Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Heiland ist der inoffizielle Kalligraph der Stadt

Auszeichnung Heiland ist der inoffizielle Kalligraph der Stadt

41 Jahre ist es her, dass Norbert Heiland die Urkunde für Amöneburgs letzten Ehrenbürger gestaltete. Nun wird wieder einem Bischof mit dem Namen Schick diese Ehre zuteil - und Heiland greift wieder zur Feder.

Voriger Artikel
Distanz zu einigen "faulen Äpfeln"
Nächster Artikel
Tassen gibt‘s, den Markt nicht

„Viele Stunden“ investierte Norbert Heiland in die Gestaltung der Ehrenbürger-Urkunde für Ludwig Schick.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Prof. Dr. Ludwig Schick ist in seiner Heimat äußerst beliebt. Immer wieder kehrt Bambergs Erzbischof nach Mardorf - beziehungsweise in die Großgemeinde Amöneburg - zurück. Am Montag, 7. Dezember, steht sein nächster Besuch an: Dann ernennt ihn die Stadt in handverlesener Runde zum Ehrenbürger.

Passend zu dieser besonderen Ehre muss natürlich auch die dazugehörige Urkunde eine ganz besondere sein - und da kommt Norbert Heiland ins Spiel. Erneut. Denn vor 41 Jahren war es ebenfalls der gelernte Buchbinder, der für die Ehrenbürgerernennung die Urkunde gestaltete. Damals ebenfalls für einen Bischof mit dem Namen Schick: den Fuldaer Bischof Eduard Schick.

Von 1956 bis 1959 hat er seine Lehre absolviert

Dieser ist inzwischen verstorben. Seine letzte Ruhestätte ist die Mardorfer Kirche. Und in der Sakristei steht die erwähnte Urkunde. Eigentlich - denn derzeit liegt sie wieder bei Heiland, der sie als Vorlage nutzt. „Der Bürgermeister hatte mir ein Foto von ihr geschossen. Aber ich orientiere mich lieber am Original“, erläutert der 74-Jährige und gibt zu, sich nicht mehr „so genau“ an sein einstiges Meisterwerk zu erinnern.

Von 1956 bis 1959 hatte er seine Lehre absolviert und eher durch Zufall sein Talent für außergewöhnliche Schriftarten entdeckt. „Ich war der einzige Buchbinder in meiner Berufsschulklasse und wurde im Fachunterricht zu den Setzern und Druckern gesetzt“, erinnert er sich zurück.

Der damalige Lehrer sei Fachmann für Kalligraphie gewesen und habe sein Können an die Setzer weitergegeben: „Immer, wenn sie im Unterricht das Schreiben übten, sollte ich in einem Buchbinderfachbuch lesen. Das war mir allerdings zu langweilig, also machte ich beim Schreiben mit. Das machte Spaß und brachte mir auch mehr, als in einem Buch zu lesen“, berichtet Heiland.

Ein bisschen variieren die Buchstaben immer

Sein Interesse jedenfalls hat sich gelohnt. Handgeschriebene Urkunden sind heutzutage eine Besonderheit. Erzbischof Schick darf sich auf eine Urkunde aus handgeschöpftem Büttenpapier freuen, die in einer zweiteiligen, mit Saffian-Leder bezogenen Mappe liegt. Diese wiederum ist mit der Ehrenmedaille der Stadt und verschiedenen Ornamenten in Blattgold verziert - die natürlich ebenfalls in Handarbeit appliziert wurden. Dafür stäubte Heiland zunächst etwas Eiweißpulver auf das Leder, um dann die hauchdünne, edle Schicht mit einem heißen Stempel einzuprägen.

Mit der Urkunde würdigt die Stadt - oder, um dem Wortlaut treu zu bleiben, „die Bürgerschaft der von Bonifatius gegründeten und durch die Gebietsreform neu gegründete Stadt Amöneburg“ - laut Text die „öffentlichkeitswirksamen Verdienste eines bedeutenden Mardorfer Theologen“ sowie seine Verbundenheit zur Heimat und den Menschen.

Damit die mit drei verschiedenen Federbreiten geschriebenen Worte unterschiedlicher Größe perfekt in der Mitte der jeweiligen Zeile stehen, schrieb Heiland den Text „ins Unreine“ zunächst vor, maß ihn dann aus und passte ihn ein. „Ganz perfekt mittig ist es am Ende aber nie - der Schreibverlauf ist immer ein wenig anders, ein bisschen variieren die Buchstaben letztendlich immer“, gibt der Amöneburger zu.

Wie viel Zeit er in die Gestaltung seiner zweiten Ehrenbürger-Urkunde gesteckt hat, weiß er nicht - und will er auch gar nicht genau wissen: „Viele Stunden“, sagt der Rentner, der einen Tag in der Woche bei einem seiner alten Arbeitgeber - der Firma Görich in Marburg - tätig ist, um als Aushilfe Sonderarbeiten zu erledigen wie die Reparatur von alten Büchern oder Ledereinbänden: „Spezielle Handarbeiten werden kaum noch verlangt.“ Eben immer nur, wenn etwas ganz Besonderes ansteht.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr