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Gewonnene Zeit fließt in die Förderung

Stiftsschule Amöneburg Gewonnene Zeit fließt in die Förderung

Die Stiftsschule wird ihre bewährte „G8“-Zeitstruktur beim Wechsel nach G9 nicht ändern. Die gewonnene Zeit fließt in die Förderung des selbstständigen Lernens.

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Die Stiftsschule St. Johann hat eine einmalige Lage mitten „auf dem Berg“. Hans-Georg Lang leitet das Gymnasium. Fotos: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Amöneburg. OP: Wann stellen Sie auf G9 um?

Hans-Georg Lang: Wir stellen zum kommenden Schuljahr (2013/14) auf G9 um; diese Grundsatzentscheidung ist bereits im Oktober 2012 gefallen. Das Gesamtkonzept für ein neues G9 liegt inzwischen dem Schulträger zur Genehmigung vor.

OP : Gibt es zu diesem Zeitpunkt auch schon passende Lehrbücher für G9?

Lang: Es gibt Lehrbücher für alles, was in einem neunjährigen Gymnasium unterrichtet werden soll. Unabhängig davon, ob die Bücher auf das Pensum eines Schuljahres zugeschnitten sind, werden die Lehrbücher auf einen kompetenzorientierten Unterricht neu ausgerichtet. Die Folgen dieser Umstellung lassen sich mit den Anforderungen für G9-Bücher verbinden.

OP: Können jetzige Fünft-, Sechst- oder gar Siebtklässler, die nach G8 unterrichtet wurden, im neuen Schuljahr wieder nach G9 unterrichtet werden?

Lang : Dies ist an unserer Schule nicht vorgesehen. In allen angesprochenen Jahrgangsstufen gibt es Eltern, die auf der Einhaltung unserer Zusage, ihre Kinder bereits nach 8 Jahren zum Abitur zu führen, bestehen. Ein Angebot für diese Klassen würde folglich eine G8/G9-Parallelstruktur erfordern, die jedoch von unserem Träger, von der Schulleitung und von der Mehrheit des Kollegiums abgelehnt wird.

OP: Wann bieten Sie die zweite Fremdsprache an, zur sechsten oder siebten Klasse?

Lang: Unsere Schüler werden ab der 5 in Latein und Englisch unterrichtet. Hierbei ist die Gesamtstundenzahl für Englisch in der Sekundarstufe I nicht viel geringer als die der ersten Fremdsprache Latein. Zudem arbeiten wir daran, dass das Sprachenlernen durch Synergieeffekte wechselseitig gefördert wird. Ab der Klasse 8 baut dann das Erlernen einer dritten Fremdsprache, das heißt von Griechisch oder Französisch, auf diesen ab der 5. Klasse gelegten Grundlagen auf.

OP: Gibt es irgendwelche Erkenntnisse aus G8, die auch bei der Rückkehr zu G9 an ihrer Schule weiterhin eine Rolle spielen?

Lang: Auf vielen Feldern hat die Umsetzung von G8 die Stiftsschule ein großes Stück voran gebracht; dies gilt zum Beispiel für die Organisation des Schultages, die Stundentafel und die Unterrichtsentwicklung. Wir haben Elemente in unseren Schulalltag des neuen G9 integriert, die unter G8 wesentliche Bestandteile der Gestaltung des Lebensraums Schule geworden sind. Dazu gehören unsere Zeitstruktur mit einer Mittagspause von 60 Minuten, das Klassenlehreressen im Johanneshaus für die 5 und 6, die Neigungsgruppen und offenen Angebote. Diese Elemente wollen wir beibehalten beziehungsweise verstärken. Deshalb sieht das vorgelegte Konzept vor, dass wir auch bei G9 bei der wöchentlichen Stundenzahl von 34 Unterrichtsstunden für alle Jahrgangsstufen von 5 bis 10 bleiben. Damit soll noch stärker als in G8 das selbstständige Lernen und Üben gefördert werden. Die häusliche Arbeit erfährt somit eine Reduzierung auf das unbedingt Nötige. Innerhalb dieser Unterrichtszeit wird in G9 auch der Förderunterricht verankert. Da alle Schüler der Unter- und Mittelstufe erreicht werden sollen, sei es in ihren Stärken oder ihren Schwächen, ist er verpflichtend. Somit endet, sofern unser Konzept so genehmigt wird, für alle Fünft- bis Zehntklässler die Schulzeit montags bis donnerstags verlässlich um 14.30 Uhr, freitags um 12.45 Uhr. Diese Rhythmisierung bringt eine klare Struktur in die Woche und ermöglicht den Eltern eine zuverlässige Planung.

OP: Mit der Entscheidung, zu G9 zurückzukehren gibt es für Eltern und Schüler weiterhin keine echte Wahlfreiheit, wie von der jetzigen Landesregierung versprochen. Angesichts der Landtagswahl im September kann es gut sein, dass es eine neue Regierung geben wird, die wiederum eigene Akzente bei der Schulpolitik setzen möchte. Haben Sie Angst, jetzt in ein System zu investieren, das je nach Ausgang der Landtagswahl im Herbst wieder in Frage gestellt werden könnte?

Lang: Der Ausgang der nächsten Landtagswahl wird uns als Schule in freier Trägerschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht davon abbringen, unser neu entwickeltes G9 wie geplant und von unserem Schulträger genehmigt zu verwirklichen.

OP: Andere Länder, andere Sitten. Was halten Sie von der Idee, dass es keine Sitzenbleiber mehr geben soll, wie aktuell von der neuen rotgrünen Regierung in Niedersachsen gefordert?

Lang : Die Möglichkeit des Sitzenbleibens sollte weiterhin bestehen; Schüler haben so einen starken Antrieb, sich um eine Leistungssteigerung zu bemühen, um in der vertrauten Lerngruppe bleiben zu können.

von Michael Rinde

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