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In einem Jahr sollen sich Räder drehen

Wind In einem Jahr sollen sich Räder drehen

Beim Unternehmen Juwi hat sich in diesem Jahr einiges verändert. Auswirkungen auf den Windpark im Wald bei Roßdorf hat das nicht - allerdings ist nun ein anderer Sachbearbeiter zuständig.

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Im kommenden Jahr sollen sich echte Windräder im Wald von Roßdorf drehen.Archivfoto: Lerchbacher

Roßdorf. Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg ist verärgert, dass „die Politik“ Offshore-Windanlagen im Vergleich zu Onshore-Rädern begünstige. „Das war auch ein Schlag für unseren Projektierer Juwi, und ich bin froh, dass dieser sich wieder gesammelt hat“, betont er.

Deutschlands zweitgrößter Windparkbauer ist inzwischen eine Tochter der MVV Energie AG. Der Mannheimer Energieversorger übernahm 50,1 Prozent der Juwi AG. Ausschlaggebend war, dass der Umsatz des Wörrsdorfer Konzerns eingebrochen war, er Millionenverluste einfuhr, ein Sparprogramm startete und nach einem Investor suchte. Ein Drittel der Belegschaft wurde entlassen - dazu gehörte auch der Sachbearbeiter des Roßdorfer Windparks. „Juwi war und ist ausreichend finanziert, hat ein robustes und zukunftssicheres Geschäftsmodell. Mit dem Einstieg der MVV und der damit verbundenen Kapitalerhöhung wird die Eigenkapitalquote weiter gestärkt und der Handlungsspielraum im operativen Geschäft optimiert“, teilt Pressesprecher Michael Löhr mit und betont: „Juwi bleibt somit ein verlässlicher und solider Partner bei der Umsetzung der Energiewende.“

An den Plänen für den Roßdorfer Wald, den das Regierungspräsidium in seiner kürzlich veröffentlichten Karte als Windkraft-Vorrangfläche bestätigte, hat sich seit der Kürzung auf sieben Windräder (die OP berichtete) nichts geändert - allerdings muss ein Rad, wie der Bürgermeister kommentiert, vorerst zurückgestellt werden, da es „einen potenziellen Konflikt“ mit einem Rot-Milan-Horst gebe und weitere Untersuchungen notwendig werden, die rund ein Jahr dauern.

Weiterhin sind GE-Energy-Anlagen der 2,5-Megawatt-Serie für den Roßdorfer Wald vorgesehen. Noch immer liegen die Antragsunterlagen für das Genehmigungsverfahren dem Regierungspräsidium Gießen vor. „Das Verfahren läuft aktuell noch. Mit einer Genehmigung rechnen wir Anfang 2015“, erklärt Löhr und ergänzt: „Das Projekt läuft nach Plan.“

Es habe keine nennenswerten Verzögerungen gegeben. Für diesen Herbst seien lediglich „bauvorbereitende Maßnahmen“ vorgesehen gewesen, sprich „punktuelle Verbreiterungen der Zuwegung“. Das gegebenenfalls nötige Freischlagen der Flächen für Fundamente und Kranaufbau erfolge in der Regel aber ohnehin erst nach Vorliegen der behördlichen Genehmigung. Insgesamt sei vorgesehen, dass „die ersten Windenergieanlagen bis Ende 2015 an das Netz angeschlossen und in Betrieb genommen werden“ -vorausgesetzt die Witterungsbedingungen lassen dies zu.

Unklar ist derweil die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung: Die Stadt will bis zu zwei Millionen Euro in das 40-Millionen-Euro-Projekt investieren - aufgrund der Eigenkapitalregelung bei der Finanzierung wäre sie dann mit rund 17 Prozent am Windpark beteiligt. Laut Verträgen kann der Anteil von Stadt und Bürgern bis zu 50 Prozent hoch sein. Der Bürgermeister hebt hervor, dass auch andere Gemeinden sich beteiligen können: „Bei einem Ansturm könnten wir den Park komplett übernehmen. Wir können 0 bis 50 Prozent oder die kompletten 100 Prozent besitzen.“

Allerdings ist es nach Veränderungen bei den rechtlichen Vorgaben für Bürger nicht mehr möglich, sich über Energiegenossenschaften an einem Projekt zu beteiligen, das ein Unternehmen umsetzt. Entsprechend ist die Stadt nun auf der Suche nach Alternativen.

Ein Ansatz - der allerdings wenig ertragreich scheint - laufe über festverzinsliche Papiere von Banken, betont Richter-Plettenberg. Ein zweiter, der für ihn attraktiver scheint, sei eine Beteiligung über die Stadt Amöneburg, die sozusagen als Zwischenstation fungiert. „Das wäre eine Art Bürgerkredit - nach dem Modell ,Leih Deiner Stadt Geld‘“, erklärt der Bürgermeister. Nun gelte es zu schauen, wie die Anliegen von Unternehmen, Stadt und Bürgern zusammenpassten. Eins sei jedoch klar, gibt sich Richter-Plettenberg kämpferisch: Er werde Juwi in die Pflicht nehmen, an die Zusagen erinnern und sich für die Menschen einsetzen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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