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Graben für ein Quäntchen Trost

OP-Serie „Vom Aussterben bedroht“ Graben für ein Quäntchen Trost

Die OP-Serie „Vom Aussterben bedroht“ stellt Traditionen und Sitten vor, die nahezu unbemerkt aus dem gesellschaftlichen Leben zu verschwinden drohen. So auch Nachbarschaftshilfe bei Grabaushebungen.

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Bürgerhaus ist nun echtes Aushängeschild

Frank Drescher (links) und Günter Schmidt (rechts) wissen genau, wann sie anpacken müssen. Auf dem Hatzbacher Friedhof helfen die Nachbarn eines Verstorbenen dabei, das Grab auszuheben und die Trauerfeier auszurichten.

Quelle: Thorsten Richter

Hatzbach. Es gibt Traditionen, an deren Anfang bittere Tränen und an deren Ende echter Trost stehen. Traditionen, deren emotionaler Wert unermesslich und deren Fortbestehen unerlässlich ist. Stirbt ein Mensch, egal ob Alt oder Jung, greift in vielen Dörfern die Nachbarschaftshilfe. So auch in Hatzbach.

Dort, wo es diese Form der Hilfe gibt, stehen die Menschen nach der Nachricht über den Tod eines Nachbarn, Freundes oder Bekannten zwar häufig sprach- aber niemals tatenlos gegenüber. Denn in den schwersten Stunden rücken alle ein Stück enger zusammen. Gemeinsam wird dafür gesorgt, dass die Angehörigen Raum zum Trauern haben. Die Männer kümmern sich um die Grabaushebung, die Frauen organisieren das Kaffeetrinken.

Eine Belastung? Nein, eine große Ehre, darin sind sich Ortsvorsteher Frank Drescher und Günter Schmidt vom Kirchenvorstand sicher. Egal ob frisch ins Dorf gezogen oder schon seit Lebzeiten angesiedelt – alle wissen im Todesfall genau, was von ihnen erwartet wird. In der Trauer wachsen die Menschen in Hatzbach zu einem eingespielten Team zusammen. Still, unaufgeregt, beschäftigt.

Die Männer greifen zu Schaufel und Spitzhacke. Die Frauen beginnen mit den Vorbereitungen für die Trauerfeier. Es wird Kuchen gebacken, tröstende Worte gesprochen und immer wieder versucht, den plötzlich so schweren Alltag für die Trauernden zu entlasten.

Sechs Männer aus der unmittelbaren Nachbarschaft, so zumindest schreibt es die Tradition vor, treffen sich auf dem Friedhof. Häufig sind es aber deutlich mehr. Alle wollen mit anpacken, wollen in den Momenten der Sprachlosigkeit ein Zeichen der Unterstützung setzen.

Ortsvorsteher Frank Drescher weiß wovon er spricht. Auch er hat schon zweimal zur Schaufel gegriffen und bei der Grabaushebung auf dem Hatzbacher Friedhof geholfen. Ein Friedhof, auf den die Dorfbewohner besonders stolz sind. Denn seit 2002 ist die Ruhestätte der Hatzbacher, als einziger Stadtteil von Stadtallendorf, in Kirchenhand.

Für die Pflege des Friedhofes sind die Angehörigen und Dorfbewohner selbst verantwortlich. Keine Stadtgärtnerei, die Hecken schneidet, keine öffentlichen Mülltonnen, die für teures Geld entleert werden müssen. Alles basiert auf Vertrauen.

Kennen auch Sie eine Tradition oder einen Brauch, der vom Aussterben bedroht ist? Dann rufen Sie uns an (0 64 21 / 40 93 64) oder schreiben Sie eine Mail: serie@op-marburg.de

von Marie Lisa Schulz

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