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Große Ehre für ein großes Lebenswerk

Manfred Vollmer Große Ehre für ein großes Lebenswerk

30 Jahre lang lenkte und leitete Manfred Vollmer die Geschicke Stadtallendorfs, nahm selbst unzählige Ehrungen vor. Heute geht es um ihn. Für ihn ist die Rolle des zu Ehrenden ungewohnt, wie er sagt.

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Der frühere Bürgermeister Manfred Vollmer steht im Garten
seines Hauses in der Rheinstraße. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Überrascht habe er reagiert, als er den Brief bekommen habe, sagt Vollmer. Der Brief kam aus der hessischen Staatskanzlei, unterschrieben von Ministerpräsident Volker Bouffier. Bundespräsident Joachim Gauck verleiht dem 71-jährigen Stadtallendorfer den Verdienstorden 1. Klasse. Das ist eine besonders hohe Ordensstufe.

Er erhält diese Auszeichnung für das, was er als Bürgermeister geleistet hat - und was aus Sicht des Bundespräsidenten weit über das übliche Maß hinausging. Sein „langjähriges und facettenreiches Engagement für die Allgemeinheit“ solle so gewürdigt werden, heißt es in der Einladung des Landkreises. Staatsminister Dr. Thomas Schäfer und Landrätin Kirsten Fründt werden es Vollmer am Freitag im Landratsamt überreichen.

Eigentlich ist Vollmer Ruheständler, für sein politisches Engagement im Kreis gilt das aber nicht. Sein Kalender ist prall gefüllt, ein Schicksal, das er mit manch anderem nach Ende des Berufslebens teilt. Der Anhänger der den Preußen zugeschriebenen Tugenden wie Disziplin und Pünktlichkeit steht immer noch morgens um 6 Uhr auf. „Den Vollmer ändert man eben nicht mehr, hat mir mal jemand dazu gesagt“, sagt er augenzwinkernd. Und er macht keinen Hehl daraus, dass er auch gerne noch länger gearbeitet hätte. Doch eine neue berufliche Laufbahn nach der Pensionierung als Stadtallendorfs Bürgermeister kam für ihn dann auch nicht mehr in Frage. So konzentriert er sich auf die Ehrenämter, die er noch hat. Unter anderem ist er nach wie vor Kreistagsabgeordneter der CDU.

Seit dem 17. Lebensjahr ist sein Interesse an Politik ungebrochen groß. Was wenigen bekannt ist: Vor Beginn seiner Zeit als Stadtallendorfs Bürgermeister war Vollmer schon Bürgerschaftsmitglied in Willich (Nordrhein-Westfalen).

Für Vollmer ist die Verleihung des Verdienstordens 1. Klasse eine besondere Auszeichnung. Er ist bereits seit dem 23. August 2012 Ehrenbürger der Stadt Stadtallendorf. Etwas ungewohnt ist für ihn die Rolle des Geehrten. Bis zum Ende seiner Zeit als Bürgermeister war er eigentlich der Ehrende. „Das ist natürlich für mich etwas ungewohnt“, räumt er ein.

Vollmer wohnt unverändert mit seiner Frau Margot in seinem Haus in der Rheinstraße. Wie lebt es sich als einfacher Bürger in der Stadt, deren Geschicke er drei Jahrzehnte lang leitete? Er fühlt sich in Stadtallendorf sehr wohl. „Und ich mag die Menschen hier“, sagt er.

Natürlich gehe er mit interessierten Augen durch die Stadt, schaue, was sich tut. Vollmer führt auch viele Gespräche mit Bürgern, die ihn erkennen und ansprechen. „Es werden eher mehr als weniger, viele Leute kenne ich überhaupt nicht.“ Auch wenn sich Vollmer nach eigenen Worten aus dem Tagesgeschäft in Politik und Verwaltung in Stadtallendorf heraushält, verfolgt er standesgemäß die Entwicklungen in der Innenstadt. Für ihn ist es jetzt mehr denn je klar, dass die Entscheidung, den früheren Busbahnhof für ein Einkaufszentrum herzugeben, richtig war. „Ohne diese Bebauung wäre vieles tot“, ist er überzeugt.

In seine Zeit als Bürgermeister fielen etliche Bauprojekte, unter anderem Stadthalle und Rathausanbau, die Lösung schwerwiegender Probleme wie die Altlastensanierung, der Kampf um den Bundeswehr-Standort, zuletzt der Hessentag 2010. Vollmer stand damals an der Spitze der Bewegung, die das Fest der Hessen in die Stadt holen wollte. Er hatte Erfolg.

In der kurzen Vorbereitungszeit von zweieinhalb Jahren gelang der Stadt ein herausragendes Fest. Vieles erinnert daran, wie zum Beispiel der sanierte Bahnhof. Dass dieses Millionenprojekt in der kurzen Zeit gelang, war auch ein Verdienst von Manfred Vollmer.

Der Anteil des Privatlebens an seinem Alltag ist nach der langen Zeit als Bürgermeister trotz aller verbliebenen Verpflichtungen heute größer. Ja, er helfe im Garten, sagt er auf Nachfrage. „Obwohl meine Frau meint, es könnte noch mehr sein“, gibt er zu. Ansonsten reist er gerne, pflegt den Bekanntenkreis, der während der jahrzehntelangen Arbeit zu kurz kommen musste. Und natürlich haben Kinder und Enkel jetzt Vorrang für Manfred Vollmer.

von Michael Rinde

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