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In 75 Minuten bis nach Frankfurt

Neue Bahn-Verindungen In 75 Minuten bis nach Frankfurt

Seit dem vergangenen Sonntag haben Kirchhain und Stadtallendorf durch die Verlängerung von drei HLB-Zugpaaren häufiger schnelle Anbindung nach Marburg und Frankfurt. Das soll aber nur ein erster Schritt sein. Das kündigten Sprecher der Initiative „Main-Weser-Bahn im Takt“ an, die sich die Verbesserung des Bahnfahrplans in Mittelhessen zur Aufgabe gemacht hat.

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Das Waggon-Display zeigt es an: Der HLB-Zug hat Stadtallendorf erreicht. Während einer improvisierten Pressekonferenz äußern sich Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (links), Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner (Mitte) und Marburgs Bürgermeister Dr. Franz Kahle zu dem Projekt.

Quelle: Matthias Mayer

Ostkreis. Die HLB-Züge halten zwischen Stadtallendorf und Frankfurt nur noch in Kirchhain, Marburg, Gießen und Friedberg. Das erspart allein zwischen Stadtallendorf und Gießen zehn Zwischenhalte und verkürzt damit die Fahrzeit auf 75 Minuten. Den Bürgermeistern der drei betroffenen Städte Stadtallendorf, Kirchhain und Marburg war dieses Ereignis eine nachträgliche Eröffnungsfahrt wert.

Christian Somogyi, Jochen Kirchner und Dr. Franz Kahle fuhren in Begleitung einiger Kirchhainer Stadtverordneter sowie Aktivisten von „Main-Weder-Bahn im Takt“ mit einem HLB-Zug zum Endbahnhof nach Stadtallendorf. Als der Zug leicht verspätet auf Gleis drei einlief, warteten bereits einige Demonstranten auf die Gruppe, die zu diesem freudigen Anlass gewiss keine Proteste erwartet hatten. Aber auf dem Bahnsteig an Gleis drei hatten sich einige Rolli-Fahrer versammelt, die aus ihren blinkenden Elektro-Rollstühlen rüber riefen: „Wir wollen auch mitfahren, wir wollen auch mitfahren“ und „es ist wie in Kirchhain, wir dürfen nicht mit“.

Die Rollifahrer machten darauf aufmerksam, dass sie die drei neuen Zugpaare an Gleis drei nicht erreichen können. Der Fahrstuhl führt nur auf den Bahnsteig zwischen den Gleisen eins und zwei. Der minimalistisch ausgestattete Bahnsteig an Gleis drei, der weder eine Überdachung noch eine Fahrgastinformation bietet, dafür aber Videokameras in großer Zahl, ist nicht barrierefrei zu erreichen. Wirklich genutzt wurde der Bahnsteig nur während des Hessentags 2010. Das Problem: Die HLB-Züge enden in Stadtallendorf, um nach einer guten halben Stunde Aufenthalt zurück in Richtung Frankfurt zu fahren.

Ziel: Schnelle RE-Züge im Stundentakt

Deshalb können sie nicht die Gleise eins oder zwei benutzen, weil sie sonst die Durchfahrtgleise des Bahnhofs für den übrigen Zugverkehr blockieren würden. Deshalb führt für die drei HLB-Zugpaare aus bahnbetrieblichen Gründen kein Weg am Gleis drei vorbei. Doch dass könnte sich schon zum nächsten Fahrplanwechsel ändern, denn es solle nicht bei diesen drei Zügen bis Stadtallendorf erklärte Dr. Franz Grolig von „Main-Weser-Bahn im Takt.“ Die Idee der Initiative: Ab Dezember 2015 übernimmt die HLB, für die derzeit neue Zuggarnituren gebaut werden, den Regionalbahnverkehr von der Regiotram zwischen Treysa und Kassel.

Sie hat dafür fünfteilige Triebwagen mit 285 Sitzplätzen bestellt, die mit dem sonst auf der Main-Weser-Bahn von der HLB eingesetzten Zuggarnituren kompatibel sind. Eine Verlängerung aller HLB-Züge von Marburg bis nach Treysa würde im Vergleich zum Mittelhessen-Express dramatisch schnelle RE-Züge im Stundentakt zwischen Frankfurt und Treysa bedeuten und Reisenden mit Ziel Nordhessen das Umsteigen in Treysa ersparen, erklärte Grolig. Und dann würden natürlich alle HLB-Züge an den barrierefrei erreichbaren Gleisen eins und zwei halten.

Für diese Verbindungen müsse es einen Lückenschluss der HLB-Züge zwischen Marburg und Treysa beziehungsweise zwischen Stadtallendorf und Treysa geben, erläuterte Jürgen Lerch das Modell, das auch für Neustadt erhebliche Vorteile brächte. Auch die Stadt an der Grenze zur Schwalm hätte dann eine schelle RE-Verbindung im Stundentakt nach Frankfurt. Den Kostenaufwand für diesen Lückenschluss bezifferte Jürgen Lerch mit rund einer Million pro Jahr. Den Großteil davon müsse der RMV tragen. Und in der Finanzierungsfrage liegt auch die große Unbekannte des fahrgastfreundlichen Modells.

Kahle kündigt intensive Lobbyarbeit an

Schließlich sollte allein Stadtallendorf für die jetzt erfolgte Verlängerung der drei HLB-Zugpaare ursprünglich 396 000 Euro pro Jahr bezahlen. Solche zusätzliche Belastungen hält selbst der noch kerngesunde Stadtallendorfer Haushalt nicht aus. Für Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi ist das erreichte Zwischenergebnis schon ein großer Fortschritt, der von den Städten Marburg, Kirchhain, Stadtallendorf und Neustadt in solidarischer Zusammenarbeit erreicht worden sei. „Das kommt nicht nur der Industrie- und Garnisonsstadt Stadtallendorf mit ihren 6000 Einpendlern pro Tag zu Gute, sondern einem Einzugsgebiet von gut 120 000“, sagte Somogyi, der in dem neuen Angebot auch die Chance sieht.

Pendler von der Straße auf die Schiene zu bringen. Zugleich sprach der Bürgermeister von einer richtigen Güterabwägung, den bevölkerungsreichsten Teil des Kreises regelmäßige schnelle Zuverbindungen nach Rhein-Main zu schaffen, zu Lasten der Zugdichte im Südkreis, in Friedelhausen und Lollar. Diesen Konflikt sprach auch der Marburger Bürgermeister Dr. Franz Kahle an. „Es gab auch Querschüsse“, erinnerte er an den Widerstand der Südkreiskommunen. Das Ergebnis mit der Streichung des einen oder anderen Zughaltes sei jedoch verkraftbar.

Auch was die Finanzierung der angestrebten stündlichen schnellen RE-Verbindungen zwischen Treysa und Frankfurt angeht, verbreitete kahle Optimismus und kündigte eine intensive Lobbyarbeit der beteiligten Kommunen an. Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner würdigte Engagement und Kompetenz von Dr. Franz Grolig und Jürgen Lerch. „Die haben der Politik das Leben leicht gemacht, haben uns erklärt wo die Probleme liegen und wie sich diese lösen lassen. Wird mussten das nur noch politisch durchsetzen. Für die Vorarbeit sind wird dankbar.“

von Matthias Mayer

 
Die Fahrpläne der drei neuen Zugpaare

Richtung Frankfurt

  • Stadtallendorf 8:16 Uhr, Gleis 3, Kirchhain 8:24 Uhr, Marburg 8:34 Uhr, Gießen 8:54 Uhr, Friedberg 9:12 Uhr, Frankfurt 9:35 Uhr.
  • Stadtallendorf 16:18 Uhr, Gleis 3, Kirchhain 16:24 Uhr, Marburg 16:34 Uhr, Gießen 16:54 Uhr, Friedberg 17:12 Uhr, Frankfurt 17:35 Uhr.
  • Stadtallendorf 20:18 Uhr, Gleis 3, Kirchhain 20:24 Uhr, Marburg 20:34 Uhr, Gießen an 20:50, Umsteigen, Gießen ab 20:55 Uhr, Friedberg 21:13 Uhr, Frankfurt 21:35 Uhr.

Richtung Stadtallendorf

  • Frankfurt 5:52 Uhr, Friedberg 6:15 Uhr, Gießen an 6:40 Uhr, Umsteigen, Gießen ab 7:05 Uhr, Marburg 7:24 Uhr, Kirchhain 7:33 Uhr, Stadtallendorf 7:39 Uhr.
  • Frankfurt 14:22 Uhr, Friedberg 14:45 Uhr, Gießen 15:05 Uhr, Marburg 15:20 Uhr, Kirchhain 15:31 Uhr, Stadtallendorf 15:37 Uhr.
  • Frankfurt 18:22 Uhr, Friedberg 18:45 Uhr, Gießen 19:05 Uhr, Marburg 9:21 Uhr, Kirchhain 19:31 Uhr, Stadtallendorf 19:37 Uhr.
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