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Hilfe für Stadtkirche kommt in Etappen

Sanierung Hilfe für Stadtkirche kommt in Etappen

Die dringend erforderliche Sanierung der evangelischen Stadtkirche ist den Rauschenberger Bürgern etwas wert. Es gibt Benefizveranstaltungen und Spendenaktionen für den Erhalt des Gotteshauses. Getan hat sich aber noch nichts.

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Die evangelische Stadtkirche krönt als Wahrzeichen die bunte Altstadt Rauschenbergs. Die Krone hat in den vergangenen Jahrzehnten reichlich Patina angesetzt.

Quelle: Archivfoto: Matthias Mayer

Rauschenberg. 2012 hat sich sogar ein eigener Förderverein gegründet, der eine sehr engagierte Spenden-Akquisebetreibt. Dessen Vorsitzender Reinhold Gamb ist über den Stillstand nicht glücklich. „Unsere Mitglieder und die Spender warten darauf, dass sich etwas tut. Das Spendenaufkommen ist deshalb zuletzt zurückgegangen“, sagte Reinhold Gamb dieser Zeitung. Er bekannte, dass es ihm inzwischen schwerfalle, beim jährlichen Suppenfest des Fördervereins die Besucher um Spenden zu bitten mit der Ankündigung, dass es jetzt nun wohl losgehe.

Förderverein wird Spendengelder noch nicht los

Und noch ein weiteres Problem drückt den Vorsitzenden: „Uns sitzt das Finanzamt im Nacken. Wenn wir die 35000-Euro-Marke erreichen, werden wir umsatzsteuerpflichtig.“ Das droht allen gemeinnützigen Fördervereinen, die keine Sparvereine sein sollen und wollen, sondern ihr Vermögen für zweckgebundene Ausgaben zur Verfügung stellen.

Die dringend erforderliche Sanierung der evangelischen Stadtkirche ist den Rauschenberger Bürgern etwas wert. Es gibt Benefizveranstaltungen und Spendenaktionen für den Erhalt des Gotteshauses. Getan hat sich aber noch nichts.

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Nach Gambs Schilderung sind es zwei Punkte, die den Förderverein bisher um die Chance gebracht haben, sein Geld oder zumindest einen Teil seines Vermögens loszuwerden: Die Geldnot der Landeskirche und eine noch offene Entscheidung.

Beauftragter kommt mit Chauffeur, aber ohne Geld

Der Kirchenbaubeauftragte der Landeskirche sei zum Ortstermin in Rauschenberg im Audi A8 mit Chauffeur vorgefahren, um zu verkünden, dass es vorerst kein Geld für die Stadtkirche gebe. Das habe er als unpassend empfunden, sagte Reinhold Gamb und gab gegenüber der OP seiner leisen Hoffnung Ausdruck, dass es sich bei der Limousine um das Dienstfahrzeug des Bischofs gehandelt haben könnte. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung haben die Kirchen in Deutschland 2014 mit gut elf Milliarden Euro Kirchensteuer trotz sinkender Mitgliederzahlen eine neue Rekordeinnahme verbucht.

Das Finanzierungsmodell der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck für den Erhalt der Kirchen ruht auf zwei Säulen. Aus einem Verfügungsfonds können die Kirchenkreise bis zu 60000 Euro für Notreparaturen ausgeben. Darüber hinausgehende Investitionen müssen vom Landeskirchenamt in Kassel bewilligt werden.

Nach Reinhold Gambs Kenntnis ist der Kirchenkreis Kirchhain bereit, 54000 Euro für die Sanierung einer besonders stark beschädigten Ecke an der Nordseite der Kirche bereitzustellen. Der Förderverein würde mit seinem Geld gern eine Erweiterung der Notreparatur finanzieren. Dazu fehle allerdings noch ein Grundsatzbeschluss des Kirchenvorstands. Für die Sanierung der Kirchen-Außenhaut gebe es nämlich zwei Optionen. Gamb nannte eine grundhafte Erneuerung des Außenputzes, die die nachhaltigere Lösung sei und um die 60 Jahre halten werde. Die zweite Option beschränke sich auf eine einfachere Putz-Sanierung und einen neuen Außenanstrich. Diese Sanierungsart halte etwa 20 Jahre, sagte Reinhold Gamb. Die Planungshoheit für das Projekt liege beim Kirchenvorstand. Dieser müsse sich für eine der Optionen entscheiden. Das Gremium beabsichtige zudem, die Gemeinde in einer noch einzuberufenden Versammlung über das Ergebnis seiner Beratungen zu unterrichten.

Kirchenvorstand informiert die Gemeinde

Die Einladung zu der Gemeindeversammlung durch den Kirchenvorstand werde alsbald erfolgen, versicherte Rauschenbergs Pfarrerin Kathrin Wittich auf Anfrage der OP. Der Kirchenvorstand habe sich für eine Sanierungsvariante entschieden, die während der Gemeindeversammlung vorgestellt werde, sagte die Pfarrerin, die kraft ihres Amtes dem Kirchenvorstand angehört.

Kathrin Wittich bedauerte gegenüber der OP die Verzögerungen beim Sanierungsstart, der ursprünglich für 2014 vorgesehen gewesen sei. Für die Verzögerung machte sie Personalwechsel im Rauschenberger Pfarrhaus und an der verantwortlichen Stelle im Landeskirchenamt verantwortlich.

Sie kündigte an, dass die Außensanierung der Kirche nicht in einem Zug verwirklicht werden könne, sondern auf zwei bis drei Bauabschnitte verteilt werde. Damit ist klar, dass die Stadtkirche nicht zum Rauschenberger Stadtjubiläum 2016 in neuem Glanz erstrahlen wird.

Rote Übermalung muss weichen

Die letzte Außensanierung der Stadtkirche liegt mehr als 50 Jahre zurück. Wie sich Reinhold Gamb erinnert, erhielt die Kirche zwischen 1962 und 1964 im Vorfeld der 700-Jahr-Feier Rauschenbergs ihr heutiges Aussehen mit der roten Übermalung der Außensäulen und der Buntsandstein-Fassung der gotischen Fenster. Für Reinhold Gamb bieten die Außensäulen, die die Gotteshaus-Fassade so markant gliedern, für eine etappenweise Sanierung einen großen Vorteil. Die unterschiedlichen Farbnuancen, die zeitlich versetzte Fassadenarbeiten mit sich brächten, seien nicht zu erkennen, wenn jeweils eine Fläche zwischen zwei Säulen am Stück restauriert würde.

Dass soll wohl auch so geschehen. Kathrin Wittich erklärte, dass die Sanierung etagenübergreifend erfolgen solle - beginnend noch in diesem Jahr mit der großen Schadstelle an der Nordseite der Kirche. Die rote Übermalung am Sockel, an den Säulen und an den Fenstern werde entfernt, der Buntsandstein wieder freigelegt, verriet die Pfarrerin ein Detail der Restaurierungsarbeit. Heute wisse man, dass Farbaufträge dem Buntsandstein schadeten. Wann der zweite und der dritte Bauabschnitt folgen werden, wusste die Pfarrerin nicht zu sagen. Auch einen Termin für die Innensanierung nannte sie noch nicht.

Im Inneren der Stadtkirche finden sich zumindest für das laienhafte Auge keine erkennbaren strukturellen Schäden. Allerdings sind Wände und die Gewölbedecke vergraut, was die wunderschöne Kirche in einem düsteren Licht erscheinen lässt.

Und noch ein weiteres Sorgenkind findet sich im Inneren der Kirche. Die Orgel muss saniert werden. Die hohe Luftfeuchtigkeit in der Kirche und die schwankenden Temperaturen haben der Königin der Instrumente erheblich zugesetzt. Die Restaurierung einer Orgel in dieser Größenordnung verschlingt in der Regel eine sechsstellige Summe.

Es bleibt also noch viel zu tun für den Förderverein, der am 21. März 2012 von 29 Bürgern gegründet wurde und heute 44 Mitglieder zählt.

Wer sich für die Arbeit des Fördervereins interessiert oder diesen unterstützen möchte, findet hier ausführliche Informationen über Vereinszweck und Aktivitäten. Zudem gibt es auf dieser Seite alles Wissenswerte über die evangelische Kirche in Rauschenberg und Ernsthausen und natürlich auch über die drei Kirchen, die die Gemeinde in der Kernstadt und in Ernsthausen unterhält. Die Stadtkirche kann sonntags von 11.30 bis 18 Uhr besichtigt werden. Besucher können sich außerhalb der regelmäßigen Öffnungszeit im Pfarramt oder der Kita Mäuseburg den Kirchenschlüssel holen.

von Matthias Mayer

Stichwort: Stadtkirche

Selbst konfessionslose Rauschenberger spenden für den Erhalt der Stadtkirche, weil diese für sie „ein Stück Heimat ist“, wie Reinhold Gamb berichtet. Zugleich ist der zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert entstandene imposante Bau auch ein für die ganze Region wichtiges Kulturdenkmal. Der wehrhafte Westturm, der der Sicherung des benachbarten Stadttors  diente, trägt eine markante verschieferte Glockenstube mit Haube und vier Wichhäuschen. Das zweischiffige Langhaus ist spätromanisch, stammt aus dem 13. Jahrhundert, erhielt später neue Pfeiler und gotische Fenster. Der gotische Chor wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Die bedeutendsten Kunstwerke stammen aus dem 15. Jahrhundert: die Wandmalereien am Chorbogen und ein Flügelaltar, dessen Mittelteil fehlt.

Quelle: Dehio

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