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Historisches Bild löst Leidenschaft aus

Abschied Historisches Bild löst Leidenschaft aus

Karl Weitzel besitzt mit über 100000 Bildern ein riesiges Fotoarchiv. Seit 1974 hielt er Bildvorträge. Damit ist nun Schluss.

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Karl Weitzel steht vor einer Auswahl der Bilder, die er bei seinem Vortrag nutzte.

Quelle: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. „Den ganzen Tag war ich ruhig, jetzt bin ich doch aufgeregt“, gibt Karl Weitzel beim Betreten des Seminarraums im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) unumwunden zu. Heute ist ein besonderer Tag für Karl Weitzel, denn er verabschiedet sich am Ende seines anderthalbstündigen Vortrags im DIZ als Vortragender.

Damit beendet der 79-Jährige nicht nur die vierteilige DIZ-Vortragsreihe „Einblicke in die Geschichte einer jungen Stadt“, sondern zeigte auch zum letzten Mal die „Entwicklung Stadtallendorfs vom Dorf zum Industriezentrum“ auf. Es war sein 178-ster Vortrag. Gekommen waren rund 60 Besucher, darunter auch seine vier Kinder und seine Frau Rosa, mit der er seit 55 Jahren glücklich verheiratet ist.

Erster Vortrag ist gut in Erinnerung

Während des Vortrages geht es lebendig und fast schon ein wenig familiär zu, denn viele Besucher kennen Karl Weitzel persönlich und erinnern sich beim Betrachten der Bilder an die damalige Zeit und Weitzel bindet gerne die Informationen der Anwesenden mit in seinen Vortrag ein. An seinen ersten Vortrag vor 42 Jahren kann er sich noch genau erinnern. „Alois Görge hat in den 1930er Jahren schon farbige Dias gemacht“, berichtet Karl Weitzel im Gespräch mit der OP.

Dessen Frau Else habe ihm einige Bilder zur Verfügung gestellt. Daraus sei 1974 sein erster Vortrag entstanden. Unter den Bildern entdeckte er ein Foto des früheren Bahnhofs. „Das Bild des früheren Bahnhofs hat mich so fasziniert, das war der Startpunkt für meine Sammlung“, erinnert er sich. Heute verfügt Karl Weitzel über ein riesiges Archiv mit 30 Ordnern und mehr als 100000 Bildern, die er über die Jahrzehnte hinweg gesammelt hat.

„Da kommen wir nicht ran“, hatte der Leiter des Dokumentationszentrums Fritz Brinkmann-Frisch in seiner Begrüßung hervorgehoben.

Sohn hat Leidenschaft übernommen

Die Stadtpolitik hat Weitzel seit jeher interessiert und manche Stadtverordnetensitzung hat er besucht, um auf dem Laufenden zu sein und manche Veranstaltung hat er begleitet, um sie zu dokumentieren.

Seine Leidenschaft, Dingen nachzuspüren und zu dokumentieren, hat er an seinen Sohn Markus weitergegeben, der intensiv Ahnenforschung betreibt. Seit 2003 führt Weitzel auch die Chronik der Pfarrei St. Katharina. Weil seine Handschrift nicht so schön sei, übernehme seine Frau Rosa den handschriftlichen Übertrag, erzählt er. Bekannt geworden ist Karl Weitzel durch seine Vorträge auch über die Stadtgrenze hinaus.

Zwischen Momberg, dem Raum Gladenbach und Biedenkopf habe er rund 6000 Zuhörern bei verschiedensten Vorträgen seine Heimatstadt publik gemacht, erklärt Weitzel. Mit der Stadt Stadtallendorf sei vereinbart worden, dass alle Bilder, die im Zusammenhang mit der Stadtentwicklung stehen, in das städtische Archiv gehen und so der Stadt erhalten bleiben.

Zuerst geht es durch das alte Dorf

Begonnen hatte Karl Weitzel seinen Fotovortrag mit einer Kurzfassung zur Stadtgeschichte. „Wenn der Krieg nicht gewesen wäre, der meinem Vater das Leben gekostet hat, wären wir heute Abend nicht hier“, sagt er. In der Geschichte habe es kein Ereignis gegeben, das die Veränderung des Dorfes Allendorf so nachhaltig beeinflusst habe, wie die Entscheidung zum Bau der Sprengstoffwerke.

Auch die wirtschaftliche Struktur in der gesamten Region sei ohne diese Werke nicht vorstellbar. „Die Einweisung von Flüchtlingen und die Ansiedlung der Industrie war ein Glücksfall, etwas Besseres konnte meinem Heimatort nicht passieren“, so Weitzel weiter. Zu seiner fotografischen Zeitreise gehörte auch ein bebilderter Rundgang durch den alten Dorfkern. Der Stadtallendorfer hat auch die Entwicklung der Industrie in der Stadt dokumentiert. Sofort ganz aufhören will Weitzel aber doch nicht. Im Frühjahr 2017 steht noch eine Kirchenführung in St. Katharina und ein Vortrag bei der Frauengemeinschaft an.

von Karin Waldhüter

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