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Hermann, das Schaf, erobert die Herzen

Facebookstar Hermann, das Schaf, erobert die Herzen

Fast wäre er gestorben. Nur durch eine Blut­plasma-Transfusion, viel Liebe, Pflege und Zu­neigung konnte sich der kleine Hermann zu einem Prachtkerl entwickeln.

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Sprunggewaltiger Hermann: Vielleicht ist ja ein echtes Springpferd an dem kleinen Schaf verloren gegangen.

Quelle: Nadine Weigel

Großseelheim. Er sieht aus wie ein Kuscheltier: Weiße, weiche Wolle, schwarze Ohren, schwarzes Näschen und schwarze Beine. Doch er sieht nicht nur zum Knuddeln aus, sondern ist es auch. „Na, wo ist das Schaf?“, ruft Birgit Lemmer, und das süße, kleine Lamm kommt freudig auf sie zugehopst und schmiegt sich in ihre Hände.

Hermann lebt in Großseelheim. Nach einem schwierigen Start ins Leben, genießt das Waliser Schwarznasenschaf nun sein Dasein auf dem Pferdehof der Familie Lemmer. Hermann hat sogar eine eigene Facebookseite.

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Kein Wunder, waren es doch Birgit Lemmers Hände, die den kleinen Hermann gerettet haben. In einer kalten November­nacht hörte die 35-Jährige markerschütternde Schreie von der Schafweide. „Als ich dort ankam, habe ich Hermann auf dem Boden gefunden.“ Das Lamm war in einem kritischen Zustand. Mutter Hilde hatte keine Milch. Genau wie Vater Hans wollte Hilde ihren Nachwuchs nicht annehmen. Also nahm Birgit Lemmer das Lamm mit und päppelte es auf. „Das war gar nicht so einfach“, erinnert sich Lemmer, die mit ihren Eltern in Großseelheim einen Pferdehof betreibt.

Ein Lamm braucht nach der Geburt dringend sogenannte Biestmilch von der Mutter. Sie enthält Proteine, Enzyme und vor allem wichtige Antikörper, die das Jungtier stärken und die Immunabwehr unterstützen. „Er hat erst einmal eine Infusion bekommen. Dann haben wir aus etwas Blut von seinem Vater Plasma machen lassen und ihm das gespritzt. So hat er dann die Abwehrstoffe von der Herde hier bekommen. Sonst wäre er wahrscheinlich gestorben“, berichtet Lemmer. Die ersten vier Wochen seines Leben lebte Hermann bei Lemmers im Haus. Liebevoll wurde er mit dem Fläschchen aufgepäppelt. „Das war am Anfang ganz schön anstrengend, er musste ja auch nachts alle zwei Stunden gefüttert werden“, erinnert sich die Western­reiterin, die bei der Lamm-Versorgung tatkräftig von Mutter Gerda unterstützt wurde.

Willkommene Abwechslung zu den schlechten Nachrichten

Mittlerweile geht es Hermann prächtig. Nur noch beim Mittagessen darf er sich in der guten Stube etwas aufwärmen. Ansonsten sorgt er auf dem Pferdehof für mächtig Wirbel. Weder der Hofhund noch die zahlreichen Ponys fürchtet der wollige Draufgänger. Ganz im Gegenteil. Hermann folgt Birgit wie ein Hündchen.

Und auch beim Trail-Training der Pferdeausbilderin macht er fleißig mit und springt über Stangen in der Reithalle. Logisch, dass er auf dem Pferdehof der absolute Star ist. Die kleinen Reitschülerinnen liegen dem Schaf zu Füßen.
Selbst im Internet erobert Hermann nun die Herzen im Sturm. Vielleicht liegt es an den un­ruhigen Zeiten. Flüchtlingskrise,
rechte Gewalt, Angst, Hass und Hetze beherrschen derzeit die sozialen Netzwerke und die Meldungen der Medienwelt. Da kommt der kleine Hermann, das Schaf, gerade recht.

Fans bekommen Fotos von ihrem Helden

Die Facebookseite des Schwarz­nasenschafes aus dem Schweizer Wallis – eine in Deutschland recht seltene Rasse – ist erst wenige Wochen online. Trotzdem hat Hermann schon fast 500 Freunde. „Es haben mich viele gefragt, ob ich das nicht machen könnte, und dann hab’ ich’s eben aus Spaß gepostet“, sagt Birgit.  Regelmäßig versorgt die menschliche Adoptivmutter nun Hermanns Fans mit Fotos und Videos ihres goldigen Zöglings. Damit sorgt sie für wahre Begeisterungsstürme und digitale Verzückung. Irgendwann soll Hermann dann zu den anderen Schafen „ausgewildert“ werden. Aber bis dahin wird der Kleine sicher noch für viel Freude sorgen. Online wie offline.

von Nadine Weigel

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