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Idee für Spende löst einen Dominoeffekt aus

Unterstützung Idee für Spende löst einen Dominoeffekt aus

Die Fiebigs aus Wohra wollen etwas Gutes tun. Beinahe wären sie mit ihrer Idee gescheitert, doch dann ergriffen sie die Initiative und stießen auf viel Hilfsbereitschaft - und noch mehr Dank.

Wohra. Das zahme Wildschwein „Torki“ brachte die Fiebigs aus Wohra einst in die Schlagzeilen. Dass die Familie als Hobby einen landwirtschaftlichen Biobetrieb führt, wissen indes die wenigsten Menschen.

Im Betrieb stand in der vergangenen Woche das Heumachen auf der Tagesordnung. Mitten in der Arbeit stellte Hanno Fiebig fest, dass die Wiesen zu viel Heu für den eigenen Betrieb abwerfen. Angesichts der Horrormeldungen der vergangenen Wochen beschloss die Familie spontan, Gutes zu tun und mehrere Tonnen Heu für Landwirte im Osten Deutschlands zu spenden, die unter der Flut und ihren Folgen leiden.

Zunächst suchten sie über einen befreundeten Journalisten den Kontakt in den Osten und bekamen von dort von einem Kreisbauernverband die Auskunft, das Futter aus der Region reiche aus, um die Existenz der landwirtschaftlichen Betrieb zu sichern - es sei mehr Angebot als Nachfrage da. „Wir hatten da ganz anderes gehört“, berichtet Ria Fiebig - und sollte Recht behalten, wie ihr Sohn Hanno feststellte: Eine Arbeitskollegin vermittelte ihm den Kontakt zum Bioziegenhof Schleckweda in Sachsen-Anhalt, einer Region, in der Anfang Juni Menschen noch mit Rettungsbooten aus ihren überfluteten Häusern gerettet werden mussten.

„Ich rief den Bioziegenhof an und erfuhr, dass Futter dringend benötigt wird. Die Menschen hatten Sorge, dass sie ihre Tiere abschaffen müssen, weil sie aufgrund der Flutschäden Futter für das ganze Jahr zukaufen müssten“, erzählt Hanno Fiebig. Als er gesagt habe, dass seine Familie gerne Heu spenden würde, habe am anderen Ende der Leitung Sprachlosigkeit geherrscht. „Die Not ist groß - aber scheinbar nur bei den nichtorganisierten, kleinen Betrieben“, ergänzt Ria Fiebig und ärgert sich über die Auskunft des dortigen Bauernverbandes. „Der direkte Draht hilft. Von Mensch zu Mensch kommt Hilfe an“, sagt ihr Mann Walter Fiebig.

Dann machte sich die Familie auf die Suche nach Unterstützung - wobei der Begriff „Suche“ beinahe schon übertrieben ist. Die Hilfsangebote purzelten wie die Dominosteine: Hanno Fiebigs Bekannter Christian Koch, Baumpfleger und Hackschnitzelproduzent kündigte Hilfe an und brauchte nur einen Anruf, um seinen Spediteur André Isenberg von der Potenzial Energie GmbH für den Transport des Heus nach Ostdeutschland zu gewinnen. 40 Ballen mit einem Durchmesser von rund 1,20 Meter passen auf den Lastwagen - was in etwa zwei Drittel des Jahresbedarfs an Futter des Bioziegenhofes decke, wie Walter Fiebig erklärt.

Als er wiederum Bernd Wagner, der einen Teil seines Heus presst, von der Spenden-idee berichtete, machte sich der Langendorfer auch gleich an die Arbeit, mähte zwei Wiesen und steuerte Heu für rund sechs Ballen bei. Biolandwirt Heinrich Vaupel, der den Rest des Heus der Fiebigs presst, war ebenfalls angetan von der Idee und verzichtete seinerseits auf Entlohnung, um die Spende ebenfalls zu unterstützen. Eine Besonderheit am Rande: Bevor Walter Fiebig das Heu pressen ließ, erkundigte er sich zunächst beim Bioziegenhof, welche Art Ballen dort benötigt werde. Fast schon müßig zu erwähnen, dass er sich den Anforderungen anpasste.

Gegen Ende der Woche macht sich der Lastwagen voller Heu auf den Weg nach Sachsen-Anhalt. Die Fiebigs hoffen nun, dass weitere Dominosteine fallen und sich Nachahmer finden, die ebenfalls zumindest das, was sie zu viel haben, notleidenden Menschen spenden.

von Florian Lerchbacher

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