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Gut für Infrastruktur oder Bausünde?

Pläne Gut für Infrastruktur oder Bausünde?

Das Thema Tankstelle spaltete die Bürger Amöneburgs schon einmal in zwei Lager. Nun ist es zurück - und sorgte im Bauausschuss sogleich wieder für heftige Diskussionen.

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An dieser Stelle soll eine Tankstelle entstehen. Kritiker sagen, sie würde die Landschaft verschandeln. Befürworter entgegnen, die bereits existierenden Maschinen-
hallen seien weitaus auffälliger. Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Der Tagesordnungspunkt klang harmlos: Eigentlich sollten die Mitglieder des Bauausschusses eine Beschlussempfehlung zur „Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes mit paralleler Änderung des Flächennutzungsplanes“ geben. Doch dahinter steckt viel mehr: Ein Investor möchte auf einem Privatgelände am Fuß Amöneburgs, an der Kreisstraße 30 knapp oberhalb des Kreisels, eine Tankstelle errichten. Ein Thema, das einst schon bei den (gescheiterten) Planungen für das Gewerbegebiet „Amöneburger Dreieck“ für Unmut sorgte.

Und so ging Winfried Kaul (SPD) auch gleich auf die Barrikaden, berichtete von Protest von Bürgern, die von den Plänen Wind bekommen hatten, und davon, dass sie eine Bürgerinitiative gründen wollten - die notfalls auch vor Gericht ziehen würde. Er monierte, dass eine Tankstelle eine Verschandelung der Landschaft wäre und forderte, zunächst die Bürgerschaft zum Thema zu hören, bevor es zu Beschlussempfehlungen oder gar Beschlüssen komme. „Wir sollten die Sache nicht so hoch hängen“, kommentierte Bürgermeister Michael Plettenberg - und handelte sich sogleich eine weitere verbale Schelle ein: Er wisse doch, wie umstritten das Thema sei, entgegnete Kaul -und bewirkte gemeinsam mit Sefa Elmaci, Parteikollege und Ortsvorsteher von Amöneburg, dass die Bürger sich dazu äußern können und der Tagesordnungspunkt in der nächsten Sitzung noch einmal besprochen wird. „Würden wir jetzt einen Beschluss fassen, würden sich die Amöneburger ausgehebelt fühlen“, sagte Elmaci.

Plettenberg hatte das Thema anmoderiert mit dem Hinweis auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes angesichts von 15000 passierenden Autos täglich. Mit dem Investor und einem Tankstellenplaner sei er beim Regierungspräsidium gewesen und habe ein „sehr gutes Signal“ bekommen, dass eine Abweichung vom Regionalplan nicht notwendig sei. Und auch mit dem „Landschaftsbild“ werde es keine Probleme geben: „Man sieht den Bereich eigentlich kaum“, behauptete der Bürgermeister.

Noch dazu solle die Tankstelle so gestaltet werden, dass sie „nicht langweilig“ wird - und als „Eingangstor“ nach Amöneburg fungieren könne. „Wir wollen Touristen mit einer Tankstelle begrüßen?“ warf Kaul ein. Plettenberg ergänzte, dass sie auch zum Atmen-Projekt passen würde, da es neben den „normalen“ Kraftstoffen auch den im geplanten Energiepark produzierte Strom an mehreren Ladestationen für Elektrofahrzeuge geben solle. Hinzu kämen neben einer Waschanlage mit einem geschlossenen Wasserkreislauf drei „Zapfinseln“ und eine Zapfanlage für Lastwagen und schwere Landmaschinen - was, laut Antrag, der in der ­Nähe angesiedelte Wasser- und Bodenverband auch begrüße. Des Weiteren soll es einen Shop mit 100 Quadratmeter Nutzfläche geben. Auf die Dächer kommen laut Plan Photovoltaik­anlagen. Vorgesehen ist, dass die Tankstelle von 6 bis 22 Uhr geöffnet hat und nachts eventuell über einen Automaten getankt werden kann.

„Es wäre töricht, den Standort zu verschenken“, sagte Plettenberg und betonte, dass eine solche Tankstelle auch bei der Vermarktung des ehemaligen Steinbruchs - seinen Angaben nach haben Holländer Interesse bekundet - helfen würde. Zudem orakelte er, dass dem Projekt wieder nur die Bürger entgegenstehen würden, „die gegen alles sind“.

Zu den Befürwortern des Anliegens gehörten die Mitglieder von CDU und FWG: Jan-Gernot Wichert (CDU) kommentierte, er würde eine Tankstelle auf Amöneburger Stadtgebiet gut finden. Dem schloss sich Rainer Schick (FWG), der gerade ernannte Vorsitzende des Bauausschusses, an. Ottmar Graf (CDU) äußerte sich zu den Landschaftsbild-Bedenken: Die Maschinenhallen lägen viel exponierter, als es eine Tankstelle tun würde.

von Florian Lerchbacher

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