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"Hilfsbereitschaft ist überwältigend"

Typisierung II "Hilfsbereitschaft ist überwältigend"

Das Schicksal des an Leukämie erkrankten Rüdiger Edinger löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus: Zur Typisierungsaktion kamen rund 300 potenzielle Stammzellenspender in die Mehrzweckhalle.

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Ein kleiner Pieks muss sein: Waltraud Edinger (rechts), die Ehefrau des Erkrankten, nimmt Janine Böttner bei der Typisierungsaktion Blut ab.Fotos: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. „Als ich von der Aktion gehört habe, wusste ich gleich, dass ich mitmache - selbst wenn ich dafür mehr als zwanzig Kilometer fahren muss“, erzählt Janine Böttner aus Homberg. Die Bekanntschaft mit der Familie des Erkrankten war für die 21-Jährige der entscheidende Grund, sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen.

Viel Zeit muss die junge Frau für die Registrierung nicht aufwenden, denn der Ablauf funktioniert reibungslos: Von der ersten Datenerfassung dauert es keine fünf Minuten, bis sie den vorläufigen Spendenausweis und eine Anstecknadel der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die sie als Spender ausweist, in der Hand hält.

Zunächst muss sie ihren Personalausweis vorzeigen, ein Datenblatt ausfüllen, Fragen über Vorerkrankungen beantworten und Gewicht und Größe angeben. Helfer händigen ihr das für die Blutabnahme mit einem Strichcode versehene Glasröhrchen aus. Nach einer kurzen Überprüfung der Daten kann Janine Böttner direkt an einem der fünf Tische Platz nehmen, die für die Blutabnahme vorgesehen sind.

Nach wenigen Sekunden ist das Röhrchen vollgelaufen und die Blutabnahme beendet. Waltraud Edinger, die Ehefrau des Erkrankten, ist Arzthelferin und eine von zehn Helfern, die für die Blutabnahme zuständig sind. „Vielen Dank, auch im Namen meines Mannes“, sagt sie zum Abschied.

„Das hat kaum fünf Minuten gedauert. So viel Zeit sollte sich jeder nehmen, um ein Menschenleben zu retten“, sagt Janine Böttner. Da sie jetzt registriert ist, kann sie nicht nur Rüdiger Edinger sondern auch anderen Menschen helfen - falls die Gewebemerkmale in acht von zehn Punkten übereinstimmen.

Bei dem Neustädter wurde kurz vor Ostern Leukämie diagnostiziert und die Möglichkeit besteht, dass nur eine Stammzellen-Transplantation dem in der Region beliebten pensionierten Bundeswehrsoldaten hilft. Um einen passenden Spender zu finden, stellten seine Arbeitskollegin Daniella Csertöi und seine Tochter Ruth Ebert in Zusammenarbeit mit der DKMS innerhalb kürzester Zeit die Typisierungsaktion auf die Beine.

„Viele Freunde meines Vaters waren erschüttert, weil sie sich aufgrund ihres Alters kein Blut spenden konnten“, berichtet Ruth Ebert. Sie hätten dann Hilfe geleistet, indem sie einen Geldbetrag spendeten. „Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend“, freut sie sich.

An Typisierungswilligen herrscht kein Mangel: Mehr als 70 Personen lassen sich innerhalb der ersten Stunde registrieren. „Das ist ein Super-Erfolg, gerade wenn man bedenkt, wie kurz die Vorbereitungszeit war und sich erst kürzlich viele potenzielle Spender in der Nachbargemeinde haben aufnehmen lassen“, bestätigt Bianka Wirtz von der DKMS.

Am Ende der Veranstaltung steht fest: Insgesamt wurden 296 Personen als potenzielle Spender in die Datei aufgenommen und 7530 Euro wurden gespendet. Geld, das der DKMS bei der Finanzierung der Typisierung hilft, denn jede Typisierung kostet die DKMS 50 Euro.

Hinzu kommt eine Spende von 2000 Euro von der Stadtallendorfer Firma Hoppe AG. Eine Spende in Höhe von 3300 Euro überreichte die Heinz-Volland-Stiftung des Deutschen Bundeswehrverbandes (siehe unten) an die Familie des Erkrankten.

Viel mehr Helfer, als die zunächst eingeplanten 40, waren am Samstag im Einsatz: Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, Mitglieder der neuapostolischen Kirche und Vertreter der Praxis Küllmer aus Kirchhain unterstützten die Aktion. Eine Hüpfburg und Kinderschminken sorgte für Unterhaltung bei den Jüngeren, während die Eltern ihre Spende abgaben. Lokale Betriebe spendeten Kuchen, Würstchen, Milch und Getränke. Eine Tombola überraschte mit über 300 gespendeten Preisen.

von Karin Waldhüter

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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