Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Regen

Navigation:
Individueller „Hilfe-Mix“ für jeden

Pflegestützpunkt Individueller „Hilfe-Mix“ für jeden

Was tun, wenn alte Menschen Hilfe benötigen? Viele Angehörige pflegen selbst - und haben Anspruch auf Unterstützung. Simone Kretschmar vermittelt passende Ange­bote an die Betroffenen.

Voriger Artikel
Langes Verfahren endet abrupt
Nächster Artikel
Rauschenberg setzt auf Innovation

Simone Kretschmar in ihrem Büro des Pflegestützpunktes in Stadallendorf.Foto: Peter Gassner

Stadtallendorf. Die Menschen, denen Simone Kretschmar begegnet, sind nicht selten verzweifelt. Einen pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen, verlangt ihnen eine Menge ab. „Manche sitzen hier und fangen an zu weinen“, berichtet die Beraterin am Gesundheits- und Pflegestützpunkt des Landkreises in Stadtallendorf. „Oft höre ich zum Beispiel, dass sie total überlastet sind“. Nicht selten aber kann schon eine kleine Hilfestellung vieles verändern. Darüber, welche Einrichtungen und Möglichkeiten es im Bereich Pflege gibt, sind sich viele gar nicht im Klaren. Mit ihrer Beratung vermittelt Kretschmar genau diese Angebote an die Betroffenen.

Die Diplom-Pflegewirtin arbeitet seit Januar 2015 in der Außenstelle des vom Kreis und von Pflegekassen finanzierten Pflegestützpunktes Marburg-Biedenkopf, dessen eigentlicher Sitz in Marburg ist. Bis vorerst 2018 werden jedoch über Projektstellen die zusätzlichen Außenstellen in Stadtallendorf und Biedenkopf finanziert, um den Leuten vor Ort näher zu sein. 208 Klienten begleitet die 43-Jährige dort inzwischen - viele davon auch mehrfach. Themenfelder sind beispielsweise die Einstufung in eine Pflegestufe, die Organisation von Pflegediensten oder hauswirtschaftlichen Hilfen oder Möglichkeiten zur Entlastung des Pflegenden.

„Ich stehe sowohl in Kontakt mit den Angehörigen, als auch mit Ärzten oder Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen“. Oft seien bei einem Patienten auch mehrere Akteure beteiligt - „meine Aufgabe ist es dann, zu vernetzen und das Vorgehen zu koordinieren“, beschreibt sie. Für jeden ihrer Klienten gilt, die individuell beste Lösung zu finden.

Der Reiz liegt in persönlichen Lösungen

Viele Menschen wollen auch mit Demenz, oder nach einem Schicksalsschlag, wie etwa einem Schlaganfall, im gewohnten Umfeld zu Hause bleiben. Ambulante Versorgung hat auch aus Sicht des Staates Vorrang vor der stationären Versorgung im Heim. Damit das funktioniert, müssen die Pflegeleistung an die jeweiligen Erfordernisse angepasst werden. Für Kretschmar ist es der besondere Reiz an ihrem Job. „Die Frage ist immer: Wie kriege ich die bestmögliche Betreuung für den Einzelnen hin? Es macht einfach Spaß zu sehen, dass man mit kleinen Stellschrauben viel bewirken kann und dass Menschen wegen des speziellen „Hilfe-Mixes“ zu Hause bleiben können“, so Kretschmar. Aktuell habe sie vor allem mit der Vermittlung von Kurzzeitpflegeplätzen zu tun, da diese Plätze in der Sommerzeit knapp sein. Wichtig seien bei ihrer Arbeit außerdem auch Bürgerhilfevereine, denn es gehe nicht nur um Pflege, sondern auch um Unterstützung der Menschen im Alltag.

Zuvor arbeitete sie als Pflegedienstleitung in einer Altenhilfeeinrichtung, auch dort gehörten bereits beratende Tätigkeiten zu ihrem Aufgabenfeld. Nach einer Familienpause hat sie nun eine Stelle gefunden, bei der sie diese beratende Tätigkeit weiter ausbauen kann, ohne dabei den direkten Kontakt zu den betroffenen Menschen zu verlieren. Zudem könne sie in ihrer Position „die gesamte Vielfalt der Angebote“ kennenlernen. Als Angestellte des Landkreises sei sie außerdem trägerunabhängig und könne so die persönlich besten Lösungen mit den Menschen finden.

„Der Standort in Stadtallendorf ist für die Patienten im Ostkreis einfach zentraler. Auch für jemanden aus Neustadt ist es manchmal einfacher hierher zu gelangen, als nach Marburg“, sagt Kretschmar. Dementsprechend werde das Angebot vor Ort sehr positiv wahrgenommen.

Dennoch möchte sie daran arbeiten, dass es in der breiten Bevölkerung noch bekannter wird. Wer betroffen sei - ob als Erkrankter oder als Angehöriger - solle sich ruhig trauen, Unterstützung zu beanspruchen. „Viele fühlen sich als Bittsteller und wollen gar nicht über die Probleme reden. Sie sind aber keine Bittsteller und haben Ansprüche auf gesetzliche Leistungen. Es ist wichtig, diese Hemmungen zu überwinden und Hilfe anzunehmen“, so Kretschmar.

von Peter Gassner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr