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Großseelheimer Projekt ist "beerdigt"

Parlament Großseelheimer Projekt ist "beerdigt"

Am Montagabend gab es im Kirchhainer Stadtparlament noch einmal eine intensive Analyse der Ursachen, die zum Aus für das mit 600000 Euro veranschlagte Vorhaben geführt haben.

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Im Sommer 2008, nach einem extremen Unwetter, beseitigte ein Betroffener Wasser und Schlamm in Großseelheim. Archivfoto

Großseelheim. Dass es keine Zukunft für das Hochwasserschutz-Projekt, eng verbunden mit einer Renaturierung des Bauerbachs in Großseelheim gibt, ist seit Mitte Mai klar. Seinerzeit hatte das Regierungspräsidium Gießen bei einer Anfrage der OP bestätigt, dass das Projekt am Widerstand von Anliegern und Landwirten scheitert. Am Montagabend folgte die formale „Beerdigung“, wie es Kirchhains Erster Stadtrat Dietmar Menz (CDU) formulierte. Er spannte den Bogen bis ins Jahr 1996 zurück, als sich die Städte Marburg und Kirchhain auf einen Aktionsplan geeinigt hätten. „Die Stadt Marburg hat ihre Hausaufgaben erledigt, in Kirchhain wurde bis 2009 nix gemacht“, so sein Fazit. Zur Erinnerung: Am 30. Mai 2008 kam es auch in Großseelheim aufgrund eines extremen Unwetters zu den bis dato schlimmsten Überflutungen in der Ortslage.

Menz wagte einen Blick in die Zukunft. Im Herbst kommt es zu einer abermaligen Gewässerschau am Bauerbach. Mit dabei ist wiederum das Regierungspräsidium, zugleich Aufsichtsbehörde. „Das wird noch heulen und Zähneklappern geben“, ist Menz überzeugt. Karl-Heinz Geil (SPD) lenkte die Diskussion in eine andere Richtung. Aus seiner Sicht ist die Kommunikation zwischen Politik, Verwaltung und Anliegern nicht gut gelungen. Zunächst habe es eine Planung für den Bauerbach innerhalb des Dorfes gegeben. Erst dann seien Pläne für die Renaturierung oberhalb der Ortslage „nachgeschoben“ worden. Dabei sei lange unklar gewesen, welche Landwirte in welchem Umfang Flächen abzugeben hätte.

Menz verwies auf Informationsveranstaltungen und zahlreiche Einzelgespräche und wies den Vorwurf schlechter Kommunikation zurück. Doch in einem waren sich diese beiden wie auch alle übrigen Redner einig: „Es gibt nur Verlierer“, wie es Karl-Heinz Geil zuspitzte. Reiner Nau (Bündnis 90/ Die Grünen) übernahm den Part für die drei Koalitionsfraktionen. Sein Credo: „Es wurde eine Chance vertan, zu einem bezahlbaren Hochwasserschutz zu kommen.“ Auch Nau ging noch einmal zurück in die Vergangenheit, blickte dabei auf lange Zeit nicht vorliegende Planung für den Hochwasserschutz zurück.

Geld für Planungenumsonst ausgegeben

Insgesamt 600000 Euro hatte die Stadt für das Gesamtprojekt, verteilt auf mehrere Haushaltsjahre, veranschlagt. Für die Planungen hatte Kirchhain bereits 47000 Euro für Planungen ausgegeben, Geld, das nun verloren ist. Das Stadtparlament beschloss einstimmig, das Projekt zu beenden. Ebenso einstimmig aber ohne Aussprache fiel die Entscheidung, Geld, das eigentlich für Großseelheim vorgesehen war, an anderer Stelle einzusetzen. So stehen für die Sanierungsarbeiten an der integrativen Kindertagesstätte „Das Nest“ in Kleinseelheim nun wieder 65000 Euro mehr zur Verfügung. Das Stadtparlament hatte den entsprechenden Etat seinerzeit um 95000 Euro gekürzt. Beim Bauprojekt Bürgerhaus Kirchhain waren Mehrkosten aufzufangen. Das zusätzliche Geld für Kleinseelheim soll unter anderem für einen zeitgemäßen barrierefreien Zugang verwendet werden. Wie der aussehen wird, muss von Verwaltung und Politik noch festgelegt werden. Der Umwidmung der Gelder muss, da Kirchhain unter dem Rettungsschirm steht, die Kommunalaufsicht zustimmen.

von Michael Rinde

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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