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Hessen-Kaserne bleibt unentbehrlich

Zukunft des Stadtallendorfer Bundeswehr-Areals Hessen-Kaserne bleibt unentbehrlich

Seit wenigen Wochen ist die Erstaufnahmeeinrichtung in einem Teil der Hessen-Kaserne leer. Sie hat „Reserve-Status“. Dadurch ändert sich für die Bundeswehr bei der Kasernennutzung erst ­einmal nichts.

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Die Zimmer in diesem für Flüchtlinge modernisierten Unterkunftsgebäude stehen mittlerweile wieder leer.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Mitte September hatten die letzten Flüchtlinge die „Außenstelle Stadtallendorf der Erstaufnahmeeinrichtung“ verlassen (diese Zeitung berichtete). Seitdem sind die Gebäude „passiv gestellt“, sprich, das Land hält die Einrichtung in Reserve. Wie lange dieser „Reserve-Status“ erhalten bleibt und wann es eine Entscheidung des Landes darüber gibt, ist derzeit nicht absehbar.

Formell muss die Erstaufnahmeeinrichtung Stadtallendorf innerhalb von 24 Stunden wieder verfügbar sein. Seit Umbau der früheren Unterkunftsgebäude zu Sozial- und Wohnräumen waren Bundeswehr und Erstaufnahme seit Ende 2015 Nachbarn in der früheren Kaserne. Sinnbild dafür ist die zweigeteilte Zufahrt am früheren Kasernentor. Nach wie vor nutzen Soldaten der Division Schnelle Kräfte (DSK) drei Unterkunftsgebäude in der Hessen-Kaserne, außerdem existiert dort nach wie vor die zahnärztliche Station für den Standort Stadtallendorf. Dadurch, dass die Erstaufnahme bis auf weiteres innerhalb eines Tages wieder einsatzbereit sein müsse, ändere sich an der Gesamtsituation nichts, erklärte die Division auf Anfrage der OP. Das hat beispielsweise auch zur Folge, dass die Bundeswehr ihr großes Heizwerk weiterhin in Betriebsbereitschaft zu halten hatte. Das Heizwerk sollte eigentlich längst endgültig abgeschaltet sein.

Pläne des Vertiedigungsministeriums sehen Schließung ab 2018 vor

Doch durch die Entwicklung im Herbst vor einem Jahr änderten sich alle Pläne, das Heizwerk durch Heizcontainer für die  wenigen ursprünglich noch genutzten Gebäude zu ersetzen. Eigentlich sieht das Stationierungskonzept des Verteidigungsministeriums vor, dass die Hessen-Kaserne im Laufe des Jahres 2018 endgültig dichtgemacht werden sollte.

Voraussetzung dafür war aber immer, dass bis dahin alle Bauprojekte in der Herrenwaldkaserne auch abgeschlossen sind.

Und das wird nach jetzigem Stand wohl nicht geschafft, wie die Pressestelle der DSK auf Nachfrage mitteilte. „Die Infrastrukturmaßnahmen werden absehbar nicht im Jahr 2018 abgeschlossen sein“, heißt es von dort. Konkret geht es dabei um die Sanierung von weiteren Unterkünften, aber auch um den Umbau eines Gebäudes für die Leitstelle der Bundeswehr-Rettungsflieger (SAR), die nach Stadtallendorf verlegt wird. Außerdem steht auch noch der Gebäudeumbau oder Neubau der zahnärztlichen Station aus. Sprich: Die Hessen-Kaserne bekommt ein weiteres Mal wohl eine „Gnadenfrist“.

Wäre es für die Division nicht denkbar, die modernisierten Unterkünfte der Erstaufnahme mittelfristig zu nutzen? Schließlich hat das Land, so die zuletzt bekanntgewordene Zahl, vor nicht einmal einem Jahr etwa fünf Millionen Euro in die Gebäude gesteckt. Die Division verweist darauf, dass das im Augenblick nicht zur Debatte stehen kann. Es gebe keine Änderungen beim Stationierungskonzept und auch keine endgültige Schließung der Erstaufnahme. Aber eine Hintertür bleibt zumindest geöffnet. „Die Nutzung sanierter Infrastrukturen ist lukrativ, sofern sie zur Verfügung steht“, heißt es gegenüber der OP.

Erstaufnahme brachte mehr Geld für Stadt

In jedem Falle hat Stadtallendorf, obwohl eine der Geber-Kommunen, beim Kommunalen Finanzausgleich wie auch beim Kommunalen Investitionsprogramm des Landes (KIP) während der kurzen Lebensdauer der Erstaufnahmeeinrichtung profitiert. Zwar zahlt die Stadt als Geber-Kommune in diesem Jahr 2,5 Millionen Euro Solidaritätsumlage. Auf der anderen Seite gab es aber auch Sonderkontingente aus dem KIP für Städte mit Erstaufnahmeeinrichtung. Im Falle Stadtallendorfs waren dies nach Aussage des Pressesprechers des hessischen Finanzministeriums 576 065 Euro.
Allerdings handelt es sich beim KIP des Landes nicht um Zuschüsse, sondern Darlehen zu Sonderkonditionen. Insgesamt hatte die Stadt Stadtallendorf über das Programm KIP Gelder von 1,2 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung. Das Geld ist vollständig verplant.

von Michael Rinde

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