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Gewalt und Randale sind verboten

20 Jahre BVB-Express Oberhessen Gewalt und Randale sind verboten

Organisierte Fußball-Begeisterung in Stadtallendorf trägt nicht zwangsläufig den Vornamen Eintracht. Ein Freundeskreis in Schwarz und Gelbunterstützt Borussia Dortmund. Und das seit 20 Jahren.

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Normalerweise tragen die Mitglieder des BVB-Expresses Oberhessen Schwarz-Gelb nur auf der Südtribüne des Westfalenstadions. Für das Jubiläumsfoto tragen sie die Bergmannsfarben auch mal auf einer oberhessischen Wiese. Foto: Matthias Mayer

Stadtallendorf. Das Jubiläum feierte der inzwischen auf 112 Mitglieder angewachsene Fanclub BVB-Express Oberhessen im Stadtallendorfer Schützenkreis. Die rasante Entwicklung des Vereins war 1995 nicht absehbar, als sieben BVB-Anhänger den Fanclub gründeten. Als Geburtshelfer für die Gründung in der Stadtallendorfer Gaststätte Zur Eule fungierte die Dortmunder Meistermannschaft unter Trainer Ottmar Hitzfeld, die am letzten Spieltag zum ersten Mal nach 32 Jahren wieder die Schale an den Borsigplatz holte. Pfarrer Bernd Arlt war bei diesem historischen Ereignis dabei, zeltete bei Dauerregen mitten in Dortmund, um am Folgetag bei der größten Meisterschaftsfeier in der Geschichte des deutschen Fußballs dabei sein zu können: 500000 fluteten damals die Innenstadt.

„Das war ein grandioses Gemeinschaftserlebnis“, beschreibt Bernd Arlt seinen emotionalsten Moment mit dem BVB. Thomas Nahrgang hat das auch so erlebt. „Die Meisterschaft 1995 war gigantisch. Man muss viele Tiefschläge erleben, um solche Triumphe wirklich genießen zu können. Aber natürlich haben sich auch die Jahre mit Jürgen Klopp ins Gedächtnis eingebrannt. „Das waren unsere Vollgasjahre. Die Mannschaft hat Vollgas-Fußball gespielt, Trainer, Verein und wir Fans haben Vollgas gegeben“, sagt Thomas Nahrgang, der als Geschäftsführer alle operativen Angelegenheiten erledigt und mit seiner Gelassenheit und inneren Ruhe als die Seele des Fanclubs gilt.

Schriftführer Bernd Gies hat ebenfalls Jürgen Klopp im Sinn, wenn er an sein intensivstes BVB-Erlebnis denkt. „2008 zogen wir nach einer schwierigen Situation ohne Aussicht auf Erfolg ins Pokalfinale gegen die Bayern ein“, erinnert sich Gies an die bedrückte Stimmung im Fanlager. Gleichwohl zwang die Verlegenheitself die übermächtigen Bayern durch ein spätes Tor von Mladen Petric in die Verlängerung. Das Spiel ging zwar noch verloren, aber in der gleichen Nacht sickerte die für Bernd Gies entscheidende Nachricht durch: „Jürgen Klopp wird neuer Trainer in Dormund.“

Der Vereinsvorsitzende Volker Paffrath erinnert sich besonders gern an den Gewinn der Champions League 1997, als Schwarz-Gelb in München durch Tore von Kalle Riedle und Lars Ricken Juventus Turin, die damals beste Vereinsmannschaft der Welt, entzauberte und „Susi“ Zorc den Pokal in den Nachthimmel stemmte. Für Paffrath auf einer Stufe mit dem Triumph über Juve steht der 2011 so atemberaubend herausgespielte DM-Titel.

Kinder und ältereMenschen sind willkommen

Was macht den BVB-Express Oberhessen so besonders? „Wir sind ein generationenübergreifender Verein. Bei unseren Fahrten zu Spielen sind auch Kinder und ältere Menschen dabei“, stellt Volker Paffrath fest. Für Thomas Nahrgang heben feste Regeln den BVB-Express von vielen anderen Fanclubs ab. „Wir unterstützen unseren Verein bedingungslos, lehnen aber Gewalt, Randale, Rassismus und Alkoholmissbrauch sowohl im Bus als auch im Stadion konsequent ab.“ Deshalb werde im Bus kein Schnaps verkauft und für Jugendliche unter 18 Jahre gebe es überhaupt keinen Alkohol. Wichtiger Nebeneffekt für den Geschäftsführer: Wegen des zivilisierten Verhaltens habe der Verein keine Probleme, Busunternehmen für die regelmäßigen Fahrten zu den Spielen zu finden.

Bernd Gies verweist auf den in der Satzung festgeschriebenen Benefiz-Gedanken des Vereins. Dieser unterstütze das Hospiz in Marburg und die Kinderkrebsstation in Dortmund. Außerdem schätzt er den familiären Charakter des Vereins. „Wir kennen uns, pflegen auch außerhalb des Fußballs Kontakte, nehmen aneinander Anteil.“ Das geht so weit, so Bernd Arlt, dass die BVB-Fans verstorbene Mitglieder auf ihrem letzten Weg begleiten - getreu ihres Wahlspruchs: „Auch in ganz schweren Zeiten werden wir dich stets begleiten.“

Heute kommen die Mitglieder längst nicht mehr nur aus Stadtallendorf. „Wir haben starke Fraktionen in Momberg, im Nordkreis, im Ebsdorfer Grund sowie in Marburg und Umgebung. Der wachsende Zuspruch hat auch damit zu tun, dass der Verein etwas zu bieten hat, was der normale BVB-Fan weder für Geld noch gute Worte bekommt: Eintrittskarten für das Epizentrum des westfälischen Fußball-Frohsinns. Die bekommt der BVB-Express als offiziell vom BVB anerkannter Fanclub.

n Internet: www.bvb-express.de

von Matthias Mayer

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