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"Heute geht es friedlicher zu"

Prävention "Heute geht es friedlicher zu"

"Ich wusste, dass mir nichts passiert, etwas Angst hatte ich trotzdem", sagt Siebtklässlerin Berfin, nachdem der "böse Dieter" sich ihr provozierend in den Weg gestellt hat.

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Warum könnte man einem Opfer nicht helfen? Lea (von links), Robin und Darian schreiben Gründe auf.

Quelle: Karin Waldhüter

Kirchhain. In Rollenspielen lernen die Schüler der Alfred-Wegener-Schule, wie sie sich in solchen Situationen richtig verhalten. „Und du, hast du ein Problem?“, die Stimme von Oberkommissar Thomas Bartel von der Polizeistation Stadtallendorf ist laut und die Worte sind genauso provozierend, wie seine Körpersprache.

Der Polizist ist in die Rolle des „bösen Dieter“ geschlüpft und die Schüler gehen nacheinander an ihm vorbei. „Nicht angucken, nicht in das Magnetfeld des anderen geraten, nicht ansprechen und möglichst schnell aus der Situation herauskommen“, erklärt Schüler Christian, wie man sich in einer solch bedrohlichen ­Situation richtig verhält.

Vor neun Jahren startete an der Alfred-Wegener-Schule das Gewaltpräventionsprogramm PiT der Hessischen Landesregierung. Das Programm ist opferkonzentriert und will Kindern beibringen, Gewaltsituationen früher zu erkennen, erst gar nicht hinein zu geraten und zeigen, wie man in Konfliktsituationen verschiedene gewaltfreie Ausstiegsmöglichkeiten umsetzen kann. Aufgeteilt in verschiedene Gruppen absolvieren 120 Schüler des gymnasialen Zweigs und der Mittelstufe das Programm. Im Gemeindehaus neben der Stadtkirche trifft sich eine der Gruppen.

Erfahrenes Team gestaltet Programm

Von 11 Uhr bis 16.30 Uhr steht auch das Thema „Helferverhalten“ auf dem Programm. Die Aufgabe: Die Schüler sollen acht gute Gründe aufschreiben, warum Menschen einem Unfallopfer nicht geholfen haben könnten. „Keinen Bock“. „Ein anderer könnte ja helfen“. „Man könnte denken, es wäre ein Betrüger“ und „Frau ist schwanger“, schreiben die Jugendlichen im Alter von 13 bis 15 Jahre auf.

Gestaltet wird das Gewaltpräventionsprogramm von einem erfahrenen Team, das von den beiden Lehrern Katharina Denig und Gerd Huntemann, Oberkommissar Thomas Bartel und von Marco Hinz vom Kirchenkreis Kirchhain gebildet wird.

Katharina Denig ist wie Gerd Huntemann von Anfang an dabei und gab den Impuls zur Teilnahme an dem Projekt. Damals habe es Drogenprobleme an der Schule gegeben. Zudem seien vermehrt Konflikte zwischen rechten Jugendlichen und ausländischen Schülern aufgetreten, erinnert sich Denig. „Heute geht es friedlicher zu an der Schule“, sagt Denig. Mit der Teilnahme an dem Programm habe sich auch der Umgangston an der Schule verändert. Sich in die Opferrolle hineinzufinden, sei sehr realistisch.

Auf einen wichtigen Synergieeffekt weist Gerd Huntemann hin. „Die Angst gegenüber der Polizei wird abgebaut“, betont er. Er treffe viele Jugendliche später bei Veranstaltungen wieder und werde von diesen auch angesprochen, bestätigt Bartel. „PiT hat sich entwickelt und wir haben das Programm auch für uns weiterentwickelt“, erläutert Bartel.

Thomas Bartel ist gerade im Dienst und steht im Notfall auf Abruf bereit. Trotz der angespannten Personalsituation ist er wieder mit dabei – was seinen Arbeitskollegen und seinem Chef geschuldet sei, wie er betont.

Die Gruppe entwickelte ein spezielles Arbeitsheft, das alle wichtigen Themen bündelt. Zudem enthält das Heft zahlreiche Notrufnummern. Das Projekt ist seit neun Jahren im Schulkonzept verankert und hat bisher knapp 1000 Schüler erreicht.

von Karin Waldhüter

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