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In der Siedlung droht kein Leerstand

Analyse In der Siedlung droht kein Leerstand

Die Siedlungen aus den 60er, 70er und 80er-Jahren gelten im ländlichen Raum als die Leerstands-Hotspots von morgen. Der Geographiestudent Patrick Ludes hat diesem Thema seine Diplom-Arbeit gewidmet - am Beispiel

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Patrick Ludes (Mitte) überreichte seine Diplomarbeit an Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich und an (von rechts) Martha Henkel und Dr. Uli Stein vom Arbeitskreis Leerstand. Links: Stadtplanerin Dr. Renate Buchenauer. Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Am Mittwoch überreichte der Amöneburger ein Exemplar seiner Diplom-Arbeit an Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich und an die Mitglieder des Arbeitskreises Leerstand Rauschenberg.

Patrick Ludes nutzte den Anlass, um die wichtigsten Erkenntnisse aus seinen Untersuchungen über Zustände und Perspektiven in Rauschenbergs „neuer Siedlung“ vorzutragen. Zuvor schränkte er ein, dass seine im Sommer 2013 gestartete Fragebogen-Aktion mit einem Rücklauf von 60 Bögen (27 Prozent) kein repräsentatives, sondern nur ein stichprobenartiges Ergebnis erbracht hat. Die wichtigste Punkte:

- Die Tendenz zur Überalterung der Siedlungsbewohner in der nicht mehr so neuen „neuen Siedlung“ ist feststellbar. - Es gibt einen geringfügigen Leerstand, der sich mit 2 bis 3 Prozent im normalen Rahmen bewegt. - Es gibt Singularisierungstendenzen. Immer weniger Menschen bewohnen immer mehr Wohnraum. - Zweidrittel der Fragebogen-Teilnehmer haben noch keine Lösung für die Zukunft ihres Hauses, 40 Prozent haben sich darüber noch keine Gedanken gemacht. - Die Selbsteinschätzung der Bewohner: Die Häuser und Grundstücke sind für ihren Bedarf zu groß. Gleichwohl sind die Verkaufs- und Umzugsabsichten sehr gering. Die Menschen wollen in ihren Häusern alt werden. Patrick Laudes führte den letztgenannten Punkt auf die Verwurzelung der Menschen in ihrer Stadt, in ihrer Umgebung und auf das aktive Rauschenberger Gemeinwesen mit seinen Vereinen zurück. Dabei hob er besonders die vielfältigen Aktivitäten des Netzwerkes „Wir alle in Rauschenberg“ hervor, das für ältere Menschen Projekte wie die „Helfende Hand“ biete. Bürgerschaftliches Engagement für das Gemeinwesen, für die Daseinsvorsorge, sei der entscheidende Schlüssel im Kampf gegen Leerstand. Die Stadt habe mit ihren Instrumentarien nur geringe Einflussmöglichkeiten, sagte der Geograph, der zumindest für die nächsten fünf Jahre für die Siedlung keine Leerstandsproblematik sieht. Baudenkmäler inSüdhessen vermarkten Das ist zum einem eine gute Nachricht für den Arbeitskreis Leerstand, der sich weiter auf die Altstadt konzentrieren kann. Zum anderen schieben die Ergebnisse der Studie auch eine Strategie des Arbeitskreises aufs Abstellgleis. Die Ehrenamtlichen hatten gehofft, dass ältere Siedlungsbewohner ihre (zu) großen Häuser aufgeben, um in grundsanierte und barrierefrei gestaltete Altstadthäuser mit kurzen Wegen zu allen Versorgern umzuziehen.Die Stadtplanerin Dr. Renate Buchenauer, die den Arbeitskreis über das Stadtumbauprogramm berät, macht dafür eine mentale Schranke verantwortlich. Die Menschen seien nicht bereit, sich frühzeitig mit den Problemen des Alters auseinanderzusetzen. Außerdem falle es ihnen, die sie einst die Altstadt verlassen hätten, sehr schwer, in diese zurückzukehren. „Der Umzug in die Siedlung war damals der Fortschritt. Das Zurück wird es nicht geben“, prophezeite Martha Henkel vom Arbeitskreis. Für Michael Emmerich ist damit klar, dass Arbeitskreis und Stadt versuchen müssen, leerstehende Baudenkmäler nach dem Vorbild der Kleinstadt Wanfried/Werra im südhessischen Ballungsraum zu vermarkten. Dafür ist ein erster Flyer in Arbeit. Arbeitskreis-Mitglied Dr. Uli Stein ist von dem Erfolg einer solchen Aktion überzeugt. Er verweist auf die Lebensqualität und Schönheit der Stadt. „Wenn Fremde über unseren Panoramaweg wandern, haut es sie vor Begeisterung aus den Schuhen“, sagte der Immobilienfachmann.

von Matthias Mayer

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