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Hoim trägt Neustadt weiterhin im Herzen

Verdienstkreuz Hoim trägt Neustadt weiterhin im Herzen

18 kommunalpolitische Posten oder Ämter finden sich im Lebenslauf von Manfred Hoim wieder. Den wichtigsten Punkt listet er bei den Berufen auf: Er war 18 Jahre Bürgermeister von Neustadt.

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Ein Modell des Junker-Hansen-Turms – Neustadts Wahrzeichen – steht noch immer auf dem Schreibtisch des baldigen Bundesverdienstkreuz-Trägers Manfred Hoim. Foto: Florian Lerchbacher

Neustadt. „Mit Träumereien bringt man die Welt nicht weiter - wohl aber mit Taten“, sagt Manfred Hoim, dem Finanzminister und CDU-Parteikollege Dr. Thomas Schäfer gemeinsam mit Landrätin Kirsten Fründt am morgigen Dienstag in Marburg das Bundesverdienstkreuz am Bande verleiht. Der 73-Jährige habe sich „in vorbildlicher Weise in der Kommunalpolitik sowie im sozialen und kulturellen Bereich ehrenamtlich eingesetzt“, heißt es in der Begründung.

An der Spitze der Verdienste steht Hoims Zeit als Bürgermeister von Neustadt. 18 Jahre (von 1989 bis 2007) führte er die Stadt - und erlebte dabei Höhen wie auch Tiefen. Nur ungern erinnert er sich beispielsweise an das große Zugunglück oder an den Niedergang der Ergee-Werke und den daraus resultierenden Verlust von rund 500 Arbeitsplätzen: „Wir haben alles versucht - aber das war nicht aufzuhalten.“ Ähnlich habe es bei der Kaserne ausgesehen: Anfang der 1990er Jahre hätten er und seine Mitstreiter aus der Kommunalpolitik noch die Schließung der Militäreinrichtung verhindern können, im Jahr 2004 sei dann aufgrund einer erneuten Reduzierung der Streitkräfte nichts mehr machbar gewesen. In diesem Zusammenhang widmet sich Hoim einem heutigen Sorgenkind der Stadt: Der Übernahme des Soldatenheims (Haus der Begegnung) würde er auch heute wieder zustimmen. Neustadt sei damals auf das Gebäude als Veranstaltungsort angewiesen gewesen, noch dazu habe das Angebot letztendlich gepasst.

Viel lieber ruft sich der Bürgermeister in Rente die Höhepunkte seiner Amtszeit in Erinnerung - die selbstverständlich allesamt Verdienste der guten Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern und den Kommunalpolitikern gewesen seien: die Erweiterung des Friedhofes nach zähem Ringen, die Dorferneuerungen Mengsberg und Momberg, die Ausweitung der Kindergartenplätze, den Bau von Hochbehältern, aber auch die Vermarktung der ehemaligen Ergee-Liegenschaften. „Durch das, was sich dort oben an Läden wiederfindet, ist kein Geschäft in der Innenstadt kaputtgegangen“, betont er. Drei Amtszeiten lang war Hoim Bürgermeister von Neustadt - zunächst hatten ihn die Stadtverordneten gewählt, bei den Wiederwahlen waren es die Bürger: „Das fand ich besonders schön.“

Für Politik interessiert er sich eigentlich erst seit 1980. „Aufgrund meiner Erfahrungen in der DDR hatte Politik davor für mich einen negativen Touch“, berichtet Hoim, der im Jahr 1961 über Ost-Berlin aus der DDR geflohen war und sich in der Folge mit geringen finanziellen Mitteln durchschlagen musste. Die Arbeit bestimmte damals sein Leben - bis er seine Frau Sybille traf, mit der er inzwischen 51 Jahre verheiratet ist und zwei Kinder hat (sowie sechs Enkel und einen Urenkel). Zunächst war er als Verwaltungsprüfer im Dienste der Bundeswehr viel unterwegs. 1971 wechselte er zur Landesverwaltung nach Marburg. Als die Familie sich in der Stadt eingelebt hatte und Freunde ihn animierten, widmete er sich der Politik. Er trat 1981 in die CDU ein, engagierte sich im Vorstand der CDU Marburg-Richtsberg und war von 1985 bis 1989 Stadtverordneter in Marburg.

Dann stellte er sich - seiner Vermutung nach auf Empfehlung von Kanzleramtsminister a.D. Friedrich Bohl - in Neustadt als Bürgermeister zur Wahl. Die Stadt kannte er zwar nur von einer kurzen Zeit in der Außenstelle der Bundeswehr-Standortverwaltung Stadtallendorf und einem kurzen Besuch, der auch noch bei tristem Wetter stattfand. Sein Interesse war aber groß, und Hoim gewann zunächst CDU-Fraktionsvorsitzenden Ludwig Dippel und Stadtverordnetenvorsteher Paul Altenbrand für sich - und dann die Wahl.

Die CDU verlor kurz danach allerdings die Mehrheit in der Versammlung, und Hoim konnte sich der Unterstützung nicht mehr sicher sein. Es knallte mehrfach kräftig. „Zwischendrin fragte ich mich schon mal, welcher Teufel mich geritten hat, aus der sicheren Landesverwaltung auf so einen Posten zu wechseln“, gibt er zu. Nach anderthalb Jahren etwa entspannte sich das politische Klima. Zum einen, weil die Stadtverordneten merkten, dass es besser sei, mit statt gegen den Bürgermeister zu arbeiten, vermutet Hoim. Zum anderen habe er aber auch Zeit benötigt, in sein Aufgabengebiet „und in das Menschliche“ hineinzuwachsen. Meinungsverschiedenheiten seien in der Politik ganz normal, sagt Hoim, betont aber: „Eine der größten Schwächen ist, dass Leute oftmals nicht miteinander, sondern eher übereinander reden.“ Wichtig sei, Fehler eingestehen und sich entschuldigen zu können - und den Menschen gegenüber ehrlich zu sein: „Das Interessante in der Kommunalpolitik ist, dass man in direkten Kontakt zu den Bürgern kommt und mit Menschen egal welcher Schattierung zurechtkommen muss. Gleichzeitig muss man aber auch die Kraft und den Mut haben, ihnen gegebenenfalls zu sagen, was man von ihnen hält. Man darf sich nicht selbst verleugnen - auch wenn man sich mit Ehrlichkeit nicht nur Freunde macht.“

Beruflich ist Hoim inzwischen zwar in Rente, als Mitglied des Kreisausschusses engagiert er sich jedoch noch immer politisch. Allerdings in weitaus geringerem Maße als früher: Absolute Priorität genießt seine Familie. „Die Kinder meiner ersten Tochter haben ihren Opa als kleine Kinder kaum zu Gesicht bekommen“, gibt der 73-Jährige zu. Bei der zweiten Tochter und ihren drei Kindern soll das anders sein, daher sind die Eheleute Hoim inzwischen nach Michelbach gezogen. Ein Teil seines Herzens werde aber immer Neustadt gehören, betont der ehemalige Bürgermeister.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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