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Hochzeitspaar bleibt Wirt die Zeche schuldig

Aus dem Amtsgericht Hochzeitspaar bleibt Wirt die Zeche schuldig

Da ein Ehepaar innerhalb eines Jahres nur einen Bruchteil der Kosten seiner Hochzeitsfeier bezahlt hatte, zeigte der Gastwirt die Eheleute an. Vor dem Amtsgericht sah man sich wieder.

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Kirchhain. „Ich bin keine Betrügerin“, beteuerte die 29-jährige Frau, die zusammen mit ihrem 60-jährigen Ehemann auf der Anklagebank saß.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem verheirateten Paar vorgeworfen, am 6. Oktober 2012 in einer Gaststätte des Ostkreises seine Hochzeit gefeiert und dem Gastwirt in der Folge die Zeche nicht bezahlt zu haben.

Ein Drittel der vom Geschädigten veranschlagten 1200 Euro Gesamtkosten sei bereits beglichen worden, versicherten die Eheleute vor Gericht. 200 Euro habe man dem Inhaber der Gaststätte einen Tag nach der Feier bar bezahlt, weitere 200 Euro seien später auf dessen Konto überwiesen worden.

„Ich bin davon ausgegangen, dass wir den Gesamtbetrag ratenweise abtragen können“, erklärte die angeklagte Ehefrau, die derzeit eine Ausbildung absolviert. Ihr arbeitsloser Ehemann pflichtete seiner Frau bei: Er habe mit dem Gastwirt, den er schon länger kennt, am Tag nach der Feier vereinbart, dass Geld in Raten zu bezahlen. Der Geschädigte habe von den schwierigen finanziellen Verhältnissen des Ehepaars gewusst. Dies sei für den Wirt jedoch kein sonderliches Problem gewesen, behauptete der 60-Jährige.

Bevor Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug in die Beweisaufnahme eintrat, merkte er kritisch an: „Eine Gaststätte ist kein Kreditinstitut. Der Inhaber darf von einer sofortigen Bezahlung ausgehen.“

Der 54-jährige Land- und Gastwirt sagte aus, dass die ursprüngliche Reservierung über seine damalige Frau gelaufen sei. Er selbst mit den Hochzeitern im Vorfeld der Feier nicht über die Bezahlung, sondern lediglich über das Essen und den Ablauf der Feier gesprochen habe, sagte der Zeuge - zum Unverständnis des Richters.

Der 54-Jährige widersprach aber vehement der Behauptung des Angeklagten, dass er einer Ratenzahlung zugestimmt habe. Der Angeklagte habe ihm gesagt, dass er den Betrag auf einmal bezahlen werde, erklärte der Gastwirt. Zunächst habe er selbst aufgrund der langjährigen Bekanntschaft darauf verzichtet, sein Geld auf dem Rechtsweg einzutreiben. Weil der Schuldner unauffindbar gewesen sei und nicht auf E-Mails reagierte habe sei er zur Polizei und zu einem Inkasso-Unternehmen gegangen und habe 700 Euro mehr gefordert, da er sich an den ursprünglichen „Freundschaftspreis“ nicht mehr gebunden fühlte.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte die Bezahlung der ausstehenden Summe, gemittelt aus den beiden Beträgen also 1000 Euro. „Sie haben das Vertrauensverhältnis zum Zeugen ausgenutzt und hatten ein Jahr Zeit, die Rechnung zu begleichen“, sagte der Staatsanwalt.

Richter Edgar Krug stellte das Verfahren nach Paragraf 153a der Strafprozessordung mit der Auflage für die beiden Angeklagten, die Kosten in fünf monatlichen Raten à 200 Euro zu bezahlen, vorläufig ein.

Von Yanik Schick

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