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Großes Lob für großartige Sanierung

Auszeichnung Großes Lob für großartige Sanierung

Bis Ende 2009 sah es um die Zukunft des ältesten Gebäude der Stadtallendorfer Kernstadt finster aus. Dann kaufte Mario Repka den Fachwerkbau in der Leide 28 für 4700 Euro.

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Das linke Foto zeigt das herrschaftliche Haus unmittelbar nach dem Verkauf im Jahr 2009. Rechts ist es nach der weitgehend abgeschlossenen Sanierung zu sehen.

Quelle: Archiv/Christine Krienke (Denkmalpflege)

Stadtallendorf. Drei junge Bäume stehen seit wenigen Wochen vor der liebevoll restaurierten Fassade des früheren Mainzer Amtshauses, im Volksmund gerne fälschlich als Kellerei bezeichnet. Seit dem Kauf des Hauses Leide 28 sind mittlerweile mehr als zweieinhalb Jahre vergangen, seit Oktober ist das Haus, das jahrzehntelang leer stand, wieder bewohnt.

Gestern verlieh das Hessische Landesamt für Denkmalpflege den Denkmalschutzpreis, gestiftet von Lotto Hessen. Mario Repka belegte dabei mit der eindrucksvoll gelungenen Restaurierung und Wiederbelebung des alten Herrschaftshauses den zweiten Platz, dotiert mit 5000 Euro.

Angesichts der um sich greifenden Leerstände in diesem Bereich habe Repka „eindrucksvoll vor Augen geführt, dass eine Trendwende möglich ist“ bescheinigt das Landesamt dem Preisträger in der offiziellen Laudatio. Repka selbst ist stolz auf das Erreichte. Und er arbeitet schon am nächsten Projekt, er kaufte ein weiteres Fachwerkhaus in der Nachbarschaft. Vor kurzem hatte er eines der Erlebnisse, die ihn in seinem Engagement bestätigt haben. „Ein Spaziergänger sprach mich an und klatschte Beifall, als ich ihm bestätigte, dass ich das Haus saniert habe. So etwas freut mich.“

Repka, der beim Kauf des Hauses noch im Taunus lebte und arbeitete, hat die Stunden, die er in die Sanierung steckte, nicht gezählt. Zwei Jahre lang hat er nur an Wochenenden Zeit gehabt. Dass das Haus seinerzeit in seine Hände gewechselt war, hatte Dr. Bernhard Buchstab, Bezirkskonservator beim Landesamt für Denkmalpflege Marburg, als „Sechser im Lotto“ bezeichnet. Ausdrücklich lobte Repka bereits vor drei Jahren die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Das sieht er nach wie vor so. „Ich bin glücklich über diese Kooperation“, sagt er.

Bewusstsein für ein Kulturdenkmal

Doch was rät Repka demjenigen, der vor der Entscheidung steht, ein historisches Gebäude zu kaufen? „Jedem, der sich dafür entscheidet, muss klar sein, dass er ein Kultur-Denkmal kauft, dass sich nie auf neu trimmen lässt“, wird Repka grundsätzlich.

Bevor Repka das frühere Herrschaftshaus kaufte, gab es Kostenschätzungen von rund zwei Millionen Mark für eine Sanierung. Bereits nach der ersten Besichtigung sagte der gebürtige Stadtallendorfer, dass er diese Summe für weit überzogen hält. „Das hat sich auch bewahrheitet“, erklärt Repka im Gespräch mit der OP.

Wer das Haus betritt, bemerkt das gute Raumklima. Repka ließ die Wände im Inneren wieder mit Lehm verfüllen und verputzen. Im Winter reiche es aus, die Heizkörper auf 1,5 zu stellen, an heißen Tagen bleibe es angenehm kühl, so seine ersten Erfahrungen. Im Inneren vereinen sich Vergangenheit und Gegenwart. Entdeckte historische Wandgemälde haben ihren angestammten Platz zwischen modernem Mobiliar behalten. Liebevoll wurden historische Treppen ebenso wieder „im Bestand restauriert“ wie alte Fensterläden. Mario Repka und seine Familie leben nun in einem Kleinod mit 300 Quadratmetern Wohnfläche. Das Landesamt für Denkmalpflege hat gestern in Wetzlar insgesamt acht Projekte hessenweit ausgezeichnet. Auf Platz eins kamen dabei Jeannette und Bernhard Eschweiler aus Schmitten. Sie hatten das Bassenheimer Schloss in Schmitten-Oberreifenberg aus Sicht der Denkmalpflege vorbildlich saniert. In diesem Jahr hatte die Jury ingesamt 30 Bauvorhaben zu bewerten und dann über die Preisvergabe zu entscheiden. Die Preise übergaben Dr. Rudolf Kriszeleit, Staatssekretär im hessischen Justizministerium und Professor Gerd Weiß, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege.

Die Stadt Stadtallendorf hatte Repkas Bemühen um die sogenannte Mainzer Kellerei seinerzeit ebenfalls gefördert und das Projekt in das städtische Förderprogramm zur Vermeidung von Leerständen in historischen Ortskernen aufgenommen.

Repka will durchaus beispielgebend für andere Bauherren und Eigentümer sein. Wer Interesse habe, könne sich gerne an ihn wenden, sagt er.

von Michael Rinde

Geschichte

Das Herrschaftshaus Leide 28 entstand in den Jahren 1648 bis 1650. Bis 1803 diente das Haus als eine Art Verwaltungsaußenstelle der kurmainzischen Behörden. Danach wurde es von der Forstbehörde weitergenutzt, bis es in Privateigentum überging. Nach einer ausgeschlagenen Erbschaft fiel es dem Land Hessen in den 1980er Jahren zu. Die Stadt Stadtallendorf lehnte den Kauf aus Kostengründen ab. Das Haus galt bis zum Verkauf als einer der größten „Sorgenfälle“ der Denkmalpflege im Kreis.

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