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Hindenburgstraße behält ihren Namen

Antrag Hindenburgstraße behält ihren Namen

Mit einem einstimmigen Votum hat der Haupt- und Finanzausschuss dem Vorschlag des Kirchhainer Magistrats zugestimmt, Adolf Hitler und Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerwürde posthum abzuerkennen.

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Im Schatten der Kirche St. Elisabeth weist ein Schild auf die Hindenburgstraße hin. Im Kirchhainer Parlament zeichnet sich keine Mehrheit für eine Umbenennung der Straße ab. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) sprach von einer symbolischen Handlung, da die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod des Ehrenbürgers erlischt. Er hatte beim Festakt zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Willibald Preis angekündigt, die unter der NSDAP-Herrschaft 1933 vom damaligen Kirchhainer Stadtparlament zuerkannte Ehrenbürgerschaft für den Kriegsverbrecher Hitler und den historisch umstrittenen von Hindenburg durch ein parlamentarisches Verfahren von der Ehrenbürgerliste der Stadt zu streichen.

Es sei den lebenden Kirchhainer Ehrenbürgern Willibald Preis und Heinrich Röder nicht zuzumuten, neben den Genannten auf der historischen Ehrenbürgerliste zu stehen, sagte Olaf Hausmann. Rechtsgrundlage für die Aberkennung ist ein Passus aus der Kirchhainer Hauptsatzung. Darin heißt es: „Die Stadt kann die von ihr verliehenen Ehrungen wegen unwürdigen Verhaltens entziehen.“ Uwe Pöppler (CDU) unterstrich den symbolischen Charakter der Handlung. Tatsächlich habe der Marburger Landrat am 20. Juli 1945 Uhr sämtliche Ehrenbürgerschaften Hitlers im Landkreis gelöscht. Reiner Nau (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzte, dass dies damals in allen amerikanisch, britisch und französisch besetzten Zonen passiert sei.

Reinhard Heck (Die Linke) stellte in diesem Zusammenhang zum zweiten Mal den Antrag, die Kirchhainer Hindenburgstraße umzubenennen. Die Straße solle nicht länger nach einem Feldherren heißen. Er schlug stattdessen mit Adolf Kolping einen Helfer der Menschheit als Namensgeber vor. Reinhard Heck hatte diesen Antrag bereits vor drei Jahren gestellt. Das Parlament lehnte sein Ansinnen damals ab.

Zeitgemäßes Geschichtsbild

Diese Entscheidung könne nicht ohne die Mitsprache der glücklicherweise nur wenigen Anwohner getroffen werden, legte sich Reiner Nau fest. Olaf Hausmann berichtete von seinem Gespräch mit dem einzigen an der Straße ansässigen Geschäftsmann. Dieser habe kein Problem mit dem jetzigen Namen und bitte für den Fall einer Namensänderung darum, der Straße ihren alten Namen Brückenstraße wiederzugeben.

Uwe Pöppler sprach über das zeitgemäße Geschichtsbild. „Zwei Parlamente haben mit großer Mehrheit beschlossen, dass der Straßenname bleiben soll. Er ist ein Kainsmal in der Geschichte der Stadt Kirchhain. Dem sollten wir uns stellen. Es hilft uns nicht, das Kainsmal aus dem Stadtbild zu streichen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende und regte an, den Straßenschildern erklärende Schilder zur Person Hindenburg hinzuzufügen.

Die SPD-Stadtverordnete Barbara Hesse pflichtete Uwe Pöppler bei. In Wien gebe es noch immer eine Vielzahl historisch belasteter Straßennamen. Statt sie zu tilgen, sei man übereingekommen, Tafeln mit von Historikern geschriebenen erklärenden Texten an den Straßenschildern zu den nach ihnen benannten Personen und Ereignissen anzubringen. Sie sei für diesen erklärenden Umgang mit belasteter Geschichte, sagte Barbara Hesse.

Mit vier Nein-Stimmen wurde der Antrag bei vier Enthaltungen der SPD-Stadtverordneten abgelehnt.

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg wurde 1925 während der Krisenzeiten der Weimarer Republik als bislang einziges deutsches Staatsoberhaupt direkt vom Volk zum Reichspräsidenten gewählt. 1933 ernannte der inzwischen 85-Jährige Adolf Hitler zum Reichskanzler und leistete damit einen gewichtigen Beitrag zur Machtergreifung der Nazis. Die eigentliche Machtbasis Hitlers schufen die Reichstagsfraktionen von Zentrum, Bayerischer Volkspartei (BVP) und Deutscher Staatspartei, die gemeinsam mit den Koalitionären von NSDAP und DNVP für die Ermächtigungsgesetze und damit für das Ende des demokratischen Parlamentarismus stimmten. Von Hindenburg starb 1934. Seine letzte Ruhestätte fanden er und seine Frau in der Nordturmkapelle der Marburger Elisabethkirche.

von Matthias Mayer

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