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Humor soll die Normalität fördern

Ausstellung Humor soll die Normalität fördern

"Humor ist ein Schlüssel, der oftmals Türen öffnet - auch zu Menschen mit Demenz", sagt Christina Stettin, die eine Ausstellung mit dem Titel "Demensch" ins Mardorfer Schwesternhaus holt.

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14 Karikaturen umfasst die Ausstellung „Demensch“,...

Mardorf. Eine Vorliebe für schwarzen Humor ist beim Betrachten der Karikaturen von Peter Gaymann sicherlich nicht schlecht - die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet der Cartoonist aber nicht. „Wenn man zu einem Thema den Humor verbietet, dann tabuisiert man es“, betont Christina Stettin, die Koordinationskraft der Mardorfer Bürgerhilfe. Menschen mit Demenz sollten auch nach ihrer Erkrankung ein normaler Teil der Gesellschaft bleiben - dies hatte sie jüngst während eines Gesprächs mit dieser Zeitung erklärt, als der Bürgerverein 10000 Euro an Fördermitteln erhielt, um Amöneburgs Weg auf dem Weg zur „demenzfreundlichen Kommune“ zu ebnen. Zu jener „Normalität“ gehört eben auch, dass Witze über Situationskomik gemacht werden dürfen. „So entsteht Raum, humorvoll auf womöglich peinliche Situationen zu reagieren“, sagt Stettin und hebt hervor, dass Gaymann lediglich die erste Phase der Demenz aufs Korn nimmt - eine Phase, die von Vergesslichkeit und leichter Verwirrtheit geprägt ist. „Je weiter die Krankheit voranschreitet, umso schlimmer wird es. Irgendwann trifft man die Menschen dann auch nicht mehr auf der Straße“, erklärt die Koordinationskraft - und an dieser Phase lässt sich auch mit großer Mühe nichts Witziges mehr finden: „In der ersten Phase kommt es immer wieder zu unerwarteten und ungewohnten Situationen. Je nachdem, wie das Umfeld reagiert, kann dies erheiternd sein oder eben bedrückend.“

„Humor hat die Kraft, die drückende Sicht auf Probleme zu entschärfen“, erklärt Gerontologe Prof. Thomas Klie, ein großer Befürworter der Gaymannschen Karikaturenserie auf der Homepage der Evangelischen Hochschule Freiburg. Dies trage dazu bei, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Demenz zu entkrampfen: „Überzeichneter Humor schafft damit, was sonst nur schwer gelingt: das Thema Mensch und Demenz aus der Ecke zu holen - mitten in die Gesellschaft, wo es hingehört“.

„Gaymann wollte die Karikaturen eigentlich nicht umsetzen, aber Klie hat immer wieder angefragt“, berichtet Stettin, die nicht nur Koordinationskraft in Mardorf sondern auch noch Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Marburg-Biedenkopf ist. Die Gesellschaft hat die 14 Bilder umfassende Ausstellung gekauft und macht sie nun in Mardorf zugänglich. Danach ist sie im Hinterland zu sehen.

Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 27. Oktober, zwischen 15 und 17 Uhr im Mardorfer Schwesternhaus. Gäste können sie während des vom Bürgerverein organisierten Mittagstischs bewundern, also dienstags und donnerstags zwischen 12 und 16 Uhr, sowie während des Suppenfestes am Sonntag, 10. November. Wer die Ausstellung zu anderen Zeiten besuchen möchte, kann dies nach vorheriger Terminabsprache tun.

n Für das Projekt „Amöneburg auf dem Weg zur demenzfreundlichen Kommune“ hat die Bürgerhilfe in Susanne Schmitt-Neubert aus Marburg eine Leiterin gefunden. Sie widmet sich nun der Umsetzung des ersten Schrittes und wird Runde Tische ins Leben rufen, an denen alle Akteure zusammenkommen, die sich in der Region mit dem Thema Demenz befassen. Ziel ist es, diese zu vernetzen, Versorgungslücken offenzulegen, Bedürfnisse zu klären und die Zusammenarbeit zu fördern.

Kontakt: Christina Stettin, Telefon 06429/8291541.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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