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Kommunalpolitik Gruppenbild bald ohne Dame

Die einzige Frau, die im Amöneburger Magistrat sitzt, zieht sich zurück: "Eine Frau mit 72 in der Politik? Ich glaub‘s bald...", kommentiert Elisabeth Orth ihre Pläne trocken.

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Elisabeth Orth wird als Ansprechpartnerin geschätzt – das zeigte sich auch während eines Besuchs von Bauausschuss und Magistrat im Treffpunkt Rüdigheim.

Quelle: Florian Lerchbacher

Roßdorf. Mit ihrem Engagement in der Seniorenarbeit macht Renate Orth - in Amöneburg unter ihrem Zweitnamen Elisabeth bekannt - nach 40 Jahren Schluss. Das Gleiche gilt für die Kommunalpolitik, in der sie 15 Jahre für die CDU tätig war - 10 davon im Magistrat, 5 in der Stadtverordnetenversammlung.

Am liebsten würde sie auch die Leitung über die Roßdorfer Frauentanzgruppe abgeben, findet aber keine Nachfolgerin -was vielleicht auch gut so ist, denn eine Bekannte kommentierte ihren Rückzug bereits mit den Worten: „Du kannst nicht alles abgeben, dann alterst du zu schnell.“

71 Jahre ist Elisabeth Orth alt und gehört eher zu den ruhigeren, besonnenen Vertretern der Kommunalpolitik. Aber auch zu denen, die für ihre Meinung einstehen. Sprich: Sie musste nicht zu jedem Thema etwas sagen - aber wenn sie sich äußerte, dann hatte sie zumeist auch einen guten Grund.

Ansprechpartner für die Bürger

„Ich traf meine Entscheidungen immer so, dass wie ich sie für das Wohl der Gemeinschaft für richtig hielt“, sagt sie und betont: „Manchmal stand ich mit meinen Ansichten alleine da. Wenn ich einem Thema nicht zustimmen konnte, meine Stimme letztendlich aber keinen Unterschied machte, dann enthielt ich mich eben, anstatt dagegen zu stimmen - auch, wenn ich dafür manchmal gefrotzelt wurde.“

Elisabeth Orth ist eben jemand, mit dem sich sprechen lässt. Und das merkten auch die Bürger. „Viele meiner männlichen Mitstreiter werden von den Menschen nicht angesprochen. Zu mir kommen immer wieder Bürger, wenn ihnen etwas auf der Seele brennt“, sagt die 72-Jährige. Als größten Sieg der vergangenen 15 Jahre bezeichnet sie die nächtliche Beleuchtung der Straßen: „Ich ­habe dafür gekämpft, dass die Laternen wegen der Sicherheit an bleiben.“

Dabei war sie eher durch Zufall zur Politik gekommen. Eigentlich habe sie nie vorgehabt, sich politisch zu engagieren: „Aber dann wurde ich gefragt - und habe zugesagt.“ Und das, obwohl sie früher eher schüchtern und zurückhaltend gewesen sei.

Nun will Orth mehr Zeit für ihre Enkel Vincent und Emilia haben, daher reduziert sie ihr ­ehrenamtliches Engagement radikal. Bleibt noch die Frage, warum manche Menschen sie als Renate, manche sie als Elisabeth kennen: „Renate mag ich eigentlich nicht, aber das ist mein amtlicher Vorname, und daher wurde ich außerhalb von Roßdorf so angesprochen. Elisabeth ist mir aber lieber - das ist schließlich ein urchristlicher Name, und die Namenspatronin wirkte in der Nähe.“

von Florian Lerchbacher

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