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Harmloser Anlass, schlimmer Ausraster

Mann attackierte in Kirchhain eine Schülerin und einen Schüler Harmloser Anlass, schlimmer Ausraster

An Selbstbewusstsein mangelte es dem Angeklagten nicht, der sichwegen sechs Schwarzfahrten und Körperverletzung vor dem Kirchhainer Amtsgericht zuverantworten hatte.

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Kirchhain. Der 28-Jährige gab sich lässig, lümmelte sich auf der Anklagebank, sprach das unter Vorsitz von Richter Joachim Filmer tagende Gericht grundsätzlich in der zweiten Person Plural an und scheute sich nicht, eine sehr seltsame Rechtsauffassung zu offenbaren. „Ich bin schwarzgefahren. Das stimmt. Ich habe damals noch nicht eingesehen, für die Deutsche Bahn Geld auszugeben. Warum soll ich für etwas zahlen, das unpünktlich und unzuverlässig ist“, rechtfertigte sich der Angeklagte für die zwischen Juli und September 2013 begangenen Schwarzfahrten in Zügen der Deutschen Bahn.Die spielten während der Hauptverhandlung nur eine Nebenrolle. Im Kern ging es um die Körperverletzung, zu der es eine Vorgeschichte gibt. Mutter vermissteminderjährige Tochter Am 25. Oktober hatte eine Kirchhainer Mutter ihre minderjährige Tochter bei der Polizei als vermisst gemeldet. Die 17-Jährige wohnte zu der Zeit bei dem Angeklagten. In der Nacht zum 26. Oktober suchte die Polizei nach dem Mädchen. Am späten Abend hielt deshalb die Besatzung eines Streifenwagens in Kirchhain eine 17-Jährige Passantin an, die in Begleitung eines gleichaltrigen Mitschülers war. Die Beamten hielten die Schülerin irrtümlich für die Gesuchte. Diese, eine enge Freundin der Gesuchten, nannte den Beamten den Aufenthaltsort des Mädchens. Die Polizisten holten die Schülerin aus der Wohnung des Mannes, der sich als Gastgeber keiner Straftat schuldig gemacht hatte. Damit war die Sache eigentlich erledigt - nicht aber für die beiden jungen Nachtschwärmer. Die wurden auf dem Heimweg in der Nähe einer Tankstelle durch den aus einem Gebüsch springenden Angeklagten attackiert.„Ich war stinksauer auf sie, bin raus, um ihr meine Meinung zusagen“, erklärte sich der Angeklagte, der seine Meinung laut Anklagesatz drastisch formulierte: „Wenn Du noch einmal die Polizei rufst, hänge ich Dich am Laternenmast auf.“ Den Begleiter des Mädchens nahm er laut Anklage in den Schwitzkasten und stieß den Kopf den Schülers gegen einen Laternenmast. Den letztgenannten Vorwurf wies der Angeklagte zurück, den Schwitzkasten-Griff räumte er ein. Einen triftigen Grund für den Angriff auf den unbeteiligten Schüler, der sich schon zum Gehen gewandt hatte, vermochte der Angeklagte nicht zu nennen. Als überraschend, schnell und schmerzhaft bezeichnete der Schüler die Attacke im Zeugenstand. Der Angeklagte habe ihn im Schwitzkasten weggezogen und dabei seinen Kopf gegen einen Mast gestoßen. Dabei sei er zu Boden gegangen. Schmerzhafte Prellungen seien die Folge gewesen. Opfer verlor kurzzeitigdas Bewusstsein Während der junge Mann dem Angeklagten beim Stoßen an den Mast keine Absicht unterstellte, sprach die Schülerin im Zeugenstand von Vorsatz. Ihr Schulkamerad sei zu Boden gegangen und habe kurzzeitig das Bewusstsein verloren, sagte sie. Mit Blick auf das lange Vorstrafenregister des hafterfahrenen Angeklagten kam für die Staatsanwaltschaft nur eine Freiheitsstrafe in Frage. Sie beantragte wegen Leistungserschleichung und Körperverletzung eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Monaten, die trotz einschlägiger Vorstrafen auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Bewährungschance begründete die Staatsanwalschaft damit, dass der angeklagte dabei sei, sein Leben in den Griff zu bekommen. und sich beruflich zu orientieren. Dass diese Orientierung in Richtung Sicherheitsgewerbe zielt, machte Richter Joachim Filmer einigermaßen fassungslos. „Der Spruch, den Bock zum Gärtner zu machen, trifft auf Sie zu 100 Prozent zu“, sagte Filmer, der den Angeklagten zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe verurteilte, die er auf zwei Jahre zu Bewährung aussetzte. „Trotz ihrer Vorbelastungen rasten sie bei einem harmlosen Vorfall völlig aus, greifen einen Unbeteiligten grundlos an. und Sie zeigen nicht das geringste Schuldbewusstsein. Wer sich so verhält, braucht sich über das Strafmaß nicht zu wundern“, gab der Richter dem Angeklagten mit auf den Weg.

von Matthias Mayer

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