Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Immer schön an die Nachbarn halten

Vogelschwärme am Schweinsberger moor Immer schön an die Nachbarn halten

Alle Jahre wieder ist ein großartiges Naturschauspiel in den späten Nachmittagsstunden über dem Schweinsberger Moor zu bewundern: Die Versammlungsflüge zigtausender Stare.

Voriger Artikel
Die Gebäudesanierung hat Vorrang
Nächster Artikel
Wetter unbeständig, Besucherstrom beständig

Ein riesiger Staren-Schwarm verdunkelt den Himmel über dem Schweinsberger Moor. Tobias Ochmann und Robert Cimiotti erläuterten Teilnehmern einer Exkursion das Verhalten der Stare und der Kraniche (Foto links). Fotos: Alfons Wieber

Schweinsberg. Unter fachkundiger Leitung von Tobias Ochmann und Robert Cimiotti vom Naturschutz-Informations-Zentrum-Amöneburg (NIZA) erlebten rund 40 Naturfreunde die gefiederte schwarze Wolke über dem Moor. Bei ihren Versammlungsflügen bewegen sich die Stare in Gruppen von tausenden Tieren, um sich so vor Angreifern zu schützen. „Die große Menge ist kaum zählbar. Wir rechnen mit etwa 50000 bis 60000 Tieren, die hier einfliegen“, schätzte Robert Cimiotti.

Allabendlich lassen sich die Stare auf Schilfhalme des Moors nieder, um dort zu nächtigen. Das nutzen viele Greifvögel aus und stoßen in die Starenmasse, um einzelne Tiere zu erbeuten. Im fliegenden Schwarm folgen die Vögel einfachen Regeln. Sie versuchen, zu allen Nachbarn die gleiche Distanz zu halten, etwa eine Flügelspanne. Dabei orientieren sie sich an maximal sieben ihrer Flugnachbarn, mehr können sie nicht unterscheiden. Auch die Flugrichtung gibt der Nachbar vor. Auf diese Weise kann im Prinzip jeder Vogel im Schwarm eine Richtungsänderung einleiten. Wechselt ein Tier seinen Kurs, passen sich nach und nach alle anderen an.

Die dunkelfarbigen Stare der Region sind nach den Worten von Cimiotti keine Zugvögel im herkömmlichen Sinne. „Sie bleiben, solange sie hier etwas zu fressen haben. Nur wenn das Nahrungsangebot sehr knapp wird ziehen sie. Maximal aber nur bis Südfrankreich“, erklärte Tobias Ochmann.

Aber nicht nur Stare gab es am und über dem Moor zu beobachten. Wie bestellt drehte eine große Formation von in den Süden ziehenden Kranichen direkt über den Köpfen der Zuschauer seine Kreise. „Sie nutzen dort die Thermik des Moors und der Stadt, um an Höhe zu gewinnen. Sie überbrücken so ohne große Kraftanstrengung weite Flugstrecken“, erklärte Robert Cimiotti das Verhalten dieser großen Vögel.

Bereits am Nachmittag hatte Cimiotti von seinem Logenplatz auf der Amöneburg aus mehr als 20000 Kraniche auf ihrem eindrucksvollen Flug in den Süden beobachtet.

Das Schweinsberger Moor selber ist nach den Worten von Cimiotti rund 3000 bis 4000 Jahre alt. Er hatte bei Probebohrungen eine Mächtigkeit von rund sechs Metern festgestellt. „Man kann das Alter ungefähr errechnen, weil es jährlich um etwa einen Millimeter wächst“, sagte Cimiotti. Bei einer Größe von rund 3,5 Hektar stellt das Moor in dieser Region ein einmaliges Naturphänomen dar, das voll von vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten ist. Gespeist wird der Wasservorrat des Moors aus Gewässern, deren Quellen zum Teil im Vogelsberg liegen. Der See im Moor ist künstlich aufgestaut.

von Alfons Wieber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr