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Hände erzählen ganzes Leben

Ausstellung Hände erzählen ganzes Leben

Auf 22 großformatigen Fotos sind bei einer Ausstellung des Altenhilfezentrums Haus Elisabeth Hände von älteren Menschen zu sehen ist, die an Demenz erkrankt sind.

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Hände von Demenz-Patienten, die eine ganze Lebensgeschichte erzählen, zeigt eine Ausstellung, die nach der Eröffnung im Kirch­hainer Bürgerhaus im Haus Elisabeth zu sehen ist. Foto: Klaus Böttcher

Kirchhain. Es sind alte und vom Arbeitsleben gezeichnete Hände, und so lautet der Name der Ausstellung entsprechend „Diese Hände erzählen vom Leben“. Auf einer Texttafel heißt es zur Einstimmung: „Manche Hände haben Feldarbeit geleistet, Schreibarbeiten erledigt, Kühe gemolken, Wäsche gewaschen, geschneidert, gestrickt, gekocht, gesät, geerntet, Bäume gefällt und Steine geschleppt. Manche haben Kinder an die Hand genommen, sie haben manchmal gestreichelt und manchmal auch gestraft und im Krieg haben manche zur Waffe gegriffen. Sie mussten zupacken und manchmal - nur selten - durften sie in den Schoß gelegt werden und ausruhen.“

„Zeig mir deine Hände, und ich weiß, wer du bist“, habe ein Kollege zu ihr gesagt, erklärte Christel Herz, die Leiterin des evangelischen Altenhilfezentrums Haus Elisabeth, zur Begrüßung im Bürgerhaus, wo die Ausstellung zur Eröffnung aufgebaut war. Sie stellte die Frage: „Sind unsere Hände unsere Visitenkarte? Glauben sie auch, dass Hände nicht nur ein Körperteil mit 27 Knochen und 33 Muskeln sind, sondern auch ein Spiegel unseres Lebens?“ Auf die Frage gaben die großen Schwarz-Weiß-Fotos der Fotografin Ortrud Ladleif Auskunft.

Zu allen Fotos gibt es begleitende Texte, die in Interviews mit den älteren Menschen entstanden. So beispielsweise neben dem Foto eines 84-jährigen Mannes zu lesen: „Diese Hände haben nach zehn Stunden auf dem Bau täglich nochmal viele Stunden in der Landwirtschaft gearbeitet, um für die große Familie zu sorgen.“ Weiter heißt es: „Mein Vater zog 1940 in den Krieg, da wurde ich mit zehn Jahren der Chef. Im Sommer hatte ich in der Erntezeit keine Zeit zum Schlafen. Wenn ich auf dem Feld war, musste Irene die Tiere morgens allein versorgen.“ Neben dem Foto der Hände einer 91-Jährigen steht: „Diese Hände haben hart gearbeitet und manchmal heimlich einen Streusel vom Kuchen stibitzt. Wir hatten Landwirtschaft, Kühe gemolken, Streuselkuchen gebacken, stricken und nähen mussten wir - sonst hatten wir nichts. Wir waren sechs Kinder.“

Kathrin Wind, die bei der Entstehung dieser Ausstellung Geschäftsführerin des Oberhessischen Diakoniezentrums Laubach war, erzählte bei der Ausstellungseröffnung, wie die Idee entstanden sei. „Wir wollten mit der Ausstellung die Denkweise zur Demenz verändern und unsere Sichtweise in die Öffentlichkeit bringen.“ Menschen mit Demenz seien eigentlich wie du und ich, betonte sie und ergänzte, sie sollten teilhaben an der Gesellschaft. „Oftmals entdecken Menschen mit Demenz neue Fähigkeiten“, sagte sie aus ihrer langjährigen Erfahrung heraus.

Die Mitarbeiterinnen und die Fotografin hätten sich sehr viel Zeit zu den Gesprächen mit den älteren Leuten genommen und oft auch die Angehörigen mit einbezogen. Aus den langen Gesprächen sind die aussagekräftigen Zitate herausgegriffen, die neben jedem Foto zu lesen sind.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. März im Haus Elisabeth in der Kirchhainer Mozartstraße zu sehen.

von Klaus Böttcher

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