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Gesucht: 40 Anschlusswillige

Bioenergie Gesucht: 40 Anschlusswillige

Während der außerordentlichen Versammlung der Bioenergiegenossenschaft Kleinseelheim wurde das neue Nahwärmeprojekt vorgestellt, was weiter verfolgt werden soll.

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Gut gefüllt war das Dorfgemeinschaftshaus bei der Info-Veranstaltung zum neu konzipierten Kleinseelheimer Nahwärme-Projekt. Foto: Klaus Böttcher

Kleinseelheim. Professor Rainer Waldhardt erklärte zunächst in seiner Eigenschaft als Ortsvorsteher und als Vorstandsmitglied der Bioenergiegenossenschaft die Historie, denn man beschäftigt sich in Kleinseelheim schon seit 2014 mit dem Thema. Eine Machbarkeitsstudie habe Anfang 2015 ergeben, dass bei einem Anschluss von 95 Häusern eine Nahwärmeversorgung wirtschaftlich und tragfähig sei. Im Juli 2015 gründeten 30 Kleinseelheimer die Bioenergiegenossenschaft. Das zu bauende Nahwärmenetz sollte mit Solarthermie, Pelletofen und Holzhackschnitzel-Heizkesseln mit Wärme versorgt werden. Es fanden sich jedoch lediglich 50 Anschlusswillige. „Über das Knie brechen wollten wir es nicht“, verdeutlichte Waldhardt. So erhielt der Vorstand der Genossenschaft den Auftrag, ein grundsätzlich neues Konzept zu erarbeiten.

Ein neues Konzept, das in Kooperation mit der EAM Natur GmbH verwirklicht werden kann, soll nun den Durchbruch bringen. Dieses Konzept stellten Siegmund Laufer und Ulrich Löttert-Götz vor Genossenschaftsmitgliedern und interessierten Bürgern vor.

Als Heizmaterial dient Heckenschnitt, für den es bislang keine sinnvolle Verwendung gab. Der wird aus dem Biomassezentrum Stausebach angeliefert und in zwei je 36 Kubikmeter fassenden Containern gelagert. Aus diesen werden zwei 500kW-Biomassekessel gefüttert. Die Heizenergie wird über einen 60 Kubikmeter fassenden Wärmepufferspeicher in das vier Kilometer lange Nahwärmenetz eingespeist. Siegmund Laufer stellte klar: „Wir haben die Anlage für 100 Anschlüsse geplant und durchgerechnet, bei 50 Anschlüssen lohnt sich das nicht.“

Die EAM baut und betreibt die Heizzentrale und verkauft die Wärme an die Genossenschaft. Über langfristige Verträge sind die Kosten der Wärmelieferung kalkulierbar und nicht an den Öl- oder Gaspreis gebunden. Die EAM übernimmt außerdem die Planung für den Bau des Nahwärmeleitungsnetzes. Die Genossenschaft finanziert als Eigentümer des Netzes den Bau. Dazu gehören auch die Anschlussleitungen bis in die Häuser und die Übergabestationen, die die Funktion der Heizkessel übernehmen. Mit dem Nahwärmerohren sollen auch Glasfaserkabel verlegt werden, mit denen einerseits die Nahwärmeversorgung gesteuert wird, aber andererseits auch ein schnelles Internet möglich ist.

Die Kosten für das jetzt geplante Modell betragen 1,3 Millionen Euro. Die Kalkulation liegt um 1,5 Millionen Euro unter dem Kostenrahmen für das verworfene Modell. Auch der Wärmepreis, den die Abnehmer pro Kilowattstunde zu zahlen hat, ist um einen Cent auf 11,9 Cent abgerutscht. Die Genossenschaftseinlage beträgt 5500 Euro. Die anwesenden Genossen stimmten bei einer Enthaltung dem neuen Konzept zu.

Für das Konzept warben Dr. Helmut Otto vom Fachbereich ländlicher Raum und beim Kreis, Dr. Norbert Clement, Fachdienstleiter für Klimaschutz und erneuerbarer Energien, der Kirchhainer Stadtverordnetenvorsteher Klaus Weber und der Geschäftsführer der ­Region Burgwald, Stefan ­Schulte.

„Wir haben eine ganz andere Situation als vor einem halben Jahr“, sagte Ortsvorsteher Waldhardt, auch mit Blick auf die inzwischen rund 60 Anschlusswilligen. Es gilt also, noch rund 40 Kleinseelheimer Haushalte für das Projekt zu gewinnen. Und dass muss, so Waldhardt, bis zu den Sommerferien gelingen. Die EAM garantiert, dass Nahwärme ab dem 1. Oktober 2017 in die Haushalte kommt. Zu den Vorreitern gehören unter anderen die Stadt Kirchhain sowie der RSV Kleinseelheim. Für weitere Fragen stehen Armin Bothur (Telefon: 899983), Ulrike Simon (Telefon: 6554) und Rainer Waldhardt (Telefon: 0160-96661735) zur Verfügung.

von Klaus Böttcher

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