während der NS-Zeit ermordet, deportiert, in den Selbstmord getrieben oder entwurzelt zur Flucht veranlasst wurden. Die Steine liegen in den Bürgersteigen vor ihren letzten frei gewählten Wohnungen und Häusern.

Rund 50000 dieser 96 mal 96 Millimeter großen Steine gibt es inzwischen in verschiedenen Ländern Europas. Am 18. Mai kommen in Stadtallendorf, in der Kernstadt und den Stadtteilen Niederklein und Schweinsberg zunächst zwölf weitere hinzu. Nach Abschluss des Projekts sollen es, so der aktuelle Planungsstand, einmal 34 sein.

Gunter Demnig verlegt die Stolpersteine auch in Stadtallendorf selbst. Hinter dieser Verlegung steckt eine lange und aufwendige Vorarbeit und viel ehrenamtlicher Einsatz. Auch Schüler der Georg-Büchner-Schule legten in einem Projekt zur Erforschung des Schicksals von Juden in Allendorf und den heutigen Stadtteilen ganz wichtige Grundlagen. Sie recherchierten Namen, Daten und Schicksale. Fritz Brinkmann-Frisch, Leiter des Dokumentations- und Informationszentrums und Helmut Herrmann vom Vorstand des Fördervereins für Regional- und Stadtgeschichte, nennen exemplarisch weitere Namen, etwa den von Helmut Weitzel oder Harald Dörr. Das Stadtparlament machte 2013 mit einem Beschluss den Weg endgültig frei für die Verlegung. Alle Hauseigentümer waren mit der Verlegung von eines oder mehrerer Steine vor ihren Häusern einverstanden. „Einer bezahlt sogar den Stein, der vor seiner Türe verlegt werden wird“, sagt Brinkmann-Frisch.

Im vergangenen Herbst warb der Förderverein um Spenden. Jeder Stein kostet 120 Euro. Der Aufruf fruchtete. Je näher der Verlegungstermin rückte, um so größer wurde die Zahl der Spender. Bei der Verlegung eines Stolpersteines für Hermann und Fromnet Ransenberg in der Hahnengasse 2 wird ein Nachfahre, ihr Urenkel Maurice Budow, einige Worte sprechen. An der ersten Verlegestelle im alten Dorf spricht Amnon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg, auch das jüdische Totengebet Kaddisch.

Der Förderverein für Regional- und Stadtgeschichte wird die Stolperstein-Verlegung in Stadtallendorf weiter begleiten und organisieren. Dass in diesem Jahr noch Verlegungen folgen werden, glaubt Fritz Brinkmann-Frisch allerdings nicht. Allein die Termine mit Gunter Demnig haben etliche Monate Vorlauf.

Der Künstler wird sein Projekt am Dienstag, 17. Mai, zunächst in einem Vortrag vorstellen. Fritz Brinkmann-Frisch und Helmut Herrmann hoffen auf großes Interesse der Bürger, sowohl beim Vortrag als auch bei der Verlegung selbst.

Programmablauf:

Am Dienstag, 17. Mai, ab 19.30 Uhr stellt Künstler Gunter Demnig sein Gesamtprojekt zunächst in einem Vortrag im Dokumentations- und Informationszentrum vor.

Am Mittwoch, 18. Mai, beginnt um 9 Uhr die Verlegung der Stolpersteine, zuerst in der Hahnengasse 2. Schüler der Georg-Büchner-Schule werden dort die Kurzbiographien der Ermordeten verlesen. Außerdem legt die Mädchengruppe des Jugendzentrums Blumen nieder. Amnon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg, spricht dort das jüdische Totengebet Kaddisch. Es spielt das Duo Santiago. Im weiteren Verlauf folgt die Verlegung von Stolpersteinen in der Mittelstraße 1. Die Teilnehmer fahren danach nach Niederklein in die Schweinsberger Straße 2 und weiter nach Schweinsberg zur Straße Marktplatz 16. Der Ablauf ist überall ähnlich.

von Michael Rinde

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