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Händler prellt Käufer um 4099 Euro

Ein virtuelle Audi-Motor Händler prellt Käufer um 4099 Euro

Ein Mann aus Süddeutschland kaufte und bezahlte am 17. Juni 2014 bei E-Bay für 4099 Euro einen Audi-Motor, den es nur virtuell gab. Das brachte den vermeintlichen Verkäufer vor Gericht.

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Stadtallendorf. Der 33-jährige Angeklagte betrieb zur Tatzeit im Ostkreis eine Firma, die mit Autoteilen handelte. Heute verfügt der Vater von zwei Kindern nach eigenen Angaben über kein Einkommen und lebt außerhalb Hessens bei seiner Mutter.

Wie die Beweisaufnahme vor dem Kirchhainer Amtsgericht ergab, stand der Firma zum Tatzeitpunkt das Wasser bereits bis zum Halse. Beim Finanzamt hatte das Unternehmen 8000 Euro Schulden, was dieses dazu veranlasste, das Firmenkonto zu schließen. Schon im April hatte die AOK versucht, nicht bezahlte Sozialbeiträge für die Mitarbeiter zu pfänden. Zu diesem Zeitpunkt war das Unternehmen bereits de facto insolvent.

Der Inhaber machte trotzdem weiter. Wie er vor dem unter Vorsitz von Richter Joachim Filmer tagenden Gericht sagte, habe er im Internet einen Audi-Motor für 3400 Euro gefunden. Er hatte aber kein Geld, um dieses Aggregat zu kaufen. So kam er auf die bemerkenswerte Geschäftsidee, den Motor erst für 4099 Euro zu verkaufen, um ihn dann erst mit den Verkaufserlösen zu bezahlen. Das Vorhaben scheiterte daran, dass er weiter keinen Zugriff auf das Firmenkonto hatte.

Der geprellte Käufer rief ständig an, wurde mit dem Hinweis hingehalten, dass der Motor versehentlich an eine falsche Adresse versandt worden sei, bis der erzürnte Gläubiger schließlich persönlich beim Angeklagten erschien und Anzeige erstattete, weil dieser den Kaufpreis nicht zurückzahlen konnte.

„Sie verkaufen etwas, was Sie nicht haben, obwohl Sie zahlungsunfähig sind“, hielt der Richter dem Angeklagten vor. Der räumte auf Nachfragen des Gerichts ein, dass er schon seit April nichts mehr habe vom Firmenkonto abheben können. Und er gab an, noch keinen Beitrag zur Wiedergutmachung des Schadens geleistet zu haben. Seit Juni habe er lediglich zwei, drei Monate im Straßenbau gearbeitet.

Die Staatsanwaltschaft beantragte, den mit vier Vorstrafen belasteten Angeklagten wegen Betrugs zu einer Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen à 10 Euro zu verurteilen, strafmildernd bewertete der Staatsanwalt das Geständnis, strafverschärfend den relativ hohen Schaden.

Richter Joachim Filmer folgte im Urteil dem Antrag der Anklage. Der Richter kritisierte das Nachtatverhalten des Angeklagten und ermahnte ihn dringend, sich Arbeit zu suchen. Er müsse Unterhalt für seine Kinder bezahlen und seine Verbindlichkeiten begleichen, wobei die aktuelle Zahl von 17000 Euro wegen der Anwaltskosten und Zinsen nur die Spitze des Eisbergs seien. Das Urteil erlangte durch Rechtsmittelverzicht sofort Rechtskraft.

Im zweiten Fall ging es um einen Diebstahl begangen am 4. März dieses Jahres in einem Stadtallendorfer Drogeriemarkt. Der Angeklagte zog es vor, die Hauptverhandlung zu schwänzen. Diese Option bot sich einem als Zeuge geladenen und bereits abgeurteilten Mittäter nicht. Dieser sitzt in Haft und wurde in Handschellen aus dem Gießener Gefängnis vorgeführt.

Um dem 25-Jährigen einen weiteren unangenehmen Gefangenentransport zu ersparen, entschied Joachim Filmer, den Zeugen auch in Abwesenheit des Angeklagten zu vernehmen. Und dieser entlastete den Angeklagten im Zeugenstand auf ganzer Linie.

„Er hat mit der Sache nichts zu tun. Wir sind zu zweit in den Laden rein und haben Parfüm geklaut. Der Angeklagte kam erst später in den Laden, hat aber nichts geklaut. Wir haben ihm vorher gesagt, dass er draußen bleiben soll“, sagte der Zeuge. Das Gericht stellte daraufhin mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Verfahren nach § 154 der Strafprozessordnung ein.

von Matthias Mayer

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