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Großes Geläut zum 1. Advent

Elf Gemeinden machen mit Großes Geläut zum 1. Advent

In der Adventszeit bereiten sich die Christen auf die Geburt Christi vor. Zugleich begrüßen sie am1. Advent das neue Kirchenjahr. Auf besonders eindrucksvolle Weisegeschieht dies im südöstlichen Ohmtal.

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Die Mardorfer Glocke aus dem Jahr 1660 steht im Schatten des mächtigen Wehrturms der Pfarrkirche Sankt Hubertus.

Quelle: Foto: Matthias Mayer

Mardorf. Fast zwei Stunden lang trägt das Geläut der Kirchen aus der Region am Sonntagnachmittag das Nahen der frohen Botschaft weit ins Land hinaus. An dieser abgestimmten Aktion beteiligen sich elf Gemeinden - über konfessionelle und kommunalpolitische Grenzen hinweg. Ihr volles Geläut wird zwischen 15 Uhr und 16.50 Uhr unüberhörbar verkünden: Der 1. Advent ist da.

Die Glocken folgender Kirchen sind am Sonntag jeweils für zehn Minuten zu hören:

15 Uhr: Katholische Kirche Homberg/Ohm; 15.10 Uhr Evangelische Kirche Homberg/Ohm; 15.20 Uhr: Evangelische Kirche Ober-Ofleiden; 15.30 Uhr Evangelische Kirche Haarhausen; 15.40 Uhr: Katholische Kirche Erfurtshausen; 15.50 Uhr: Katholische Kirche Mardorf; 16 Uhr: Katholische Kirche Roßdorf; 16.10 Uhr Katholische Kirche Amöneburg; 16.20 Uhr: Katholische Kirche Rüdigheim; 16.30 Uhr: Evangelische Kirche Schweinsberg; 16.40 Uhr: Evangelische Kirche Nieder-Ofleiden.

Wer sich zur Einstimmung auf die Adventszeit dieses Hörerlebnis in voller Länge gönnen möchte, ist an der Mardorfer Pfarrkirche St. Hubertus besonders gut aufgehoben. Mardorf liegt geografisch im Zentrum des für die Region einzigartigen großen Geläuts. Und er kann dort gleichzeitig ein wunderschönes Zeugnis der Glockenguss-Kunst aus nächster Nähe bewundern. Es ist eine Glocke aus dem Jahr 1660, die folglich 76 Jahre älter ist als die Mardorfer Kirche in ihrer heutigen Form. Und diese Glocke schweigt seit 59 Jahren und steht als Denkmal neben der Pfarrkirche St. Hubertus.

Bronze-Glocke befindet sich in bestem Zustand

Und sie hat eine besondere Geschichte. Darauf hat Pfarrer Wilhelm Gerlach, der über Jahrzehnte hinweg als katholischer Priester in Momberg diente und heute im benachbarten Erfurtshausen seinen Ruhestand verlebt, die OP aufmerksam gemacht.

Die Bronze-Glocke befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand. Die Jahreszahl 1660 und die Namen damaliger Honoratioren sowie Siegel und Wappen sind deutlich zu erkennen. Dabei schien ihr Schicksal bereits besiegelt. In beiden Weltkriegen wurden massenweise Glocken aus Bronze eingezogen, auf so genannten Glockenfriedhöfen gesammelt und dann für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Im 1. Weltkrieg wurden so 65000 tönende Kulturdenkmäler vernichtet, im 2. Weltkrieg 45000 Glocken.

Alter bewahrte die Glocke vor dem Schmelztiegel

Im 1. Weltkrieg büßte die Erfurtshäuser Gemeinde so mit Ausnahme einer kleinen Glocke ihr komplettes Geläut ein. Zu deren Unterstützung kam 1921 die Mardorfer Glocke nach Erfurtshausen, so Pfarrer Wilhelm Gerlach.

1942 wurde auch die kleine Erfurtshäuser Glocke eingezogen und zu Munition verarbeitet. Ihrer großen Mardorfer Schwester blieb der Schmelztiegel allein wegen ihres Alters erspart.

1956 besaß die katholische Kirchengemeinde Erfurtshausen wieder ein vollständiges Geläut, und die Mardorfer Leihgabe kehrte wohlbehalten in ihre Heimat zurück. Zum Bedauern von Pfarrer Wilhelm Gerlach fand sie ihren Platz nicht im Glockenturn, sondern auf einem Podest neben der Kirche.

von Matthias Mayer

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