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„Ich möchte kein gläserner Mensch sein“

Facebook „Ich möchte kein gläserner Mensch sein“

Man muss einen harten Schnitt machen, wenn man mit den neuen Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerkes Facebook nicht mehr einverstanden ist: das eigene Profil löschen.

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Vielen Facebook-Nutzern gefallen die neuen AGB nicht und sie steigen aus.

Quelle: Grafik: Sven Geske

Kirchhain . Für diesen Schritt hat sich auch Lena Schüler aus Kirchhain entschieden. Die Freunde wurden noch mit einem letzten Beitrag informiert, dann ging es offline. Im Interview mit der OP schildert die 30-Jährige, warum sie sich zur Abmeldung aus dem weltgrößten Netzwerk entschieden hat und wie die ersten Tage ohne verliefen.

OP: Sie haben sich entschlossen, Facebook den Rücken zu kehren, nachdem das Netzwerk mitteilte, seine allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu ändern. Warum?

Lena Schüler: Ich habe von den Änderungen der AGB im Fernsehen gehört und mich gefragt, warum ich nicht von Facebook darüber informiert werde, dass es Änderungen gibt. Daraufhin habe ich mich ein wenig schlau gelesen und ganz bewusst beschlossen, einen Strich zu ziehen. Denn ich möchte durch mein abgezapftes Netzwerkverhalten nicht vorhersehbar und manipulierbar werden.

OP: Die meisten Nutzer denken, es geht bei den AGB-Änderungen lediglich um mehr personalisierte Werbung. Aber es steckt ja noch viel mehr dahinter, nicht wahr?

Schüler: Auf jeden Fall. An sich ist nicht die Werbung, personalisiert oder nicht, das Problem für mich. Es geht mir mehr darum, dass meine Daten gesammelt und vielleicht an Dritte weiterverkauft werden. Ich möchte nicht, dass Facebook an mir Geld verdient. Am schlimmsten finde ich aber, dass über die Smartphone-App des Netzwerkes ein Bewegungsprofil von mir erstellt werden kann. Auch wenn ich persönlich nichts zu verbergen habe, möchte ich nicht, dass jemand verfolgt, wo und wie ich unterwegs bin – weder virtuell noch real.

OP: Also haben Sie sich abgemeldet. Ging das denn so einfach?

Schüler: Na ja, man muss schon ein bisschen Zeit mitbringen. Denn man wird noch mehrfach gefragt: „Sind Sie sich auch wirklich sicher, dass Sie sich abmelden und Ihr Profil löschen wollen?“ Hat man das alles erledigt, ist das Profil noch zwei Wochen aktiv – falls man es sich nochmal anders überlegt.

OP: Schon daran gedacht?

Schüler: Ehrliche Antwort? Ja, hab ich. Eine Freundin hat mich auf einem Foto verlinkt. Da war ich schon neugierig, um was für ein Foto es sich handelte. Aber ich bin stark geblieben.

OP: Wie lange sind Sie jetzt schon offline? Und wie sind Ihre Erfahrungen?

Schüler: Die ersten Tage waren schon irgendwie komisch. Ich habe schließlich vorher immer mal wieder zwischendurch geschaut, ob und was es so Neues gibt. Das war richtig zur Gewohnheit geworden. Und jetzt, nach zehn Tagen, merke ich, dass ich nicht mehr ganz so gut informiert bin: Zum einen, was aktuelle Geschehnisse – sei es auf globaler oder auf privater Ebene – angeht. Zum anderen aber auch, was Geburtstage oder andere Ereignisse wie Hochzeit oder Geburt im erweiterten Freundeskreis, sprich mit Leuten, mit denen man eher selten persönlich Kontakt hat, angeht. Ich sehe da schon einen Informationsnachteil. Aber der ist es nicht wert, zum gläsernen Menschen zu werden.

 
Die neuen AGB von Facebook
  • Seit 30. Januar hat das soziale Netzwerk Facebook neue allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB). Diese beinhalten auch neue Regeln zum Datenschutz. Alle Nutzer des weltgrößten Netzwerkes, die sich nun einloggen, akzeptieren mit diesem Schritt auch formal die neuen Nutzungsbedingungen. Mit der Zustimmung kann das Unternehmen mehr Daten seiner Nutzer sammeln und daraus personalisierte Werbung erstellen. Mit der Neuregelung der AGB sollen unter anderem auch Informationen über besuchte Web-Seiten und genutzte Apps außerhalb des sozialen Netzwerkes gesammelt und ausgewertet werden.
  • Ursprünglich wollte Facebook die neuen AGB bereits zum 1. Januar 2015 in Kraft setzen. Das Unternehmen verschob den Termin aber noch einmal um einen Monat, um – wie es von Seiten des Netzwerkes hieß – den Nutzern mehr Zeit einzuräumen, die Neuerungen zu studieren. Datenschützer warfen Facebook unter anderem mangelnde Transparenz vor. Sie befürchten, dass das Netzwerk personenbezogene Daten mit den als „Facebook-Unternehmen“ bezeichneten Drittanbietern (beispielsweise WhatsApp, Instagram, Atlas) austauscht.
  • Facebook ist übrigens nicht das einzige Unternehmen, welches die Daten seiner Nutzer speichert: Zu den großen Online-Datensammlern zählen auch Firmen wie Amazon und Google.

 (dpa)

Widerspruch
  • Unter der Web-Adresse www.youronlinechoices.com/de/praferenzmanagement kann man der nutzungsbasierten Werbung widersprechen. Mit einem Klick auf „Aus“ können Anwender diese für einzelne Anbieter abschalten. Anzeigen gibt es dann zwar immer noch zu sehen, allerdings sind diese dann nicht mehr auf den einzelnen Nutzer zugeschnitten.
  • Alle Abwehrmaßnahmen funktionieren allerdings nur im Browser des einzelnen Gerätes. Wer also mehrere Geräte nutzt, um ins Internet zu gehen, muss den Schutz auf jedem einzelnen Gerät aktivieren.
  • Datensammler außerhalb des Browsers, beispielsweise in Apps, werden damit aber nicht blockiert.

von Katharina Kaufmann

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