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Idee eines visionären Energiekonzepts besticht

Machbarkeitsstudie Idee eines visionären Energiekonzepts besticht

Eigentlich sollte der Ortsbeirat darüber abstimmen, ob die Stadt eine Machbarkeitsstudie für ein Bioenergiedorf ­Amöneburg in Auftrag geben soll. Doch das wurde vertagt.

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Bekommt die Amöneburger Kernstadt ein Nahwärmenetz, möglicherweise durch Biogas?

Quelle: Florian Lerchbacher (Archivfoto)

Amöneburg. Erneuerbare Energien werden vor allen Dingen aus Wind und Sonne gewonnen. Doch woher kommt der Strom, wenn es windstill und dunkel ist? Damit befasste sich Andreas Müller-Forst vom Ortsbeirat ausführlich und stellte dem Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung ein Konzept vor, um auch nachts genügend Energie zur Verfügung zu haben. „Wir müssen Energie sinnvoll speichern“, betonte er.

Und stellte als Lösung zwei Varianten vor: Eine Redox-Flow-Batterie, die im Prinzip wie ein Akku funktioniert. Und Wasserstoff, der beispielsweise in Japan als Energiespeicher und Antrieb für Autos genutzt wird. Wasserstoff habe allerdings ein großes Volumen, könne aber problemlos ins Erdgasnetz eingespeist werden.

"Das System ist am Anfang teuer"

Müller-Forsts Idee: Große Speicher für Wasserstoff aufbauen. Neben der Energie aus Photovoltaik-Anlagen könne­ dort überschüssige Energie aus den Windrädern gespeichert werden. Bei Bedarf werde sie dann an die Amöneburger abgegeben - oder zu guten Preisen an der Strombörse verkauft. „Das System ist am Anfang teuer und kann nur mit ­Zuschüssen gebaut werden“, sagte Müller-Forst.

Aber es sei sicherlich ein interessantes Konzept für die gesamte Kommune - oder gar den Landkreis. Die Vorteile: Niedrige Stromkosten, kein CO2, kein Lärm und kein Feinstaub, außerdem eine dezentrale Versorgung. Allerdings müssten auch noch viele Fragen geklärt werden. Etwa: Wie viel Stromüberschuss geben die Windräder her und kann man diesen Strom günstig beziehen? Ist das Projekt überhaupt wirtschaftlich? Als Nächstes stehe nun ein Termin bei der Landesregierung in Wiesbaden an, um Fördermöglichkeiten abzuklopfen und rechtliche Fragen - etwa ob die Amöneburger bei einem solchen Projekt von der EEG-Umlage befreit werden könnten.

„Die juristischen Fragen wiegen bei dem Thema schwerer, als die wirtschaftlichen Punkte“, gab Rainer Diefenbach zu bedenken. Er sei jedoch davon überzeugt, dass Wasserstoff als Energiespeicher im Kommen sei. „Wir kennen die Kosten noch nicht und das ist ein zentraler Faktor“, sagte Ortsvorsteher Sefa Elmaci. Das Konzept sei interessant, stehe aber deshalb noch in den Sternen, sei vielmehr eine Vision.

Bioenergiedorf Amöneburg hat schon viel Interesse geweckt

Die Diskussion um die Studie für ein Bioenergiedorf rückte darüber schnell in den Hintergrund. „Ein Bioenergiedorf Amöneburg hat schon viel Interesse geweckt“, sagte der Ortsvorsteher. Der erste Schritt zur Umsetzung sei aber nun, dass man zunächst untersucht, ob ein Nahwärmenetz für Amöneburg überhaupt infrage komme. Bürgermeister Michael Plettenberg machte deutlich, dass das Angebot, eine Studie zu bezahlen, nicht für das visionäre Konzept von Müller-Forst gelte. Denn bei der Machbarkeitsstudie gehe es darum, fossile Energieträger zu verdrängen und nicht darum, günstigen Strom zu produzieren. Die Idee sei gut, die Umsetzung dauere aber sicher noch einige Jahre. Ein Nahwärmenetz hingegen könnte in zwei Jahren in Betrieb gehen.

Laut Elmaci­ sei der Zeitpunkt für Nahwärme nun genau richtig. Denn gerade in der Siedlung müssten in den nächsten Jahren viele Heizungen ausgetauscht werden. „Die Strom-Idee kann man ja parallel verfolgen“, schlug er vor.

Ob der Ortsbeirat nun eine Machbarkeitsstudie will, entschied er nach zweistündiger Diskussion nicht. Die Stadt verlangt bis zum 30. April eine Entscheidung. Am 6. April will das Gremium erneut beraten.

von Patricia Grähling

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