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In der Schule gilt jetzt für alle die „Stopp-Regel“

Gewaltprävention In der Schule gilt jetzt für alle die „Stopp-Regel“

„Achtung, Gewalt verboten!“ Ein Schild an der Eingangstür macht deutlich: In diesen Tagen dreht sich in der Niederkleiner Grundschule alles um das Thema Gewaltvorbeugung.

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Drittklässlerin Isabell (rechts) zeigt wie die „Stopp-Regel“ geht: Couragiert ruft sie „Stopp, Barbara geh weg“. Trainer Stefan Egerding beobachtet die Übung. Foto: Karin Waldhüter

Niederklein. Die Hände weit vorstrecken und laut „Stoooopp!“ rufen. Stefan Egerding, gibt Anweisungen und bringt gerade den Schülern der dritten und vierten Klasse bei, wie sie Provokationen couragiert begegnen und damit Gewalt verhindern können. Egerding ist zertifizierter Kinder- und Jugendtrainer für den Verein „Cool Strong Kids Verein für Gewalt und Kriminalprävention“. Viertklässler Leonhard ist dann als Erster dran, seine „Stopp-Geschichte“ zu erzählen. Gangster haben in Leonhards Geschichte auf die „Stopp-Regel“ der Polizei gehört und die Waffen fallen lassen.

Nacheinander kommt jeder Schüler an die Reihe und jeder erzählt seine eigene „Stopp-Geschichte“. Diese Aufgabe hatte Stefan Egerding den Schülern am Vortag mit nach Hause gegeben. Danach geht es in einen zweiten Klassenraum. Dort sind die Tische und Stühle an die Wand gerückt und es ist Platz, die „Stopp-Regel“ der Reihe nach selbst auszuprobieren und selbstbewusst und laut „Stopp, geh weg“ zu rufen. Nicht allen Schülern gelingt das auf Anhieb. Stefan Egerding hilft und spricht den zurückhaltenden Schülern Selbstvertrauen zu. Applaus gibt es schließlich für jeden Schüler. Bei der Stopp-Regel geht es um Klarheit zwischen den Konfliktpartnern. Es soll nicht endlos diskutiert werden, sondern es wird dem anderen Kind deutlich gezeigt, dass das Verhalten nicht gewünscht wird.

Diese Regel gilt jetzt an der Schule für alle Kinder. Bereits im vergangenen Jahr hatte „Cool Strong Kids“ die Grundschule während der Projekttage besucht. In diesem Jahr setzt der Verein seine Arbeit mit dem speziellen Programm für Grundschüler fort. „Wir haben das Thema Gewalt in Rücksprache mit den Eltern und dem Elternbeirat als wichtiges Thema angesehen“, erläutert Schulleiterin Bianca Höck. Gewalt äußere sich an der Schule weniger durch körperliche sondern eher durch verbale Gewalt und auch darin, die eigenen Grenzen wahrzunehmen.

Eltern werden gezielt einbezogen

Durch die Trainingseinheiten will der Verein den Ursachen von Gewalt schon im Vorfeld entgegenwirken, dabei soziale Kompetenzen vermitteln, die es den Kindern ermöglicht, in verschiedenen Lebensbereichen und Handlungssituationen adäquat zu reagieren. Fragen „wie entsteht ein Streit und wie kann ich ihn gewaltlos beenden“ und „was tun wir in der Klasse, wenn ein Kind geärgert wird“ zählen ebenso zu den Inhalten. Oberstes Ziel des opferzentrierten Cool Strong Kids Gewaltpräventionsprojektes ist die Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder sowie deren körperliche Unversehrtheit. Der Verein arbeitet im Landkreis mit 12 Grundschulen zusammen, wobei die Kooperation über drei bis vier Jahre gehen sollte, wie Stefan Egerding erläutert. „Es müssen Strukturen geschaffen werden, sodass Gewaltprävention im Schulalltag integriert ist“, beschreibt Egerding. Es bedarf dabei auch der Mitarbeit der Eltern. Im Vorfeld informierte deshalb ein Elternabend über die Inhalte des Programms. Hausaufgaben mit Übungszetteln, die gemeinsam zu Hause bearbeitet werden, sollen Eltern über die Inhalte informieren und Gespräche in Gang setzen. „Cool Strong Kids“ ist als gemeinnütziger Verein anerkannt und freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Zwanzig aktive Trainer sind im Einsatz. An den bisherigen Kursen haben etwa 18000 Kinder und Jugendliche, 15000 Eltern und über 3000 Lehrer und Erzieher teilgenommen.

von Karin Waldhüter

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