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Große Ehrung für große Persönlichkeit

Willibald Preis ist Ehrenbürger Große Ehrung für große Persönlichkeit

Alles Gute kommt bekanntlich von oben. Ganz oben in Kirchhain liegt, dem Himmel so nah, der Stadtteil Himmelsberg. Und für das besonders Gute steht der Himmelsberger Willibald Preis.

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am Himmel

Bürgermeister Olaf Hausmann (links) und Stadtverordnetenvorsteher Klaus Weber (rechts) überreichten Willibald Preis die Ernennungsurkunde zum Kirchhain Ehrenbürger. Ehefrau Christa Preis freute sich mit ihrem Mann. Fotos: Matthias Mayer

Kirchhain. Weil dem so ist, hat die Stadtverordnetenversammlung auf Antrag des jetzigen Alt- Bürgermeisters Jochen Kirchner einstimmig beschlossen, ihrem langjährigen Stadtverordnetenvorsteher die Ehrenbürgerrechte zuzuerkennen. Dieser Beschluss wurde am Dienstagabend während einer Sondersitzung des Stadtparlaments ins Werk gesetzt: Seit 20.17 Uhr ist Willibald Preis neben Alt-Bürgermeister Heinrich Röder der zweite lebende Ehrenbürger der Stadt Kirchhain.

Es war ein gelungener, würdiger und glückhafter Abend zu Ehren einer großen Persönlichkeit, die nach eigenem Bekunden im Leben an entscheidenden Punkten sehr viel Glück gehabt hat. Davon später mehr.

Es passte einfach alles. Angefangen von der diskreten Regie durch die Zeremonienmeisterin Kerstin Ebert, über die phantastischen Liedvorträge des von Udo Lauer dirigierten Jugendchors Langenstein, der deutlich machte, warum so viele Gesangvereine bewundernd auf das Dorf der Sänger blicken, bis hin zu den Ansprachen und den so zahlreichen Ehrengästen - von Landrätin Kirsten Fründt bis hin zum 90-jährigen Kirchhainer Motorradweltmeister Wilhelm Noll mit Ehefrau Gertrud.

Großer Kulturmanagergibt sich die Ehre

Und es war ein Abend der Überraschungen. Klaus Weber, Vorgänger und Nachfolger Willibald Preis‘ im Amt des Stadtverordnetenvorstehers, hatte für die Laudatio Robert Fischbach gewonnen. Und als dann auch noch Hellmut Seemann, der als Präsident der Stiftung Weimarer Klassik zu den wichtigsten Kultur-Managern Deutschlands gehört, im Bürgerhaus auftauchte, schlotterten Willibald Preis die Knie, wie er später bekannte.

Den Zweck des Abends skizzierte eingangs Klaus Weber. Es gehe darum, Willibald Preis aufrichtig und ehrlich Dank zu sagen, Wertschätzung zu zeigen für seinen selbstlosen und ehrenamtlichen Einsatz zum Wohle der Allgemeinheit. Er rechnete vor, dass der neue Ehrenbürger mehrere Jahre seines Lebens allein dem Ehrenamt gewidmet habe. Ohne Ehrenamt wäre unsere Gesellschaft nicht so, wie sie ist, sagte Klaus Weber, der sich auch im Schlusswort dem Thema widmete.

„Wird es solches ehrenamtliches Engagement in Zukunft noch geben?“, fragte Weber und beklagte, dass das Beharrungsvermögen von Ehrenamtlichen in weniger guten Zeiten häufig nachlasse. Das schwäche die Strukturen der Vereine. Er warb dafür, sich mehr bürgerschaftlich zu engagieren. Gelinge dies, werde die Gesellschaft reicher werden, sagte der ehrenamtlich auf vielen Feldern stark engagierte Klaus Weber.

Physikus Dr. Wilhelm Rehm war erster Ehrenbürger

Bürgermeister Olaf Hausmann stellte dem Publikum die sieben Kirchhainer Ehrenbürger vor, von denen keiner in Kirchhain geboren sei und zwei nur einen geringen Bezug zur Stadt gehabt hatten. Der Physikus Dr. Wilhelm Rehm sei 1864 der erste Ehrenbürger gewesen.

Auf ihn folgten der Langensteiner Daniel Kessler, der Rektor der Kirchhainer Knabenschule war, und der Marburger Brauereibesitzer Heinrich Bopp, der mit zwei großzügigen Spenden für den Friedhof so etwas wie der Begründer des Annaparks war. Adrian Julius Bertram Schaefer, der 1949 die Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain neu aufbaute, wurde 1954 erster Ehrenbürger nach dem Krieg. Heinrich Weber, von 1948 bis 1978 Bürgermeister in Kirchhain, wurde diese Ehre 1978 zu Teil, seinem Nachfolger Heinrich Röder 1992.

Und nun eben Willibald Preis, den er vor 35 Jahren als Azubi bei der MT kennengelernt habe. Der neue Ehrenbürger habe außergewöhnlich viel für Kirchhain und seinen Stadtteil Himmelsberg geleistet, stellte der Bürgermeister fest.

Diese Leistungen listete Robert Fischbach mit großer Detailtreue auf. Allein die Nennung der zahlreichen Ehrenämter nahm Minuten in Anspruch und überforderte bei der Mitschrift selbst den schnellsten Kugelschreiber. So seien nur die wichtigsten Ämter erwähnt: Dekanats-Jugendleiter, Ortsbeirat, Stadtverordneter, Stadtverordnetenvorsteher, Vorsitzender des Arbeitskreises Dörfliche Kultur und Vorsitzender des Verschönerungvereins Himmelsberg.

In der letztgenannten Funktion war Willibald Preis mit seinen langjährigen Mitstreitern Otto Bromm und Reinhold Jennemann die Lokomotive für die erfolgreiche Himmelsberger Kampagne „Unser Dorf soll schöner werden“, die bis zur Übergabe der Silberplakette auf Bundesebene und später auch zur Aufnahme in die Dorferneuerung führte.

Ab in die zweite Reihe: „Die Ehrengäste sind wir“

Die Preisübergabe am 28. Januar 1999 im Berliner ICC bescherte Robert Fischbach die erste nachhaltige Begegnung mit Willibald Preis. Willibald Preis sei mit den Plätzen für die mit zwei Bussen angereiste Himmelsberger Delegation in der Saalmitte nicht zufrieden gewesen. Mit ihm als Landrat im Schlepptau sei er zielstrebig nach vorn marschiert und habe die zweite Reihe okkupiert. Den Hinweis, dass diese Reihe für Ehrengäste reserviert sei, habe Preis mit den Worten „die Ehrengäste sind wir“ ebenso resolut wie erfolgreich gekontert.

Ausführlich ging Robert Fischbach auf die vielfältigen und herausragenden kulturellen und historischen Aktivitäten des Himmelsbergers rund um Kirchhain ein, über die diese Zeitung wiederholt ausführlich berichtete, dessen Festvorträge, Veranstaltungskonzepte und vor allen dessen stete Präsenz bei den Bürgern.

Willibald Preis‘ Nähe zu den Menschen wurde aus jedem Wort seiner Dankesrede deutlich. Er ließ niemanden aus, dankte allen, die zu dem Abend beigetragen haben - auch den beiden Hausmeistern.

Und seine Ehrenbürgerwürde teilte er sogleich unter den Menschen auf, die ihn durch acht prägende und für ihn glücklichen Epochen begleitet haben: Seine inzwischen 92 Köpfe zählende Familie, die Schule, das berufliche Glück bei der MT, die Jugendarbeit, das große Glück einer eigenen Familie mit seiner Frau Christa als Fixpunkt, die Dorfgemeinschaft und die Kommunalpolitik in der Opposition und die zehn Jahre als Stadtverordnetenvorsteher. Sein Appell: „Wirken Sie mit, gestalten Sie mit, damit Kirchhain mit seinen zwölf Stadtteilen weiter wachsen und blühen kann.“

Willibald Preis hat nach diesem Credo gehandelt und dabei mit unglaublichen Einsatz, Kreativität, Energie und Menschlichkeit den Begriff ehrenamtliches Engagement in der Kommunalpolitik weit über Kirchhains Grenzen hinaus neu definiert. Dafür hat er nun die höchste Auszeichnung seiner Stadt bekommen. Und dies, wie Robert Fischbach zu Recht feststellte, völlig verdient.

von Matthias Mayer

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