Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
"Ich bin froh, dass ich hier bin"

Zeltlager für Flüchtlinge "Ich bin froh, dass ich hier bin"

Rund 450 Flüchtlinge leben derzeit in den Zelten auf Stadtallendorfer Bundeswehrgelände. Am Dienstag, 15. September, gibt es eine kurzfristige Informationsveranstaltung, die Stadt will ab Mittwoch Hilfsangebote koordinieren.

Voriger Artikel
Kraftakt für das Freibad
Nächster Artikel
Ausflug in prachtvolle Vergangenheit

Flüchtlinge machen sich auf den Weg durch das Tor zu ihrer vorläufigen Unterkunft, einem Zeltlager. Fotos: Michael Rinde

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Es regnete in Strömen, als Montagvormittag ein weiterer Bus mit Flüchtlingen vor dem früheren Soldaten-Freizeitheim hält. Nach der ersten Einweisung packen die Menschen ihre wenigen Habseligkeiten, die in Taschen oder Rucksäcken verwahrt sind. Am Montag stand das am Wochenende errichtete Zeltlager neben dem Bundeswehr-Hallenbad zunächst weiter unter der Regie des Katastrophenschutzes. Etwa 80 ehrenamtliche Helfer waren laut Kreissprecher Stephan Schienbein im Einsatz, überwiegend vom Roten Kreuz aus dem Vogelsbergkreis. Sie hatten die Einheiten aus dem Kreis am Sonntagabend abgelöst. Außerdem ist das Technische Hilfswerk mit derzeit neun Leuten im Zeltlager aktiv, hält die aufgebaute Elektrik in den beheizten Zelten am Laufen.

Abid Hussein aus Syrien zählte zu den ersten Flüchtlingen, die am Sonntagmorgen um 4 Uhr Stadtallendorf erreichten. Er lobt in Englisch die „sehr gute Arbeit, die hier alle für uns machen. Alle benehmen sich toll“. Der 45-Jährige ist alleine geflüchtet, stammt aus Aleppo. Seine Fluchtgeschichte will er vor dem Tor des Zeltlagers nicht erzählen. Nur so viel: „Ich bin froh, dass ich hier bin. Das ich in einem Zelt schlafe, macht mir nichts, ich habe anderes erlebt“. Helfer berichten, dass die Stimmung in den ersten Stunden „auf beiden Seiten etwas nervös war, aber total friedlich“. Es sei eben für alle eine neue Situation. So empfindet das auch Oberstleutnant Friedrich Luchtenberg, der Kasernenkommandant. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, die Turnhalle als Betreuungsraum herzurichten. Dort hätten die Menschen Gelegenheit, in Ruhe miteinander zu sprechen.

Ministerium: Übernehmen im Laufe der Woch e

„Es läuft sehr ordentlich und entspannt im Augenblick“, so Luchtenbergs Fazit nach den ersten Stunden. Auch aus Sicht des Landkreises, der die Unterkunft als Katastrophenschutz-Behörde am Montag weiterhin verantwortlich betreiben musste, gab es keine größeren Schwierigkeiten. Das Regierungspräsidium habe angekündigt, dass sie die Unterkunft am Dienstag übernehmen werde, so Schienbein. Am Nachmittag erklärte der stellvertretende Sprecher des Sozialministeriums, Markus Büttner, lediglich die Übernahme der Unterkunft sei im Laufe der Woche geplant. Unterdessen sind die Arbeiten im früheren Mobilmachungs-Stützpunkt am Ende der Scharnhorststraße angelaufen.

Dorthin sollen die Flüchtlinge umziehen, das Zeltcamp soll nur ein Provisorium sein. Erklärtes Ziel ist es, dass die insgesamt fünf Hallen und das aus den 1990er Jahren stammende große Verwaltungsgebäude in einer Woche für die Aufnahme von Flüchtlingen bereitstehen. Allein 16 Mitarbeiter vom Technischen Dienst des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums waren am Montag bereits vor Ort, außerdem ein Unternehmen. „Wir werden den Termin 21. September einhalten können, wenn es keine Überraschungen gibt“, sagt Oberstleutnant Luchtenberg. Die Hallen, in denen früher Material für ein Bataillon lagerte, werden zunächst benutzbar gemacht. Luchtenberg hatte seitens der Bundeswehr zu denjenigen gehört, die die Einrichtung der Notunterkunft mit Zelten und Turnhalle organisiert haben.

Alle Hallen und Gebäude sind beheizbar. Zunächst ging es darum, Versorgungsleitungen zu überprüfen und wieder anzuklemmen. In sehr gutem Zustand präsentiert sich das Verwaltungsgebäude, das wohl 2008 letztmals genutzt wurde. Langfristig, so die Übereinkunft mit dem Land, sollen Wohncontainer auf dem Gelände aufgestellt werden. Die müssen allerdings erst einmal beschafft werden.

Die Stadt Stadtallendorf will Hilfsangebote von Bürgern für die Flüchtlinge koordinieren. „Es gab schon einige Anfragen bei uns“, sagte Bürgermeister Christian Somogyi gestern Nachmittag. Ab Mittwoch, 16. September, soll Markus Hader von der Stadtverwaltung Hilfsangebote koordinieren. Er ist ab diesem Tag zu den Dienstzeiten des Rathauses unter der Rufnummer 06428/707-330 erreichbar.

Am Dienstagabend gibt es eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Stadthalle, Beginn ist um 18.30 Uhr. Auf dem Podium werden ein Vertreter des Regierungspräsidiums Gießen, Landrätin Kirsten Fründt, ein Vertreter der Polizei und Bürgermeister Christian Somogyi sitzen.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr