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Großes Thema, geringer Zuspruch

Gemeindeverwaltungsverband Großes Thema, geringer Zuspruch

Im Herbst entscheiden Wohratals Bürger, ob der Weg hin zu einer Verwaltungsgemeinschaft mit Rauschenberg weitergeht. Die Bürgermeister informieren derzeit in den Ortsteilen. Auftakt war in Halsdorf.

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Die Bürgermeister Michael Emmerich (rechts) und Peter Hartmann erläuterten die Details einer möglichen Verwaltungsgemeinschaft Rauschenberg-Wohratal. Foto: Yanik Schick

Halsdorf. Als Bürgermeister habe man doch so ein Gefühl, warf einer der Zuhörer ein. Und er fragte die Bürgermeister Peter Hartmann (Wohratal) und Michael Emmerich (Rauschenberg) nach ihrem Gefühl: Stehen die Bürger beider Gemeinden der geplanten Einführung einer Verwaltungsgemeinschaft positiv gegenüber? Besonders relevant ist die Frage in Wohratal, denn dort findet am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, ein Bürgerentscheid zu dieser Frage statt.

In Rauschenberg habe die Stadtverordnetenversammlung schon einheitlich Zustimmung signalisiert, berichtete Emmerich. Was die Haltung der Bürger angeht, sagte er: „Es gibt vereinzelt Fragen zu dem Thema, aber ich habe noch nichts Negatives gehört.“ Dem könne er sich anschließen, ergänzte sein Wohrataler Amtskollege Hartmann.

Karl-Ludwig Bubenheim, Vorsitzender der Gemeindevertretung, sagte derweil, im Ortsteil Wohra werde „Stimmung gegen die Verwaltungsgemeinschaft gemacht“. Hartmann bezeichnete das als „rein subjektive Wahrnehmung“. Generell war das Interesse bei der ersten von insgesamt vier Informationsveranstaltungen äußerst gering. Gerade einmal 15 Zuhörer hatten sich im Halsdorfer Treffpunkt eingefunden.

Die beiden Bürgermeister klärten dort über die Gründe sowie Vor- und Nachteile einer Verwaltungsgemeinschaft auf. „In vielen Bereichen der Verwaltung steigen die Anforderungen, ohne dass die in beiden Gemeinden knappen Personalressourcen erhöht werden könnten“, sagte Michael Emmerich mit Blick auf die Haushaltslage in Wohratal und Rauschenberg. Durch eine Zusammenlegung der Verwaltung könnten den Bürgermeistern zufolge in Rauschenberg eineinhalb Vollzeitstellen eingespart werden (77000 Euro jährlich). Wohratal spart erheblich mehr: 312500 Euro. Diese Summe setzt sich aus der Einsparung von zwei Vollzeitstellen (113000 Euro), der Umwandlung der Bürgermeisterstelle in ein Ehrenamt und dem Wegfall von Versorgungsaufwendungen in Höhe von 142200 Euro zusammen. Dazu entfallen in beiden Gemeinden zusammen Sachkosten in Höhe von 7500 Euro.

Eigenständigkeit bleibt erhalten

Die Bürgermeister nannten auch die Nachteile einer gemeinsamen Verwaltung. Die Verwaltungsgemeinschaft benötige einen Vorstand sowie eine Versammlung und somit zwei zusätzliche ehrenamtliche Gremien. Außerdem muss neben den von den Parlamenten zu beschließenden Haushaltsplänen für beide Gemeinden auch ein separater Haushalt für die Verwaltungsgemeinschaft erstellt werden.

Sollte es zu einem Zusammenschluss kommen, würde es nach wie vor in Wohratal und Rauschenberg Verwaltungsstandorte geben – in Wohratal in Form eines Bürgerbüros. Die Zuständigkeiten müssten dann allerdings aufgeteilt werden. Nur das Einwohnermeldewesen und das Passwesen würden in beiden Standorten angesiedelt. Unterdessen sollen die Bereiche Finanzen/Steuern, Standesamt/Friedhofsverwaltung, Bauangelegenheiten/Liegenschaften, Beschaffungen, EDV, Feuerwehrangelegenheiten und Kindertagesstätten zentral in Rauschenberg verwaltet werden, die Bereiche Wahlen, Gewerbeangelegenheiten/Gaststättenrecht, Ordnungsamt/Straßenverkehrsbehörde sowie die Postfiliale in Wohratal.

Beide Bürgermeister betonten, dass es sich bei einer Verwaltungsgemeinschaft nicht um eine Fusion der Gemeinden handele. „Der große Unterschied ist, dass die Kommunen ihre Eigenständigkeit behalten“, sagte Hartmann. „Durch eine Fusion geht ein Stück weit Identität verloren. Und für diesen Schritt sind wir noch nicht reif, weil wir in vielen Bereichen noch nicht so weit sind“, befand Emmerich.

Sollten die Bürger Wohratals dem Vorhaben mehrheitlich zustimmen, so sieht der Zeitplan vor, dass die praktische Umsetzung der Verwaltungsgemeinschaft am 1. Juli 2018 beginnt.

Rauschenberg hat derzeit 4450 und Wohratal 2277 Einwohner, zusammen sind es 6727. Die Personalkosten für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Rauschenberg betragen derzeit 431500 Euro. Die Personalkosten der Gemeinde Wohratal belaufen sich auf 226150 Euro. Zusammen sind das 657650 Euro. Somit kostet die Verwaltung in beiden Kommunen zusammen jährlich 97,80 Euro pro Einwohner.

von Yanik Schick

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