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Gewerkschaftler zeigen Flagge

Tag der Arbeit Gewerkschaftler zeigen Flagge

16000 Menschen im Landkreis schlagen sich ausschließlich mit Minijobs durchs Leben. Ein Skandal, findet Pit Metz, Vorsitzender des DGB Marburg-Biedenkopf.

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Die DGB-Demonstration am gestrigen Tag in Marburg zog deutlich mehr Teilnehmer als im Vorjahr an. Der diesjährige Slogan „Gute Arbeit. Sichere Rente. Soziales Europa.“ treffe genau die Themen, um die es jetzt vor den Wahlen im Bund und in Hessen gehe, so die einhellige Meinung.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. 800 Menschen ließen die Veranstaltung des DGB Marburg-Biedenkopf zum gestrigen Tag der Arbeit zu einem Erfolg werden. Wie üblich zog zunächst ein Demonstrationszug von der Bahnhofstraße über den Marktplatz bis zum Elisabeth-Blochmann-Platz, wo die Hauptkundgebung und Maifeier des DGB stattfand.

Dort ließ es sich zunächst der Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel nicht nehmen, ein kämpferisches Grußwort auszusenden. Ohne eine Veränderung sei die soziale Gerechtigkeit nicht mehr gegeben. Die Kluft zwischen Arm und Reich sei so sehr angewachsen, dass der soziale Frieden schon als gefährdet angesehen werden müsse.

Foto: Nadine Weigel

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Es sei unerträglich, zu sehen, wie ein Uli Hoeneß versuche, sich über Beziehungen aus seiner Verantwortung als Steuersünder zu stehlen.

Pit Metz ging in seiner Rede auf die „gute Arbeit“ ein. Unverantwortlich nannte er die Tatsache, dass allein im Landkreis Marburg-Biedenkopf 7700 Menschen, die einen Vollerwerbsjob haben, noch mindestens einem Nebenjob nachgehen, um ihren Lebensunterhalt sicherstellen zu können. 16000 Menschen würden ausschließlich von Minijobs leben. Eine Dauerflexibilität des Arbeitnehmers führe nicht nur zu Stress und Erkrankungen, sondern auch dazu, dass solche Menschen gar keine Zeit mehr haben, im Privatleben Ehrenämter, etwa für einen Verein, anzunehmen. „Gute Arbeit heißt auch, dass das Betriebsklima stimmen muss. Der Arbeitnehmer muss als Mensch ernst genommen werden und nicht als Kostenfaktor wahrgenommen werden, der zu funktionieren hat.“

Und weiter: „Wir erwarten Tariftreue.“ Wenn die SPD im Lager der Gewerkschaften Stimmen für den Bundestagswahlkampf ziehen möchte, müsse sie auch deutlich machen, dass die Agenda 2010 ein Fehler war und aufhören von einer Agenda 2020 zu reden. Hartz IV gehöre abgeschafft, weil diese „Reform“, benannt nach einem Verbrecher, zum einen eine entwürdigende Zumutung für die Betroffenen sei und als ein Erpressungsinstrument zur Disziplinierung von beschäftigen Menschen genutzt werde.

Die Gewerkschaften müssten jetzt zusammenstehen und für die „Bändigung eines entfesselten Kapitalismuses“ eintreten. Und zum Thema Steuerflucht sagte Metz: „Die Täter sind Diebe und Betrüger und das gilt auch für einen Uli Hoeneß.“

Die Gewerkschaft Verdi stellte auf einem Plakat dar, dass deutsche Staatsbürger auch in Deutschland ihre Steuer zu zahlen haben, egal wo sie wohnen.

Björn Borgmann, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung am UKGM, sprach in Vertretung der erkrankten Betriebsratsvorsitzenden Bettina Böttcher und machte unmissverständlich klar, dass der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen nicht aufhören werde. „Wir brauchen einen gesetzlich geregelten Personalmindeststandard. Der Profit darf nicht auf Kosten der Mitarbeiter und Patienten erzielt werden.“

von Götz Schaub

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