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Hoffen auf den „Frieden“ durch Dialog

Windkraft-Streit Hoffen auf den „Frieden“ durch Dialog

So viele Besucher gab es bei einer Sitzung des Amöneburger Stadtparlaments wohl noch nie, schätzt Stadtverordnetenvorsteher Dr. Stefan Heck. Das war dem Reizthema Windkraft geschuldet.

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Fünf Windkraftanlagen stehen im Roßdorfer Wald, zwei weitere werden dort noch hinzukommen. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Amöneburg. Mehr als 50 Bürger hatten in der Roßdorfer Mehrzweckhalle auf den Zuschauerstühlen Platz genommen. Acht Fragen waren für die Bürgersprechstunde vor der Stadtparlamentssitzung eingegangen, sieben davon widmeten sich dem Thema Windkraft aus verschiedener Perspektive.

Ein Thema: Warum habe Projektierer Juwi im Falle der Mardorfer Waldinteressenten für deren Flächen mehr Pachterträge geboten als seinerzeit in Roßdorf? Bürgermeister Michael Plettenberg (parteilos) übernahm die meisten Antworten an diesem Abend im Namen von Stadt und Parlament. In dem Falle verwies Plettenberg, ohne nach eigener Aussage das Juwi-Angebot für Mardorf zu kennen, auf den dort zu erwartenden höheren Ertrag.

In der Stadtparlamentssitzung kam das Thema Windenergie, Windpark Roßdorf und Pläne für die Mardorfer Kuppe dann noch gleich zweimal auf die Tagesordnung. Zum einen durch einen vorliegenden FWG-Antrag, zum anderen durch den von der CDU-Fraktion eingebrachten Dringlichkeitsantrag zur Bildung eines runden Tisches Windenergie (die OP berichtete am Montag). Alle drei Fraktionen stimmten zu, dass dieser Antrag nachträglich auf die Tagesordnung genommen werden sollte.

Doch zunächst zum FWG-Antrag: Dessen Kern bestand darin, möglichst mehr Wertschöpfung der noch zu bauenden zwei weiteren Roßdorfer Anlagen in der Region zu halten. In einer Ausschusssitzung war dies im Januar präzisiert worden. Bürgermeister Plettenberg verwies Montagabend auf erste Vorgespräche, die er mit dem Projektentwickler Juwi geführt habe. Demnach ist der Projektierer bereit, einen Sparbrief in Zusammenarbeit mit einer regionalen Bank - der Sparkasse etwa - aufzulegen. Die Rahmendaten: Gesamtvolumen eine Million Euro, Laufzeit 4 Jahre, Zinssatz 3 Prozent. Das Zinsrisiko trüge Juwi. Inhaber von Sparbrief-Anteilen wären so an einem der beiden neuen Windräder beteiligt. Ausverhandelt ist das Angebot nicht. Jan-Gernot Wichert (CDU) machte klar, dass es aus seiner Sicht keinerlei Garantien oder Zusagen seitens der Stadt Amöneburg geben dürfe. Die Abstimmung verlief fraktionsübergreifend, es gab eine klare Mehrheit (10 Ja-, 4 Neinstimmen und 3 Enthaltungen) für weitere Gespräche des Magistrats mit Projektierer Juwi im Sinne der finanziellen Bürgerbeteiligung.

Waldinteressenten und Bürgerinitiative sind dabei

Beim CDU-Antrag in Sachen runder Tisch gab es dann den breiten Konsens im Gremium. Ganz offenbar, so stellten es die Fraktionsvorsitzenden Wichert und Winfried Kaul (SPD) heraus, hatte der Verlauf der Bürgerversammlung vor mehr als einer Woche die Parlamentarier aufhorchen lassen. Das formulierte auch Stadtverordnetenvorsteher Heck eingangs der Sitzung des Parlaments bereits so: „Hier muss weiter drüber geredet werden und das wollen wir auch“. In diese Kerbe stießen Wichert und Kaul ebenfalls. An jenem runden Tisch sollen die Waldinteressenten Mardorf, die Bürgerinitiative (BI) „Es reicht“, die Fraktionen, die Ausschussvorsitzenden sowie der Bürgermeister beteiligt werden. Allerdings gab es einen Änderungsantrag der SPD: Der runde Tisch soll den Leiter oder Moderator der Diskussion selbst bestimmen. Für diese Variante gab es ein eindeutiges Votum: einstimmig bei einer Enthaltung eines FWG-Stadtverordneten.

Die große Hoffnung: An eben jenem runden Tisch sollen mögliche Kompromisslinien im Hinblick auf Windparkpläne für die Mardorfer Kuppe ausgelotet werden - und zwar in einem friedlichen Dialog. Ob das gelingt, bleibt noch abzuwarten. Doch es gibt positive Si­gnale: Wichert erklärte aufgrund weiterer geführter Gespräche, dass sich die Waldinteressenten Mardorf den Gesprächen nicht verschließen wollen. Wolfgang Rhiel, CDU-Stadtverordneter, Erfurtshausens Ortsvorsteher und Mitglied der BI, griff das Thema unter „Verschiedenes“ noch einmal auf. „Das Thema geht uns alle an, es gibt Ideen auch von anderen Waldinteressenten“, sagte er. Konkreter wollte er noch nicht werden.

Auch die BI selbst freut sich über die Entstehung dieses Dialogs. „Ein runder Tisch war unsere Idee bei der Bürgerversammlung“, sagte Sprecherin Dr. Annette Schick gegenüber der OP. Sie hoffe auf einen schnellen Beginn der Gespräche.

von Michael Rinde

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