Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Regen

Navigation:
Gesparte Kraft fließt in andere Projekte

Unser Dorf hat Zukunft Gesparte Kraft fließt in andere Projekte

Haarscharf hat Großseelheim den Bundeswettbewerb verpasst. Von Enttäuschung gibt es jedoch keine Spur: Platz zwei auf Landesebene macht die Bürger mächtig stolz. Und das zu Recht.

Voriger Artikel
Heimische Dörfer scheitern knapp
Nächster Artikel
Und wieder soll‘s ein Mardorfer machen

Vor knapp einem Monat war die Jury zu Besuch in Großseelheim.Archivfoto: Matthias Mayer

Großseelheim. „Ich bin richtig glücklich“, betonte Großseelheims Ortsvorsteher Helmut Hofmann wenige Minuten, nachdem das hessische Umweltministerium die Sieger des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ bekanntgegeben hatte. Der Kirchhainer Stadtteil landete in der Gruppe B - Dörfer ohne Teilnahme an Dorfentwicklungs- oder anderen Förderprogrammen - auf Platz zwei hinter Oberweser-Oedelsheim (Landkreis Kassel) und verpasste damit ebenso knapp die Qualifikation für den Bundesentscheid wie Niederwalgern, das bei den Dörfern mit Förderung hinter Meißner-Germerode (Werra-Meißner-Kreis) ebenfalls Zweiter geworden ist (siehe Bericht auf Seite 10).

Von Enttäuschung war aber nichts zu spüren: „Klar war die Hoffnung sehr hoch. Aber das Ergebnis ist herausragend und gibt keinen Grund zur Traurigkeit“, sagte Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner, sprach den Bürgern seine Glückwünsche aus, lobte ihr „tolles Engagement“ und ergänzte: „Das Ergebnis freut mich sehr.“

Jürgen Wenz, der Vorsitzende der Volkstanz- und Trachtengruppe Großseelheim gewann der verpassten Qualifikation für die nächste Runde sogar Positives ab: „Die gesparte Kraft können wir dann voll in den Adventsmarkt stecken, der ebenfalls ein tolles Gemeinschaftsprojekt ist.“

„Platz zwei ist richtig gut für die Dorfgemeinschaft“, sagte Hofmann und stellte heraus, dass die Bürger gemeinsam etwas geschaffen hätten, das nachhaltig und von großem Nutzen für das Dorf sei. Er hob das Luther-Gärtchen, den Geschichts- und Kulturlehrpfad und das Flugblatt mit Informationen über Großseelheim hervor. Alle drei Projekte seien zukunftsorientiert: „Das Gärtchen werden wir weiter ausgiebig pflegen, schließlich ist 2017 Luther-Jahr“, nannte er als Beispiel und kündigte an, den Flyer stets aktuell zu halten. Zudem sei es eine Daueraufgabe, die sehr gute Infrastruktur und den durch den Wettbewerb zusätzlichgewachsenen Zusammenhalt weiter zu pflegen und zu entwickeln. „Stillstand ist Rückstand“, sagte der Ortsvorsteher und betonte: „Ich bin sehr dankbar für die sehr aktive Gemeinschaft, in der ich lebe.“ Stillstand sei für die meisten seiner Mitmenschen undenkbar: „Alleine schon die Teilnahme am Wettbewerb bringt Dörfer weiter. Sie hat die Gemeinschaft noch näher zusammengebracht. Ortsbeirat, Kirchengemeinde, Vereine, Gewerbetreibende, Landwirtschaft - alle haben mitgezogen. Sonst wäre das alles nicht möglich gewesen.“

„Wenn wir das, was wir in der Vorbereitung und während des Wettbewerbes erreicht haben, erhalten können - dann sind wir für die Zukunft sehr gut aufgestellt“, kommentierte Wenz. Er fügte noch hinzu, dass ein solcher Wettbewerb den Menschen auch noch einmal die Augen öffne, wie schön und gut gelegen das Heimatdorf sei: „Das wurde manch einem erst während des Wettbewerbes wieder bewusst, als er sich mit dem Dorf auseinandersetzte.“

Sieger bekommt Lob fürs Einbinden von Flüchtlingen

Gestern Abend kamen die Großseelheimer zusammen, um auf Platz zwei anzustoßen - und wahrscheinlich auch schon wieder Projekte für die Zukunft zu planen: „In Großseelheim bewegt sich immer etwas“, sagt der Ortsvorsteher nicht umsonst.

Über die Gewinner der beiden Kategorien heißt es aus dem Hessischen Umweltministerium: „Meißner-Germerode inszeniert sich hervorragend mit seinem Tourismuspotential, zeichnet sich durch gute Erfolge bei der Leerstandvermarktung aus und hat eine erfolgreiche Wertschöpfung mit landwirtschaftlichen Kooperationsprojekten vorzuweisen.“

Über Oberweser-Oedelsheim heißt es, dass es ein Beispiel sei für sehr gute bauliche und grünordnerische Gestaltung. „Es herrscht ein generationsübergreifender Zusammenhalt der Bewohner unter anderem durch Einbindung von Flüchtlingen, und das Dorf zeichnet sich durch die überregionale touristische Zusammenarbeit im Bereich Wasser und Kulturgeschichte aus.“

Insgesamt hatten 119 Dörfer an den Regionalentscheiden teilgenommen, 16 waren in Runde zwei eingezogen.

Den Sonderpreis zum Thema „Jugend im Dorf“ gewann Weilburg-Drommershausen, das sich durch eine „institutionalisierte Jugendarbeit“ (Ortsbeirat) sowie breitgefächerte Partizipationsangebote für Jugendliche auszeichnet.

Eine Sonderauszeichnung für herausragende Gemeinschaftsleistungen erhält Vöhl-Schmittlotheim - als kleinster Ort mit hohem Entwicklungspotential.

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser wird die Landessieger in einer Feierstunde am 11. Oktober in der Stadthalle von Melsungen auszeichnen.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr