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Hunderte säumen die Straßen

Hunderte säumen die Straßen

Ganz Momberg schien am Sonntagnachmittag auf den Beinen zu sein, als herrlich geschmückte Wagen und Fußgruppen beim Kirmesumzug durch das Dorf zogen.

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Die Freiwillige Feuerwehr Momberg griff die Burka-Debatte auf.Fotos: Karin Waldhüter

Momberg. Momberg. Hunderte Zuschauer säumten die fahnengeschmückten Straßen: Angeführt von „Ranzemann“ Arthur Groß schlängelte sich der 19 Nummern umfassende Festzug durch die Straßen. Die örtlichen Vereine hatten sich wieder viel Mühe mit dem Schmücken der Festwagen und der Gestaltung der Fußgruppen gegeben und einen bunten Festzug auf die Beine gestellt.

Pfarrer Andreas Rhiel steuerte den Traktor, der das schöne Kirchenmodell zog. Es folgte die Fahnenabordnung der drei kirmestreibenden Vereine mit Vertretern des Gesangvereins Concordia, des Sportvereins Borussia und des diesjährigen Ausrichters: des Schützenvereins Viktoria 1877 Momberg.

Fröhlich winkend folgten die Ehrengäste sowie der Vorsitzende des Schützenvereins, Edwin Lotter. Ein besonders buntes Bild boten die Kindergartenkinder mit dem Thema „Lasst Blumen sprechen“ und der Frauenverein mit seinem mexikanischen Motto. Der Radfahrverein „Fidelia“ widmete sich dem Thema Doping, die Beigefreiten saßen „brav im Drachenkutter im Takt trainiert von der Schwiegermutter“. Hoch zu Ross begleiteten die Mitglieder des Reitvereins den Zug.

Sänger bereiten Jubiläum vor

Für karnevalistische Farbtupfer sorgten die Ranzengarde, die Ranzenfunken und die Mini­showtanz-Gruppe. Ganz im Zeichen des anstehenden Jubiläums stand der Motivwagen des Gesangvereins Concordia 1867. Der versprach „150 Jahre Concordia, wir arbeiten dran“. Die Blaskapelle Momberg und die Emsdorfer Blasmusik sorgten für musikalische Unterhaltung.

Mit der derzeit herrschenden Burka-Debatte nahmen sich die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr einem aktuellen Thema an. „Burka-Debatte?!“ war auf einem Plakat zu lesen, das zwei vollverschleierte Mitglieder trugen. „Verschleiern, vermummen, heute und hier, in unserem Land sollten das nur wir“, lautete die Botschaft des Vereins.

500 Jahre wird in diesem Jahr das deutsche Reinheitsgebot für Bier alt. Dem Thema widmete sich der Sportverein, dessen Mitglieder immer wieder mit Showeinlagen unterhielten. Zünftig gefeiert wurde auch auf dem letzten Festzugswagen. Der Schützenverein hatte das Oktoberfestmotto vom Kirmessamstag aufgegriffen und den Wagen in den bayerischen Farben geschmückt. Statt eines Pferdegespanns zog davor die Schützenjugend den „Zehner-Licher-Zug“.

„Eine schöne Kirmes und alles friedlich“, freute sich Edwin Lotter. Der Vorsitzende zog eine positive Bilanz. Am Freitag hatten 350 Besucher mit DJ Max Schweisshelm im Festzelt gefeiert. „Superstimmung“ herrschte beim bayerischen Abend am Samstag mit 400 Besuchern, den „Celebrations“, den „Randfichten aus dem Erzgebirge“ (Edwin Lotter, Edwin Sack und Karl-Heinz Schreiner), den „Dorfrockern“ mit Fabian Lotter, Felix Schmittdiel und Fabian Sack und den Ranzefunken, die einen bayerischen Tanz einstudiert hatten.

von Karin Waldhüter

KOMMENTAR

von Florian Lerchbacher

Die Momberger sind bekannt dafür, an Karneval und beim Kirmesumzug kritisch zu sein, Themen mit einer gesunden Portion Zynismus zu betrachten und kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Immer vorne mit dabei sind die Mitglieder der Feuerwehr – unvergessen bleibt, wie sie vor einigen Jahren die Abwrackprämie aufgriffen.

Dieses Mal jedoch lagen sie gründlich daneben. Mit der Burka-Diskussion gingen sie auf ein aktuelles Thema ein, und ein Hingucker war ihr Wagen allemal – allerdings auch ein Fehlgriff. Die Feuerwehrleute missbrauchten den Umzug, um ihre Meinung zu äußern – der satirische Schwenk fehlte völlig. Der Reim „Verschleiern, vermummen, heute und hier, in unsere Land sollten das nur wir“, ändert daran nichts.

„Burka-Trägerinnen sollen draußen bleiben“ – anders lässt sich die Gestaltung des Motivwagens mit der verhüllten Frau, die hinter einem Schlagbaum steht, nicht interpretieren. Dass dann noch ein Schwerbewaffneter die Grenze zu bewachen scheint, gibt dem Bild noch einen besonderen Zungenschlag.

Ob Gläubige eine andere Religion ausgerechnet bei einem Kirchweihfest thematisieren oder gar kritisieren sollten, ist eine weitere Frage, die es zu stellen gilt.

Dass die Feuerwehrleute das Thema an sich aufgreifen, mag ja noch vertretbar sein – dann aber doch bitte weniger plump und weniger martialisch. Denkbar wäre beispielsweise der Dreh zur Mitgliederwerbung nach dem Motto: „Vermummen – falsch oder doch richtig? Bei uns, da ist es lebenswichtig! Ihre Feuerwehr braucht Nachwuchs!“

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