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Gesucht werden Wohnungen und Helfer

Ehrenamtliche Hilfen für Flüchtlinge Gesucht werden Wohnungen und Helfer

58 Flüchtlinge leben derzeit in Kirchhain. Deren Lebenssituation hat sich inzwischen deutlich verbessert, aber es bleibt noch viel zu tun. EineArbeitsgruppe Ehrenamtlicher engagiert sich im Zusammenspiel mit Stadt und Kreis.

Kirchhain. Helga und Hans-Jürgen Sitt gehören der Arbeitsgruppe an. Beide engagierten sich schon in den 90er Jahren für die Flüchtlingsarbeit in ihrer Stadt, die unter ganz anderen Vorzeichen stand: „Damals bewohnten nur junge Männer aus Afrika die Container an der Frankfurter Straße. Das führte zu Spannungen und Problemen. Heute haben wir es fast ausschließlich mit Flüchtlingsfamilien zu tun, die im Stadtbild nicht auffallen“, erzählt Helga Sitt im Gespräch mit dieser Zeitung.

Diese Unauffälligkeit veranlasste die Stadtverordnete Helga Sitt zu einer Anfrage, ob überhaupt schon Flüchtlinge in Kirchhain wohnen. Die Antwort: ja, und zwar in den Apartments eines Kirchhainer Hotels.

Wenig später fand eine Informationsveranstaltung der evangelischen Kirche zur Situation der Flüchtlinge in Kirchhain statt, aus deren Teilnehmerinnen und Teilnehmern sich dann die Arbeitsgruppe bildete.

Und die hat in kurzer Zeit mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement viel erreicht:

n Sprachunterricht: Rita Jülich, Doris Golin und Reinhard Heck bieten ehrenamtlichen Deutschunterricht im Jukuz für die aus unterschiedlichen Sprachräumen stammenden Flüchtlinge an. Die Verständigung erfolgt „mit Händen und Füßen“. Die AG-Mitglieder haben für den Unterricht Bücher und Materialien gekauft - „bürgerschaftlich und an der Bürokratie vorbei“, wie Helga Sitt berichtet. Die Termine im Jukuz sind insbesondere für die Erwachsenen unter den Teilnehmern eine willkommene Abwechslung im Alltag. n Hausaufgabenbetreuung: Die Flüchtlingskinder besuchen in Kirchhain die Kita und die Grundschule. An dieser wurde eigens eine Sprachklasse eingerichtet. Schüler von weiterführenden Schulen werden in Stadtallendorf unterrichtet, weil es dort Sprachklassen gibt. Unterstützend hat die Arbeitsgruppe eine Hausaufgabenbetreuung in der Rektoratsschule eingerichtet, die Martina Seifert-Pawlik federführend betreibt. n Begegnungscafé: Flüchtlinge und Bürger kommen zum Begegnungscafé in zwangloser Atmosphäre bei Kaffee, Kuchen und Getränken im Jukuz in zwangloser Atmosphäre zusammen. Die regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung ist die beste Möglichkeit, soziale Kontakte zwischen Bürgerschaft und Flüchtlingen zu knüpfen und zu vertiefen. Die Flüchtlingsunterkünfte seien dafür wegen der beklemmenden Enge nicht geeignet, erklärt Helga Sitt. Das nächste Begegnungscafé öffnet am 13. November um 15 Uhr im Jukuz (Borngasse 29). n Aufbau eines Netzwerks: Die AG-Mitglieder sind inzwischen gut vernetzt: Landkreis, Stadt, Kirche, Jukuz-Team, Hilfsorganisationen und Vereine. Zwei Beispiele für den Erfolg der Vernetzung: Wolfgang Budde hat bereits einige Flüchtlingskinder zu den TSV-Fußballern gelotst, und die Arbeiterwohlfahrt in Kirchhain fungiert inzwischen als Makler in Sachen Möbel und Hausrat, den Kirchhainer Bürger spenden wollen, und den Flüchtlingen. Für die Alltagsbegleitung fehlt es an Unterstützung Erster Ansprechpartner für die Flüchtlinge sind von Amts wegen die Sozialarbeiter des Landkreises. Die wenden sich an die Arbeitsgruppe, wen Flüchtlinge bei der Bewältigung von Alltagsproblemen Hilfe brauchen. „Wir helfen dann so gut wie wir können, stoßen in der Alltagsbegleitung aber mit unseren zwölf Mitgliedern schnell an Grenzen“, wünscht sich Helga Sitt im Interesse der Flüchtlinge mehr Mitstreiter.Den zweiten Wunsch der Arbeitsgruppe artikuliert Hans-Jürgen Sitt: mehr Wohnungen für die Flüchtlingsfamilien. „Die Leute können sich in den Sammelunterkünften nicht aus dem Weg gehen; das kann keine Dauerlösung sein. Wir wollen in Kirchhain keine Gettoisierung“, sagt er und meldet einen ersten Erfolg: Über dem TSV-Sportheim hat eine Flüchtlingsfamilie ein neues Zuhause gefunden. Derweil kümmert sich Gordon Schneider, der unter anderem auch für Flüchtlinge zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, intensiv um die Anmietung weiterer Wohnungen. Nach dem Kenntnisstand von Helga Sitt hat er zwei Wohnungen in Aussicht sowie weitere Angebote vorliegen. Hans-Jürgen Sitt sieht in der Arbeitsgruppe auch eine Kontrollinstanz gegenüber dem Umgang der Behörden mit den Flüchtlingen. „Die Flüchtlinge haben eine schwache Position; wir sind eine Art Anwalt für sie“, sagt er und ergänzt: „Die Flüchtlinge sind kein Problem, sondern eine Aufgabe für unsere Gesellschaft. An deren Bewältigung mitzuwirken kann auch Spaß machen.“ n Wer in der Arbeitsgruppe mitwirken möchte, kann sich bei Pfarrer Rainer Wilhelm melden. Telefon: 06422/20 27. E-Mail:Rainer.Wilhelm@ekkw.de

von Matthias Mayer

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