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„Ich gehe als Sohn der Gemeinde“

Abschied von Pfarrer Bierschenk „Ich gehe als Sohn der Gemeinde“

Nach fast 20 Jahren ist für Pfarrer Peter Bierschenk in Niederklein am Sonntag Schluss. Bei einer seiner letzten großen Veranstaltungen im Ort traf er Kaplan Jochen Bettinger, einen Amtsvorgänger.

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Für Jochen Bettinger und Pfarrer Peter Bierschenk (rechts), die miteinander befreundet sind, war es ein besonderer Begegnungsabend in Niederklein. Foto: Yanik Schick

Niederklein. Auf den ersten Blick sind beide grundverschieden, was ihr Auftreten als Geistliche in der Pfarrgemeinde Niederklein anbelangt. Könnte man zumindest meinen. Schließlich geht für Peter Bierschenk am Sonntag eine Ära zu Ende. Er wird nach neunzehneinhalb Jahren seinen letzten Gottesdienst halten. Einer seiner Vorgänger hingegen, der frühere Kaplan Jochen Bettinger, lebte von 1958 an nicht einmal zwei Jahre lang in Niederklein. Kein Vergleich also zu Bierschenks langer Amtszeit. Doch die beiden eint etwas, wie der Begegnungsabend der Kolpingfamilie am Mittwochabend eindrucksvoll dokumentierte: Sowohl Bierschenk als auch Bettinger haben die Kirchengemeinde St. Blasius und St. Elisabeth mit geformt, sie in eine entscheidende Richtung gelenkt. Die Resonanz der Niederkleiner belegt das: Mehr als 50 Jahre ist es inzwischen her, als Bettinger noch aktiv als Kaplan gewirkt hatte. Beim Empfang am Mittwoch sprühten die meisten Gäste dennoch vor Begeisterung über das Wiedersehen mit Jochen Bettinger, erinnerten sich gemeinsam mit dem 88-Jährigen an frühere Anekdoten und die nicht allzu lange, aber einprägsame Zeit.

Es grenzte an ein Phänomen, wie die alten Weggefährten Bettingers seine Person in Erinnerung behalten hatten. Was war es gewesen, was diesen Mann so beliebt machte und macht? Er selbst hielt keine Erklärung parat. „Das ist schon verwunderlich“, sagte er verlegen. Peter Bierschenk, der Bettinger seit zwei Jahren kennt und mittlerweile eng mit ihm befreundet ist, fiel es da schon wesentlich leichter, eine Antwort zu finden. „Jochen hat einfach Spuren hinterlassen“, meinte der scheidende Pfarrer, „gerade den jungen Menschen hat er sehr viel Hoffnung gegeben. Von ihm ist ganz, ganz viel hängengeblieben.“ Inzwischen lange im Ruhestand, bedauert Bettinger für die Niederkleiner Kirchengemeinde den Weggang von Peter Bierschenk zutiefst. „Als ich diesen Pfarrer zum ersten Mal sah, habe ich gesagt, so einer hätte ich auch gern sein wollen.“

Vor allem bezüglich der Liebe zum Mitmenschen sei Bierschenk ein ganz großes Vorbild. Der 51-Jährige selbst hat laut eigener Aussage „schon etwas Bammel“ vor Sonntag, dem Tag des Abschieds aus Niederklein. Dann wird er letztmalig vor den Leuten, die er zum Teil seit fast zwei Jahrzehnten kennt, predigen.

„Ich bin immer noch mitten in der Trauerphase“, erklärte Bierschenk im Gespräch mit dieser Zeitung. Anfang Juli hatte er den Entschluss gefasst, sich um eine Stelle als Klinikseelsorger in Fulda zu bewerben. Nach fast 20 Jahren in Niederklein war ihm die Entscheidung natürlich alles andere als leicht gefallen. Allerdings hatten den Pfarrer schon geraume Zeit gesundheitliche Beschwerden geplagt. „Das Tolle war die Reaktion der Niederkleiner“, erinnerte sich Bierschenk, als er am 10. August der Gemeinde seine Entscheidung mitteilte. „Natürlich waren viele traurig, aber alle haben Verständnis gezeigt.“ Er spüre, wie er im Laufe der Jahre mit den Leuten verwachsen sei und ist dankbar für den familiären Umgang. „Ich gehe als Sohn der Gemeinde“, hielt er abschließend fest.

n Der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Peter Bierschenk findet am Sonntag, 28. September, ab 14 Uhr in der Kirche in Niederklein statt.

von Yanik Schick

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