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Im Boden ruht mehr Gift als befürchtet

Rüstungsaltlast Im Boden ruht mehr Gift als befürchtet

Erst nach dem Beginn der Arbeiten in der Kleinniederung im vergangenen Herbst hat sich mehr und mehr herausgestellt, dass dort in einigen Metern Tiefe mehr Schadstoffe liegen als gedacht.

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Ein Arbeiter im Schutzanzug überwacht das Aufladen eines luftdichten Containers in der Kleinniederung. Kleines Foto: In einer Senke bringen Arbeiter Lanzen für das Herausspülen von Schadstoffen ein.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Die Männer in Schutzanzügen, die luftdicht verschlossenen Container und die Baufahrzeuge werden noch einige Monate länger in der Kleinniederung bleiben müssen. Ursprünglich war geplant, dass die Erdarbeiten im Laufe des März enden. Jetzt, so schätzt Projektleiter Christian Weingran von der HIM GmbH, wird es wohl mindestens bis ­Juli dauern, vielleicht sogar bis September. Dann wäre auch eine der letzten großen Rüstungsaltlasten aus Zeiten der Sprengstoffproduktion saniert.

Abwässer enthalten Rückstände aus Sprengstoffherstellung

Fest steht: Die Dynamit-Aktiengesellschaft leitete Abwässer aus der Sprengstoffherstellung durch die Klein. Das Sanierungsgebiet befindet sich unterhalb der früheren Tri-Halde und auch früherer Klärwerke. Diese Abwässer enthielten Mono-Nitro-Toluole (MNT), ein Vorprodukt des Sprengstoffs TNT - krebserregend, grundwassergefährdend und im Verdacht, das Erbgut zu schädigen.

Was sich nach und nach herausstellte: Offenbar floss weitaus mehr Abwasser durch die Niederung als die Proben erwarten ließen. „Wir finden in Tiefen zwischen vier und fünf Metern wesentlich höhere Belastungen als gedacht“, sagt Weingran. Über die Ursache kann in der Gegenwart nur spekuliert werden. Bei Planung der Sanierung gingen Experten davon aus, dass die Belastungen von einzelnen Störungen in den Abwasseranlagen des Werkes stammen. Jetzt, so interpretiert Weingran die neuen Fakten, sieht alles danach aus, dass die DAG Teile ihres Abwassers über einen langen Zeitraum in die Klein entließ - entweder vor Bau der Kläranlagen oder beim Überlauf der Becken.

Mehr Schadstoffe als befürchtet

Einige Zahlen verdeutlichen, welche Konsequenzen das für die Sanierung hat: Ursprünglich gingen die Planer von rund 10000 Kubikmeter Boden aus, der ausgebaggert und entsorgt werden muss. Im schlimmsten Fall werden es am Ende mehr als 24000 Kubikmeter werden.

Geplant war, rund 2400 Kilogramm reine Schadstoffe (hier vor allem Nitroaromate) aus dem Erdreich zu holen. Inzwischen sind es bereits 1500Kilogramm. Sollten sich die jetzigen Annahmen bestätigen, dürften es am Ende rund 4400 Kilogramm werden.

Klar ist, dass sich das auch auf die Sanierungskosten, die das Land Hessen komplett trägt, auswirken wird. Bisher sind sie mit rund 3,6 Millionen Euro veranschlagt. „Es wird deutlich mehr kosten, wie viel, das lässt sich zurzeit noch nicht beziffern“, sagt Weingran.

Fehlender Nachschub sorgte bereits für Stillstände

Realistisch scheint eine Summe knapp jenseits der Fünf-­Millionen-Euro-Grenze. Derzeit gibt es auch noch ganz praktische Probleme auf der Baustelle. Es fehlt bedingt durch das Winterwetter an weiteren Baustellen. Denn von dort kommt das Erdreich, mit dem die ausgehobenen Gruben wieder verfüllt werden. Dabei ist nicht jede Erde geeignet. In der Kleinniederung geht es um die Wiederherstellung eines Biotops. Der Boden muss entsprechend gekörnt und vor allem frei von Schadstoffen sein. Jede Erde muss, bevor sie in den Boden kommt, vorher auf ihre Eignung untersucht sein. Aufgrund fehlender Erde gab es auch schon Stillstände auf der Baustelle.

In einer Kuhle am Ende der Kleinniederung finden sich in acht bis zehn Metern Tiefe noch einmal sehr hohe Belastungen. Dort stand allerdings schon von vornherein fest, dass nicht bis in diese Tiefe ausgehoben wird - zumal dazu sogar eine Grundwasserabsenkung nötig wäre. Dort werden die Schadstoffe mit einer Alkohollösung systematisch ausgespült, was naturgemäß Zeit braucht. Das Verfahren dafür ist in Stadtallendorf erprobt und bewährt.

von Michael Rinde

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