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Hilfe für Helfer, Hilfe in Extremsituation

Beratungsangebote Hilfe für Helfer, Hilfe in Extremsituation

Unter den rund 220 Flüchtlingen, die in Wohnungen in Stadtallendorf leben, befinden sich auch schwangere Frauen und Familien mit Kleinstkindern. Die Beratungsstelle Lok will sie unterstützen.

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Das Archivfoto zeigt ehrenamtliche Helfer bei der Kleidersortierung im September im Jugendzentrum. An Helfer richtet sich eines der Angebote der Lok. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Ein Förderprogramm macht es möglich, dass die Beratungsstelle Lok in Stadtallendorf noch in diesem Jahr zwei neue Angebote schaffen kann: ein „Schwangeren- und Mütter-Café und ein begleitendes Angebot für Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Möglich wird dies dank der Förderung „misch mit! Miteinander Vielfalt erleben“.

Zunächst sind in diesem Jahr bei beiden Angeboten noch zwei Termine vorgesehen. Beides richtet sich, wie die Arbeit der Beratungsstelle generell, an Menschen im gesamten Ostkreis. Für beide Themenfelder hat die Lok seit Jahren Kompetenz bewiesen. Jetzt will Maria Madert von der Sexual- und Schwangerenberatungsstelle bei Flüchtlingen mit der „Arbeit beginnen, die wir ohnehin machen“, wie sie formuliert. „Wir wollen Türen öffnen und Räume schaffen“, verdeutlicht Maria Madert. Aus Gesprächen mit Sozialarbeitern weiß die Lok, dass auch in Stadtallendorf schwangere Flüchtlinge wie auch Mütter mit Kleinstkindern leben. Sie sollen aus ihren Wohnungen und Quartieren herausgeholt werden und in den Cafés möglichst auch mit deutschen Müttern und Schwangeren in Kontakt kommen.

Herausholen aus der Isolation

An den beiden Terminen werden zum Beispiel auch Hebammen teilnehmen. Hebammen aus Stadtallendorf waren es auch, die den ersten Anstoß für dieses neue Angebot gaben. Auch im Zeltcamp leben derzeit acht schwangere Frauen mit ihren Familien. „Schwangere Frauen sind erst auf der Flucht und dann in der Fremde in einer Extremsituation“, sagt Madert. Inzwischen hat die Lok ihr neues Angebot über Handzettel in mehreren Sprachen und über die Sozialarbeiter im Ostkreis verteilen lassen. Jetzt hofft Madert, auch möglichst viele deutsche Frauen zu erreichen.

n Das Angebot für Ehrenamtliche ist eine „Einladung zur Atempause“. Wie viele Menschen im Ostkreis nach Feierabend in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, ist nicht bekannt. Allein in Kirchhain sind es beispielsweise mehr als 50, die über den Arbeitskreis Flüchtlingshilfe organisiert sind. „Es ist toll, wie viele sich in ganz unterschiedlichen Bereichen einbringen“, unterstreicht Raisa Kunstleben von der psychosozialen Beratungsstelle. Ehrenamtliche gerieten in der Flüchtlingshilfe aber auch an Grenzen, mitunter, ohne es selbst zu bemerken. Die geplanten Treffen beginnen zunächst als offener Gedankenaustausch ohne feste Themen. Aber sie widmen sich auch der Frage, wie sich diese Grenzen erfahrbar machen lassen und verhindert wird, dass Helfer sie in ihrem Eifer überschreiten. „Wie verhindere ich, dass ich nicht auch mein Päckchen abbekomme“, formuliert es Kunstleben als Frage.

Aber es geht auch um Wissensvermittlung, besonders zum Umgang mit Flüchtlingen, die ein Trauma erlitten haben. Die Beratungsstelle betreut inzwischen mehrere Flüchtlinge, bei denen das der Fall ist. „Es geht um Menschen, die in ihrem Heimatland schlimme Erlebnisse hatten, um Menschen, die 18 Stunden in einem Schlauchboot saßen“, nennt Kunstleben Beispiele. In der Regel vermittelt die Lok diesen Menschen Traumatherapeuten, wovon es im Landkreis aber auch nicht allzu viele gibt. Den Helfern sollen die Zusammenkünfte auch ein Gemeinschaftserlebnis vermitteln, sie sollen über ihre eigene Umgebung hinausgehende Kontakte bekommen. Zunächst ist alles, was die Lok plant, auf dieses Jahr beschränkt. Aber das Team will in jedem Falle weitermachen, hofft jetzt auf weitere Förderungen im nächsten Jahr.

Wer den Verein Lok bei seiner Arbeit unterstützen möchte, kann auch spenden. Weitere Informationen im Internet unter www.lok-stadtallendorf.de.

TERMINE:

Das Schwangeren- und Mütter-Café findet am Mittwoch, 25. November, von 9.30 Uhr und am Mittwoch, 16. Dezember von 14.30 bis 16 Uhr in den Räumen der Lok im Teichwiesenweg 1 statt.

Die Treffen von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe sind am Montag, 23. November, von 13 bis 15 Uhr und am Donnerstag, 17. Dezember, von 9 bis 12 Uhr geplant.

Kontakt: Weitere Informationen bei der Lok, Telefon 06428/1035, E-Mail beratung @lok-stadtallendorf.de

von Michael Rinde

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