Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Im Dezember ziehen Zeltcamp-Bewohner um

Hessen-Kaserne Im Dezember ziehen Zeltcamp-Bewohner um

Es ist amtlich: Im Ostkreis entsteht bis ins nächste Jahr hinein nach Neustadt eine zweite Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Dafür nutzt das Land Gebäude der Hessen-Kaserne.

Voriger Artikel
Schlafen, Fernsehen, Spazierengehen
Nächster Artikel
Landrätin Fründt und Bürgermeister Kirchner einigen sich auf Kompromiss

Bis Dezember wird das Baumanagement (früher Staatsbauamt) federführend in Gebäuden der Hessen-Kaserne Stadtallendorf Platz für etwa 700 Flüchtlinge schaffen.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Zunächst hatte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) am Donnerstagabend im Stadtparlament Klartext gesprochen. Er hatte die Parlamentarier darüber unterrichtet, dass die in Zelten lebenden rund 600 Flüchtlinge nach seinen Informationen ab Anfang Dezember in Gebäude der Hessen-Kaserne umziehen. Zugleich kritisierte Somogyi die Informationspolitik des Landes gegenüber der Stadt scharf. Er ließ einen entsprechenden Brief verteilen, den er Ende Oktober an den Gießener Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich geschickt hatte.

Am Freitag gab es klare Aussagen aus dem Sozialministerium gegenüber dieser Zeitung. Wie Ministeriumssprecherin Esther Walter erklärte, ist es so, wie Somogyi es angekündigt hat: Bis Dezember wird das Baumanagement (früher Staatsbauamt) federführend Gebäude für etwa 700 Flüchtlinge schaffen, Platz für die Menschen aus den Zelten am Bundeswehr-Hallenbad. Aber es geschieht noch mehr: Perspektivisch entsteht Platz für insgesamt bis zu 1200 Menschen in Gebäuden der Hessen-Kaserne. Sie können, da sie teilweise seit einem Jahrzehnt ungenutzt waren, erst Zug um Zug hergerichtet werden. Nach Recherchen dieser Zeitung gibt es bereits einen festen Bauzeitenplan für die nächsten Monate.

Nach der Neustädter Erstaufnahmeeinrichtung entsteht damit in Stadtallendorf in wenigen Kilometern Entfernung eine weitere, sogar noch größere. Bei Zusammenrechnung der jetzt bekannten Zahlen werden im Ostkreis damit im Laufe des nächsten Jahres bis zu 2300 Flüchtlinge in festen Erstaufnahme-Einrichtungen untergebracht. Hinzu kommt die in Kirchhain vorgesehene Notunterkunft mit bis zu 400 Plätzen. Zum Vergleich: Die Gemeinde Wohratal hat 2500 Einwohner. Bürgermeister Somogyi hatte in seinem Schreiben an Regierungspräsident Ullrich unter anderem darauf gedrängt, dass das Land Verantwortung für den Zustand der teilweise maroden Kanäle der Hessen-Kaserne übernimmt, bevor die Gebäude reaktiviert werden. Dem scheint das Land von sich aus nachzukommen.

Zaun trennt militärischen Teil ab

Offenbar ist bei den verschiedenen Gebäuden, die zuerst genutzt werden, zunächst der Einsatz von Sanitärcontainern vorgesehen. Zugleich plant das Hessische Baumanagement auch wo nötig eine Kanalsanierung. Die Bundeswehr hatte in dem von ihr noch genutzten Teil bereits Kanäle saniert. Es steht fest, dass die Division Schnelle Kräfte (DSK) fünf Gebäude der Hessen-Kaserne noch weiterhin braucht, darunter die Zahnärztliche Station und Unterkünfte. Darum wird bis Dezember ein Zaun durch die Kaserne gezogen. Der militärische Bereich wird von den Flüchtlingsunterkünften getrennt. Diese Zweiteilung erfolgt laut Oberstleutnant Friedrich Luchtenberg, dem Kasernenkommandanten der Bundeswehr, bereits an der früheren Wache.

Die Bundeswehr überlässt dem Land auch den früheren Kantinenbereich einschließlich ehemaligem Mannschaftsheim. Im Mannschaftsheim ist dann ein Speisesaal für die Flüchtlinge vorgesehen. Die eigentliche ehemalige Kantine ist nicht mehr nutzbar. Und noch etwas hatte Bürgermeister Somogyi am Donnerstag verkündet: Es wird eine kleine Fußgängerbrücke im Bereich der Panzerstraße entstehen. So soll sichergestellt werden, dass Flüchtlinge in Zukunft nicht mehr über die Artilleriestraße, die General-Nehring-Straße und vor allem die Panzerstraße laufen.

Kurzfristige Infoveranstaltung

Sie werden dann über einen Waldweg geführt, der befestigt und mit Straßenleuchten versehen wird. So gelangen sie über den Rohrborn in die Innenstadt. „Sie sollen sich sicher und frei bewegen können“, betonte am Freitag Oberstleutnant Luchtenberg. Er machte auch deutlich, warum die Bundeswehr auf diese Lösung drängt: Auf den verschiedenen Straßen fahren inzwischen wieder deutlich mehr Bundeswehr-Fahrzeuge, darunter Fahrzeuge mit Überbreiten. „Hier geht es um die Sicherheit der Fußgänger angesichts der Durchfahrt von Rad- und Kettenfahrzeuge“, sagte Luchtenberg. In der Stadtparlaments-Sitzung hatte Somogyi betont, dass er hoffe, dass die Menschen in den Zelten angesichts von Minusgraden bis Anfang Dezember umziehen könnten. Am Freitag hatte er Kontakt mit mehreren Landesbehörden. Seine grundlegende Kritik am Umgang des Landes mit der Stadt hielt er zwar aufrecht. Er kündigte aber an, dass es nun kurzfristig eine weitere Informationsveranstaltung mit Vertretern des Landes geben werde. „Erst dann haben wir auch eine Informationspolitik für die Bürger“, sagte Somogyi.

Seitens des Sozialministeriums wurde darauf verwiesen, dass Stadtallendorfs Erster Stadtrat bei der Begehung der Kaserne im Oktober mit dabei gewesen sei. Es habe ganz aktuell einen sehr guten und konstruktiven Austausch zwischen Bürgermeister und Land gegeben. In der nächsten Woche werde es eine gemeinsame Erklärung zu den Planungen des Landes geben.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Flüchtlingsunterkunft
Das frühere Mannschaftsheim der Hessen-Kaserne soll in Zukunft als Speiseraum für Flüchtlinge dienen. Foto: Michael Rinde

Jetzt ist es sicher: Zunächst fünf Gebäude der Hessen-Kaserne in Stadtallendorf werden voraussichtlich ab Anfang Dezember für die Unterbringung von rund 600 Flüchtlinge genutzt. Damit wäre für die Menschen, die derzeit in Zelten auf Bundeswehrgelände leben müssen, Unterkünfte gefunden.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr