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"Hessenhenker" will‘s erneut wissen

Bürgermeisterwahl "Hessenhenker" will‘s erneut wissen

Zum zweiten Mal geht Rainer Wiegand ins Rennen um das Amt des Bürgermeisters von Amöneburg. Vor elf Jahren war er chancenlos - ebenso wie bei seinem Versuch, Oberbürgermeister von Marburg zu werden.

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Mit 0,2 Prozent der Stimmen endete im vergangenen Jahr der Versuch Rainer Wiegands, Oberbürgermeister von Marburg zu werden. 1,65 Prozent hatte er im Jahr 2005 bei der Bürgermeisterwahl in Amöneburg im ersten Wahldurchgang erreicht.Archivfoto: Richter

Amöneburg. Nach Amtsinhaber Michael Plettenberg und dem Hatzbacher Stefan Backhaus (beide parteilos) wirft der Marburger Rainer Wiegand als Dritter seinen Hut in den Ring, um Bürgermeister von Amöneburg zu werden. Der gebürtige Mardorfer hat bereits ausreichend Stimmen für seine Kandidatur gesammelt, tritt für die Anarchistische Pogopartei (APPD) an und ist kein Unbekannter: Schon im Jahr 2005 war er bei der Wahl angetreten - damals, um Nachfolger des abgewählten Anders Arendt zu werden, mit dem er sich heutzutage auf verschiedenen Plattformen im Internet immer wieder Wortgefechte liefert. Allerdings schied er sang- und klanglos mit 1,65 Prozent der Stimmen im ersten Wahldurchgang aus. Daran erinnert er mit dem Hinweis „Ihre zweite Wahl“ auf einem seiner Wahlkampfplakat-Entwürfe: „Was aber nicht heißen soll, dass ich nur zweite Wahl bin.“

Der 59-Jährige ist eben ein selbsternannter Satiriker - was er auch schon im vergangenen Jahr betonte, als er Oberbürgermeister von Marburg werden wollte (jedoch mit lediglich 0,2 Prozent der Stimmen scheiterte). Angesprochen auf seinen Internet-Blog namens „Hessenhenker“, der vor skurrilen Ideen und Provokationen nur so strotzt, sprach er von „Kunst, die nicht jeder versteht“.

In diesen Zusammenhang passt wahrscheinlich auch der Inhalt seiner Pressemitteilung zu seiner Kandidatur. Diese eröffnet er mit dem Satz: „Mein Weihnachtsgeschenk an Erzbischof Schick: Ich als Jude trete in seinem Heimatort Amöneburg zur Bürgermeisterwahl an.“ Darin enthalten ist auch eine Anspielung auf eine viel diskutierte Äußerung des berühmtesten Mardorfers: „Ich nehme den Erzbischof beim Wort und baue darauf, dass Erzbischof Schick meine Wahl zum Bürgermeister genauso für denkbar hält wie die Wahl eines Moslems zum Bundespräsidenten.“ Als Provokation oder Seitenhieb will Wiegand - ebenfalls ein Mardorfer - diese Worte aber nicht interpretiert wissen: „Ich will ihm eine Chance geben, seine Weltoffenheit zu zeigen.“

Die „Hessenhenker“-Seite will Wiegand jedenfalls auch für seinen Wahlkampf nutzen. Dies sei Resultat der Kritik, die er während der Marburger Oberbürgermeisterwahl für seinen Blog erhalten habe. Damals hatte er als ein Ziel seiner Kandidatur ausgegeben, seiner thailändischen Verlobten die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. Dazu will er sich diesmal nicht äußern.

Wiegands Ziel: Amtieren, „bis ich tot umfalle“

Stattdessen gibt er als Ziel aus, so lange als Bürgermeister von Amöneburg zu wirken, „bis ich tot umfalle“: Hintergrund sei, dass die Amöneburger sich über die Renten der abgewählten Bürgermeister ärgerten. Dies solle dann bei ihm nicht der Fall sein.

Die knappgehaltene Pressemitteilung zur Kandidatur schließt der Asien-Fan und Fantasybuchschreiber mit den Worten: „Eine feste Burg sei unser Amöneburg! Auch wenn in Mardorf schon mal die Krippe brennt.“ Mit diesem finalen Satz dürfte Wiegand auf einen rund 20 Jahre zurückliegenden Schicksalsschlag anspielen: Damals zündete eine Frau sein Haus in Mardorf an, die Folgen trieben ihn nach eigenen Angaben fast in den finanziellen Ruin. Auch sein Seelenleben habe der Brand verändert, hatte er im OP-Gespräch im Jahr 2015 angegeben.

von Florian Lerchbacher

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